07. Elf Päckchen-Stationen

von Andrea

So saßen wir nun mit unseren vielen Fragen zu unseren erhofften Päckchen-Stationen vor dem Computer und recherchierten zu jedem der gut 110 Etappenziele. Lag es einer Straße? War es bewirtschaftet? Lag es vielleicht in der Nähe eines Ortes? …? Zum Glück gibt es dazu eine sehr hilfreiche norwegische Internetseite

www.ut.no

auf der wir sogar fast alle Etappenziele fanden und auf einer (etwas rudimentären) Karte anzeigen lassen konnten. Allerdings fühlten wir uns damit der Lösung noch nicht wirklich näher. Wir konnten gerade mal sehen, ob das Ziel an einer Straße lag. Wenn wir den Maßstab veränderten um herauszufinden, ob das nun eine kleinere oder eine größere Straße war, wie weit der nächste Ort entfernt lag, ob dieser vielleicht einen Supermarkt hatte etc., verloren wir schnell den Überblick. Auf dem kleinen Bildschirm fehlte uns einfach jegliches Gefühl für die Entfernung eines Etappenziels zum Rest der Welt.

Ok, ich gebe es zu, ich bin halt kein digital native. Ich wollte Papier!

Und siehe da, wir hatten sogar schon vor einer ganzen Weile Karten von Norwegen gekauft, die einen brauchbaren Maßstab hatten, nämlich 1:350.000 bis ungefähr zur Mitte von Norwegen und nördlich davon 1:400.000. Vier dieser Karten deckten unsere geplante Tour ab. Allerdings waren die Karten recht groß, wir konnten nicht entspannt am Esstisch mit dem Finger die Route nachzeichnen. Bei dem Versuch war ich ständig damit beschäftigt, eine Karte zu verschieben und zu drehen, dafür auf dem Tisch etwas aus dem Weg zu räumen, eine Karte irgendwie anders zu falten, mich selber verdreht über den Tisch zu beugen … oder ich legte die Karten auf den Fußboden und robbte dann dort herum, bis Knie und Rücken schmerzten. So ging das nicht weiter …

Da packte es mich dann kurz vor Weihnachten. Ich wollte eine GROSSE Pinnwand! Mit unserer gesamten Tour drauf! Mit Nadeln drin an allen Etappenzielen! Zum besseren Planen, zum Anfassen, zum Träumen! Ich machte mich also auf die Suche. Es gibt zwar recht große Pinnwände zu kaufen. Aber Norwegen ist größer. Viel größer. Vor allem VIEL länger. Also selber bauen. Wo kann ich Korkplatten kaufen? Wie groß sind die? Wie kann ich die zu einer möglichst großen Fläche verbinden? Kann man Kork kleben, leimen, nageln? Wie groß muss die Fläche eigentlich werden? Und … äh … passt das dann überhaupt in unsere Wohnung?

Also, wieder auf dem Fußboden herumrobben, die Karten möglichst passend aneinanderlegen, prüfen, wo man etwas wegschneiden kann, die gesamte Größe ausmessen, mit dem Fuß versehentlich gegen eine Karte stoßen und sie dann wieder richtig ausrichten, noch mal messen, die Maße aufschreiben, zweifelnd auf die Zahlen schauen, lieber noch ein drittes Mal messen und zweifelnd auf die Deckenhöhe unserer Wohnung schauen.

Unmengen Heftzwecken und kleine Markierungsnadeln wurden fix im Internet bestellt. Dann auf zum Baumarkt, um Korkplatten, Holzleisten, Leim und Nägel zu kaufen. Wer sich mal wie ein richtiger Idiot fühlen will, gehe als Frau in einen Baumarkt und frage dort die männlichen Angestellten nach den eben genannten Utensilien. Ich habe mich in meinem Leben selten weniger ernst genommen gefühlt. Na, dafür ging es den Jungs hinterher vermutlich besser, immerhin etwas.

Wieder zu Hause ging die Bastelarbeit los. Wieder auf dem Fußboden herumrobben, wieder Knie und Rücken quälen. (Wie soll das eigentlich im Zelt werden?) Geht es mit einer einzigen riesigen Pinnwand? Kann man die dann noch bewegen, ohne dass sie zerbricht? Oder doch mehrere kleinere Pinnwände? Und passt Norwegen nun überhaupt in unsere Wohnung?

Zunächst mal drei größere Pinnwände zusammengezimmert. Ungeduldig gewartet, denn der Leim sollte 24 Stunden trocknen. Und ebenso ungeduldig darauf gewartet, dass Heftzwecken und Markierungsnadeln vor Weihnachten noch eintrudeln. „Bitte, Amazon, gib Dir Mühe!“ Kam dann zum Glück tatsächlich rechtzeitig.

Für das Anheften der Karten an die Pinnwände dann immer wieder dieselben aneinandergehalten, die Maße mit den Pinnwänden verglichen, etwas abgeschnitten, wieder aneinandergehalten, noch mal gemessen, noch mal abgeschnitten. Schließlich endlich die zugeschnittenen Karten mit den Heftzwecken an den Pinnwänden befestigt.

Und dann stolz wie Oskar gewesen! Mal etwas machen, das man nach getaner Arbeit anfassen, aufstellen und (ganz verliebt) anschauen kann ist ja großartig!

Und das Ergebnis? Also hochkant passt Norwegen mit über 4 Metern mal definitiv nicht in unsere Wohnung, aber quer passt es. Und durch die drei einzelnen Teile können wir Norwegen gut in drei Abschnitten – hochkant – nebeneinander stellen und bekommen damit einen passablen Überblick.

karten_gross_3

karten_gross_2

karten_gross_1

Für das Einstecken der Nadeln an den „großen“ Etappenzielen hat die Energie am Tag vor Weihnachten gerade noch gereicht. Das Suchen und Markieren jedes einzelnen Etappenziels wurde dann eine Fleißarbeit, der Ole und ich uns an den Feiertagen widmeten. Wir haben tatsächlich alle gefunden, wenn wir auch bei einigen etwas kreativ raten mussten.

Dabei bekamen Start, Ziel und vor allem mögliche Päckchen-Stationen eine rote Nadel, normale Etappenziele eine weiße Nadel. Dazu galt es natürlich, bei allen Etappenzielen an Straßen noch herauszufinden, ob das überhaupt eine bewirtschaftete Unterkunft war.

313-kmDas Ergebnis waren dann zunächst 10 mögliche Päckchen-Stationen. Die potentielle Nummer 11 war Kautokeino als einzige „größere“ Stadt unterwegs, dort wollten wir lieber einkaufen gehen. Die Abstände zwischen den Päckchenstationen lagen zwischen 92 und 313 Kilometern. Hoppla, Moment mal, 313 Kilometer? Können wir für die Entfernung denn die Lebensmittel schleppen? Packesel oder Hunger? Zum Glück fanden wir bald heraus, dass wir mit einem kleinen Umweg unterwegs noch eine bewirtschaftete Hütte an einer Straße erreichen konnten. Also 11 Päckchen-Stationen. Der längste Abschnitt nun mit 245 Kilometern.

Wir waren sehr zufrieden mit uns. Nun mussten wir „nur“ noch für alle Päckchen-Stationen eine E-Mail Adresse finden. Alle anschreiben und fragen, ob wir ein Päckchen schicken dürfen. Und es mussten bitte, bitte alle mit „ja“ antworten.

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