24. Flussquerungen

von Ole

Auf der Karte haben wir ihn schon gesehen als kleinen blauen Strich. Jetzt hören wir sein lautes Rauschen. Ein Fluss. “In Schweden bauen sie über jeden Bach eine Brücke, in Norwegen nicht”, hatte Sarah in Røros gesagt. Bislang können wir das bestätigen. Doch wie überquert man einen Fluss ohne Brücke?

Das hängt davon ab.

Am einfachsten sind die kleinen Bäche der Schneeschmelze. In kleinen Bögen fließen sie die Wiesen hinunter und machen manchmal mehr Lärm als ihnen zusteht. Dann kann man lächeln und einen kleinen Schritt darüber machen. Das schwierigste ist es, halbwegs trocken über die klitschnasse Wiese vor und hinter dem Bach zu kommen.

Manchmal sind diese Bäche etwas zu breit. Dann braucht es einen großen Schritt, teilweise mit Unterstützung durch die Stöcke. Da es hierfür bei Andrea gerade mit Rucksack etwas früher zu weit wird, kehre ich dann kurz um und mache mit ihrem Rucksack den Schritt noch einmal, damit sie es auch trockenen Fußes schafft.

Wenn auch das nicht mehr geht, beginnt die Suche. Gibt es irgendwo Trittsteine? Kann man diese durch kleine oder große Schritte zu einer Überquerung zusammem setzen? Wenn ja, siehe oben in Bezug auf Schrittgröße und Rucksack. Diese Suche gleicht einem Puzzlespiel. Man muss versuchen, die möglichen Tritte mit möglichen Schritten zu einem Gesamtbild zusammem zu setzen. Unser Gehirn funktioniert da schon echt gut. Am Anfang das Suchen nach Tritten, dann die Aneinanderreihung zu für mich und Andrea möglichen Schrittfolgen und die Auswahl der besten. Das geht immer schneller. Hierbei lohnt es sich, etwas flussauf und flussab zu suchen und den Lösungsraum zu erweitern, denn die anderen Alternativen dauern alle länger und sind unangenehmer. Wenn es gelingt, darf man sich richtig freuen, dem Fluss ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Wenn es nicht gelingt, wird Tritt neu definiert: “Darf bis zu knietief im Wasser sein.” Wenn mit dieser Definition eine Schrittfolge existiert, werden die Wanderschuhe und Strümpfe ausgezogen, die Hosenbeine hochgekrempelt und die Sandalen angezogen. Die Wanderschuhe werden dabei zusammengebunden um den Hals gehängt, sie dürfen auf keinen Fall verloren gehen. Aufgrund der Wassertemperatur ein zweifelhaftes Vergnügen. Damit kommt man dann möglichst schnell durch das kalte Wasser durch, damit der Schmerz nicht zu groß wird. Bei mir gerne von Schreien begleitet, die helfen zwar nicht gegen die Kälte, aber tun trotzdem gut.

Kritisch ist dabei die Kombination aus Wassertiefe und Strömungsgeschwindigkeit. Schnell fließende Flüsse bergen zusätzliche Risiken. Zuerst kommt der – hoffentlich verlängerte Stock – nicht mehr dort auf den Grund, wo man möchte. Bei noch größerer Fließgeschwindigkeit gilt das dann auch für den Fuß. Das fühlt sich nicht nur bescheuert an, das kann auch echt gefährlich werden, denn schnell verliert man den Halt und landet unsanft im Wasser. Hier schiebt das zu zweit untergehakt gehen die Grenze an Tiefe und Fließgeschwindigkeit noch etwas hinaus. Dabei ist es wichtig, die Schritte zu koordinieren, damit nicht beide gleichzeitig den Halt verlieren. Es gilt, immer drei Füße fest auf dem Grund zu haben. Das verlängert natürlich die Zeit im Wasser…typischerweise hat man dabei die Hose ganz ausgezogen, bei hoher Fließgeschwindigkeit spritzt das Wasser deutlich höher.

Wie überquert man nun schnell fließende Flüsse, die mehr als oberschenkeltief sind? Gar nicht. Hier gewinnen Brücken eine herausragende Bedeutung, ohne diese kommt man sonst schlichtweg nicht weiter. Und zum Glück bauen auch die Norweger ab und zu Brücken. Manchmal bedeutet es dann allerdings einen Umweg.

Einfach …ein Wiesenbach

Hier braucht man schon die Wanderstöcke

Das muss doch trockenen Fußes gehen

Der hier geht … dank gelegter Steine

Ole trockenen Fußes, Andrea lieber in Sandalen

Schrecklich kalt

Kommen wir hier noch sicher rüber?

Manchmal baut die Natur eine Brücke – diese war uns zu unsicher

Besser als nichts: Brückenbau in Norwegen

3 Gedanken zu “24. Flussquerungen

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