08. Elf mal „ja“ – mit Hürden

von Andrea

Die ersten E-Mails an unsere erhofften Päckchen-Stationen versendeten wir, als das Jahr noch gar nicht so richtig begonnen hatte, nämlich am 2. Januar. Die nächsten folgten gleich am 3. Januar. In allen E-Mails sagten wir kurz, was wir vorhatten und dass wir uns sehr auf unsere Tour freuten und fragten dann, ob wir ein Proviantpaket schicken dürften.

Die erste Antwort kam bereits nach 20 Minuten. Natürlich dürften wir ein Päckchen schicken, dass sie dann für uns aufbewahren würden. Das war das Hotel in Røros, unsere allererste Päckchen-Station. Die nächste Antwort kam auch sehr schnell und zwar von unserer allerletzten Päckchen-Station in Olderfjord. Sie begann mit: „Your plans sound really fun!“ Auch hier durften wir selbstverständlich ein Päckchen schicken. Das fing großartig an!

Ein weiteres Hotel antwortete zwar etwas weniger herzlich, machte uns dafür aber auf ein Problem aufmerksam, das wir bis dahin noch nicht allzu ernst genommen hatten und das uns danach noch mehrere Wochen beschäftigten sollte und diverse Frustanfälle auslösen sollte. Sie sagten uns nämlich, wir dürften ein Päckchen schicken, wenn wir sicherstellen würden, dass wir den Zoll bezahlten und nicht sie den bezahlen müssten. Ups. Zoll? Äh … wie genau würde das dann gehen? Wir verdrängten die Frage zunächst wieder und freuten uns über weitere tolle Antworten. Eine Antwort begann folgendermaßen: „How nice that you are going out for a long hike. I did something similar two years ago and it was the best time of my life.“ Dafür lieben wir sie, die Skandinavier. Niemals würden sie uns fragen, warum wir so etwas tun. Das wissen sie ganz genau … auch wenn sie es wahscheinlich genausowenig in Worte fassen können wie wir.

Eine Station antwortete gar nicht, nämlich die Teveltunet Fjellstue. Von zwei weiteren fanden wir beim besten Willen keine E-Mail Adresse, das waren die Hütte Skjelbredtunet und der Campingplatz Grannes. Und bei einer Station mussten wir entsetzt feststellen, dass das gar nicht wie gedacht eine bewirtschaftete Hütte war, sondern eine unbewirtschaftete. Wie konnte das sein? Den Namen Sulitjelma hatten wir schon so oft gelesen und gehört! Die Hütte dort sollte wirklich nicht bewirtschaftet sein? Wir schauten dreimal nach und dann zu Sicherheit noch zweimal. Es blieb dabei, sie war unbewirtschaftet, dort würde niemand ein Päckchen für uns annehmen können.

Damit hatten wir 4 Baustellen. Es brauchte einen ganzen Monat, bis wir die letzte davon endlich geschlossen hatten. Bei der Teveltunet Fjellstue stellte sich heraus, dass lediglich meine E-Mail im Spam gelandet war. Auf eine freundliche Nachfrage von Ole bekamen wir das ersehnte „ja“.

Für die Gegend der Skjelbredtunet Hütte fanden wir eine Touristeninfo und schrieben denen eine E-Mail. Das Ergebnise war, dass die Unterkunft nicht mehr existierte bzw. keine Zimmer mehr vermietet wurden. Die Dame in der Touristeninfo wusste zwar keine Alternative, leitete unsere Anfrage aber weiter und so schrieb uns dann Gunn Anita, dass es dort auch einen Campingplatz gebe, von dem sie aber nur eine Telefonnummer habe und dass sie selber einige Kilometer entfernt in Bratvoll kleine Hütten vermiete. Noch ein Campingplatz ohne E-Mail Adresse? Außerdem sah die Anlage in Bratvoll im Internet soooo nett aus. Ole träumt schon von dem Steak vom Galloway Kalb, für das im Internet geworben wird und übt seitdem die Aussprache. Also vorsichtige Rückfrage, ob es denn dort einen Bus gibt, um nach Bratvoll zu kommen. Nein, einen Bus gibt es nicht, aber wir sollten eine SMS schicken, dann würde sie uns abholen. Wir waren sprachlos und strahlten um die Wette.

Um für den Campingplatz in Grannes eine E-Mail Adresse in Erfahrung zu bringen, schrieben wir sogar an die zugehörige Kommune. Wir bekamen auch eine sehr nette Antwort, aber auch hier nur eine Telefonnummer. Mit Hilfe unserer Detailkarten im Maßstab 1:50.000, die wir zum Glück über Weihnachten schon bestellt hatten und der Unterstützung von google maps und booking.com pflügten wir uns durch die gesamte Umgebung des Campingplatzes. Wenn wir zwei Etappen früher einen kleinen Umweg durch wegloses Gelände machen würden, würden wir an einem Hof vorbeikommen, der Zimmer vermietete, Furuheim Gård. Mittlerweile schon fast ein wenig mutlos – zumindest was das olle Grannes anging – jagten wir die nächste E-Mail raus. Natürlich durften wir sehr gerne ein Päckchen schicken. Und wenn wir frische Lebensmittel bräuchten, sollten wir Bescheid sagen, sie würden uns dann helfen, diese zu besorgen, da nur zwei mal pro Woche ein Bus in den nächsten Ort fuhr. Äh … kann uns mal jemand kneifen?

Eine ähnliche Recherche brachte schließlich auch eine Lösung für Sulitjelma, nämlich das dortige Turistsenter.Von dort kam dann sogar das Angebot, für uns Trekking-Food und Gas zum Kochen zu besorgen, wenn wir voher sagten, was wir brauchen. Hä? Ohne Worte! Unsere Vorfreude wurde immer größer.

Das elfte und letzte erlösende „ja“ kam damit am 5. Februar um halb 10 Uhr abends aus Sulitjelma. Wir waren selig.

Dass uns bezüglich der Versendung der Päckchen und der damit verbundenen Probleme noch eine Aufgabe bevorstehen würde, die eine hohe Frustrationstoleranz erforderte, ahnten wir zwar schon … aber den ersten großen Schritt in der Vorbereitung hatten wir geschafft und freuten uns erstmal sehr darüber.

Einen Schritt nach dem anderen … auch die Zoll-Frage würden wir noch irgendwie lösen.

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