16. Ungewissheit

von Ole

Wieviel hält unser Körper aus? Die ersten Bergtouren im Januar brachten eine unliebsame Überraschung. Im Abstieg merkte ich mein linkes Knie, bei stärkerer Belastung immer unangenehmer. Es war zwar nach ein paar Tagen wieder besser, aber ein paar Tage würde ich in Norwegen nicht wirklich haben zwischen den einzelnen Etappen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zum Arzt zu gehen. Nach längerem Warten, Beschreibung der Schmerzen, Röntgenaufnahme und Erläuterung derselben ging ich mit leichtem Schiefstand der Kniescheibe, einem Rezept für 6 Mal Krankengymnastik und der Erleichterung, dass das ausreichen sollte, zur Arbeit. Der Kalender war schnell umpriorisiert, so dass ich die Krankengymnastik bis Ende März absolvieren konnte.

Nach der ersten Einheit tat die Muskulatur dank der kräftigen Hände des Kniegymnasten deutlich mehr weh als vorher. Danach ging es an die aktive Belastung und das Training, das ganze verbunden mit dem Führen eines Schmerztagebuchs, in dem ich so gut wie möglich Belastungen und Schmerzen notieren sollte. Die ersten kleinen Bergtouren danach waren deprimierend. Der Schmerz trat schnell wieder auf, teilweise schon nach 15 Minuten bergab. Immerhin verstand ich besser, bei welchen Bewegungen es wehtat. Das half dann den weiteren Knetungen, Übungen und Stromstößen. Am Ende merkte ich eine deutliche Verbesserung, der Schmerz setzte erst später ein und ging schneller wieder weg, wenn es wieder flacher wurde.

Gemeinsam mit Andrea setzte ich die Übungen im Fitnesscenter weiter fort. Zudem ließ ich mir Ende April noch spezielle Einlagen anpassen, die die Füße aktiv unterstützen sollten. Das ganze gekrönt von einer leichten Umstellung bei Pilates, um die Fußmuskulatur zu stärken. Ich ließ nichts unversucht.

Die Umstellung der Vorbereitung auf Flachetappen in München (Olympiapark, Nymphenburg) schonte das Knie dann ausreichend und war für mich beruhigend. So viele Höhenmeter – zumindest am Stück – würden wir vermutlich auch auf dem E1 nicht so schnell haben.

Auch die ersten Etappen mit Rucksack brachten trotz aufmerksamen Beobachtens keine Schmerzen im Knie. Wobei nicht ganz klar ist, ob das zumindest beim zweiten Mal nicht von den anderen Schmerzimpulsen unterdrückt wurde – diese Taktik unserer Körper kennen wir ja schon: Erst die Hüfte, dann die Füße, dann die Schultern und irgendwann wieder von vorne. Knie war nicht dabei.

Die Einlagen setzten dann noch einmal deutlich Reize. Am Anfang leichte Nacken- und Kopfschmerzen, danach irgendwann ein etwas lockereres Knie, ich merkte, dass die Muskulatur auf die leicht andere Stellung der Füße reagierte. In ein paar Tagen kommt noch der erste Check, bei dem ich dann sehen kann, was sich an der Art der Bewegung und der Belastung des Fußes geändert hat.

Zur Sicherheit gab es dann auch noch eine angepasste Kniebandage, die im akuten Fall die Muskulatur etwas entlasten kann.

Was bleibt ist ein genaues in den eigenen Körper hineinhören und die Ungewissheit, die nur der Start der Tour endgültig klären kann. Hat das Training Erfolg gehabt? Ist die Belastung durch die Umstellung wieder gleichmäßiger verteilt? Was bringt am Ende die Kniebandage? All das werden wir erst in ein paar Wochen wissen. Und auch dann wissen wir beide, dass immer noch etwas anderes dazwischen kommen kann. Wenn das der Fall sein sollte, wird uns bestimmt etwas Gutes einfallen.

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