04. Entscheidung

von Andrea

Es dauerte noch bis zum Februar 2016. Da sagte Ole: „Lass uns nächstes Jahr der Länge nach durch Norwegen gehen.“

Der Nord-Virus hatte uns in den Jahren seit dem ersten Schritt beim Fjällräven Classic nicht wieder losgelassen.  Zum Jahreswechsel 2010/2011 hatten wir in Abisko die Polarnacht, Temperaturen bis minus 35 Grad und Polarlichter erleben dürfen. Wir hatten uns dabei gefühlt wie Kinder, weil wir jeden Tag etwas Neues entdeckten: dass die Haare in der Nase beim Atmen gefrieren und dann ziepen, dass man mit Eisklümpchen an die Wimpern die Augen kaum noch öffnen kann, wie metallisch Schnee bei minus 20 Grad klingt, dass Brillengläser nicht beschlagen, sondern gleich von Eisblumen überzogen werden, …

Und wir hatten dort das erste Mal die in Skandinavien viel benutzten Wanderski ausprobiert (so genannte Back Country Ski). Hatten wir bis dahin steif und fest behauptet, dort oben niemals eine Skiwanderung zu machen – unvorstellbar! viel zu gefährlich! – sahen wir das nun ein klitzekleines bisschen anders. Da wir aber immer noch schissige Stadtkinder waren, ging es in 2012 zunächst mit einer Gruppe auf eine geführte mehrtägige Skiwanderung auf den südlichen Kungsleden bei Grövelsjön. Im darauffolgenden Jahr legten wir dann die Strecke des Fjällräven Classic auf Ski zurück. Und in 2016 zogen wir unseren neu erstandenen Gepäckschlitten (= Pulka) durch die Gegend rund um Abisko. Hatte das Winterwetter bei den vorigen beiden Skiwanderungen „nur spielen wollen“, zeigte es uns in 2016 so dermaßen die Zähne, dass wir nach mehreren Tagen Schneesturm bei bis zu minus 10 Grad recht kleinlaut und demütig wieder in Abisko einliefen. (Womit dann die naive Wunschvorstellung, auch im Winter mal mit Zelt unterwegs zu sein, statt in Hütten zu übernachten, vorerst mal geparkt wurde.)

Zwischendurch waren wir im Herbst 2014 noch auf dem Padjelantaleden unterwegs gewesen. Als wir nach 9 Tagen wieder in der Zivilisation ankamen, waren wir so wehmütig, dass wir gleich noch vier Tage auf dem Kungsleden dran hängten – das ging gerade eben noch bis zu unserer gebuchten Rückreise.

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Lange Rede, kurzer Sinn: Der Nord-Virus ließ uns nicht los. Und das ältere Ehepaar, dass wir auf dem Nordkalottleden getroffen hatten und das der Länge nach durch Norwegen lief, hatten wir in all den Jahren auch nie vergessen.

Und im Februar 2016 fiel dann die Entscheidung. Da sagte Ole: „Lass uns nächstes Jahr der Länge nach durch Norwegen gehen.“ Wirklich passen tut es beruflich ja eigentlich eh nie, mal eben mehrere Monate zu verschwinden. Aber wollten wir warten, bis wir in Rente gehen? Leben wir dann noch? Und können wir eine solche Wanderung dann noch bewältigen? Und wenn es beruflich eigentlich eh nie wirklich passt, warum dann nicht in 2017? Weil uns gerade danach war und die Vorstellung gerade gut tat.

Nach einer Weile Recherche verwarfen wir allerdings den Plan, komplett der Länge nach durch Norwegen zu gehen. Vier Monate wollten wir uns Zeit nehmen, das war ein guter Kompromiss zwischen beruflichen Verpflichtungen und dem Ausleben unseres Nord-Virus. In vier Monaten die etwa dreitausend Kilometer von der Südspitze Norwegens bis zum Nordkapp zurückzulegen, trauten wir uns nicht zu. Wir wollten keinen Stress. Wir wollten die Freiheit und das Draußen sein genießen. Und so fiel die Wahl auf den Europäischen Fernwanderweg E1 und zwar auf den Abschnitt von Grövelsjön in Schweden bis zum Nordkapp. In Grövelsjön beginnt das so genannte Fjäll. Die Vorstellung, unseren Trip dort zu beginnen und von Anfang an im Fjäll statt auf Straßen unterwegs zu sein, gefiel uns. Und von dort bis zum Nordkapp sind es immer noch gut zweitausend Kilometer. Aktuell halten wir es für realistisch, das in vier Monaten zu schaffen. Ob es das wirklich ist, werden wir sehen.

Aber es kommt auch nicht so sehr darauf an, ob wir am Nordkapp ankommen. Es kommt darauf an, dass wir losgehen. Dass wir den schweren Rucksack mit all den Alltagsverpflichtungen zu Hause lassen und dafür einen anderen schweren Rucksack schultern, in dem aber nur das drin ist, was wir täglich zum Leben brauchen. Und dann schauen wir, was daraus wird.

Der Plan B sind übrigens die Malediven.

 

3 Gedanken zu “04. Entscheidung

  1. Liebe Beide – ich freue mich so sehr fuer Euch und fuerchte mich zugleich…Ich bin halt doch die vorsichtige WPin! Auf jeden Fall bis Dienstag bei unserem Mittagessen – ich bin so gespannt, Eure Vorbereitungszeit auch nochmal live zu hoeren. Ganz liebe Gruesse von der Insel! 🙂

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