28. von Røros nach Teveltunet – Teil 2

Fakten

  • 8 Wandertage von Røros nach Teveltunet insgesamt, 1 zusätzlicher Ruhetag in Stugudal, damit 2 Tage hinter Zeitplan
  • ca. 160 km (Taxifahrt abgezogen, Umweg hinzugerechnet)
  • ca. 6.350 Höhenmeter (gemäß Angaben im Internet)
  • 2 andere Wanderer getroffen
  • Einige Rentiere mit Kälbern
  • Kein Elch
  • 1 Schneeeule und 2 Kraniche
  • Matsch und Schnee in Massen
  • Nah an unsere Grenzen gekommen

Tag 13

von Andrea

Der Tag der trockenen Schuhe und Füße!

Die voll aufgedrehte Fußbodenheizung im Badezimmer des Væktarstua Hotel in Stugudal hatte zwar beim nächtlichen Toilettengang fast für Brandblasen an den Fußsohlen gesorgt, dafür aber unsere Wanderschuhe so durchgeheizt, dass diese am nächsten Morgen tatsächlich trocken waren. Trocken! Zum ersten mal seit … ja seit wann eigentlich? (Die Menschen, die immer in die Pflegeanleitung für Wanderschuhe schreiben, dass man diese nicht an Heizungen und Öfen trocknen soll, sind echt Scherzkekse, die noch nie in Norwegen wandern waren.)

Und das Beste an dem Tag war, dass unsere Schuhe und Füße auch trocken blieben. Wir haben nämlich etwas geschummelt. Wir nahmen zur Nedalshytta nicht den Wanderweg, sondern die Schotterstraße. Zur Strafe waren das dann 17 km statt nur 15 km, aber die zusätzlichen 2 km nahmen wir für trockene Füße gern in Kauf.

Wir gingen vorbei an vielen netten Ferienhäusern und an Unmengen von Brücken, die über den Fluss führten, der die ersten Kilometer fröhlich rechts neben der Straße rauschte. Das war doch Brückenverschwendung! Da hätte doch eine ausgereicht! Können die Norweger die Brücken bitte mal etwas fairer verteilen?!

Unterwegs fuhr ein LKW mit der Aufschrift Carlsberg an uns vorbei. Bierlieferung zur Hütte! Also ich wäre da ja nicht abgeneigt gewesen. Aber nein, die Hütte war zwar bewirtschaftet aber noch geschlossen. Es arbeiteten zwar schon einiger Leute dort und bereiteten alles für die Öffnung etwa eine Woche später vor, aber Bier schenkten sie dann doch noch nicht aus.

Wir waren schon um 14:30 Uhr dort und bezogen ein kleines Häuschen, das mit dem DNT-Schlüssel zu öffnen war und das einen kleinen Proviantvorrat hat (ohne Bier). Die Hütte ist also “selvbetjent” (so etwas wie für Selbstversorger) in den Zeiten, in denen sie nicht bewirtschaftet ist.

Der Rest des Tages verging sehr gemütlich mit Essen und dem gegenseitigen Vorlesen eines spannenden Romans (als ebook auf einem kleinen Tablet).

Leider nährten wir noch ein wenig unsere Sorgen vor den zwei großen Flüssen am nächsten Tag. Beruhigend war mal, dass laut Hüttenbuch in der letzten Woche drei Personen von der nächsten Hütte Storerikvollen gekommen waren und drei andere dorthin aufgebrochen waren. Die Flüsse mussten also irgendwie passierbar sein. Aber vielleicht waren das bärenstarke Norweger gewesen und nicht leicht verschreckte deutsche Stadtkinder wie wir?

Als ich auf dem Gelände einen älteren Mann traf, nutzte ich die Gelegenheit und fragte, ob er die Wanderer an der Hütte getroffen hätte und ob sie ihm gesagt hätten, wie es so um die Flüsse stehe. Nein, er hatte sie nicht getroffen, aber er sei selber erst am Vortag von Storerikvollen gekommen. Hey, super, sofort fragte ich “how are the rivers?”. Die trockene Antwort war nur “high”. Als ich fragte, wie hoch, deutete er vage irgendwo an seinen Oberschenkel. Ich war schockiert und meinte, das würde ich nicht packen, das sei bei starker Strömung zu hoch für mich. Er zuckte die Achseln. “You have to go and try. Otherwise you come back.” Dazu zeigte er ein leichtes Grinsen, dass ich als spöttisch empfand.

Damit hatten wir jedenfalls für den Abend genügend Nahrung für unsere Sorgen. “Wir gehen los und schauen uns die Flüsse an.” “Ja, machen wir.” “Und wir gehen nur rüber, wenn es wirklich kein Problem ist und wir im Zweifel auch wieder zurück kommen.” “Na klar.” “Und umkehren ist auch kein Problem.” “Nein, natürlich nicht.” Viel reden half. Trotzdem gingen wir beide mit Bauchgrummeln schlafen.

Tag 14

von Ole

Man muss es sich anschauen.

Wir schliefen beide gut, nachdem wir noch lange gelesen hatten. Um 7:20 Uhr stand Andrea auf und kochte Tee und machte Frühstück. Etwas lustlos aßen wir. Was würde der Tag bringen?

Um 8:35 Uhr (!) waren die Rucksäcke gepackt und die Hütte gefegt. So früh waren wir noch nie losgekommen. Die Unruhe trieb uns an. Die positive Überraschung gab es gleich am Anfang: Es regnete nicht und die sumpfigen Stellen waren mit den uns schon so wohlbekannten Holzplanken überbrückt. Damit wird bei gut unterhaltenen Wegen der Schuh des Wanderers vor Nässe und Modder und die Natur vor wahllosen Optimierern geschützt. Letztere sorgen dafür, dass der Weg auffächert und viel mehr zertrampelt wird. Beim Begehen muss man allerdings aufpassen. Nicht alle Planken liegen stabil und die nassen Planken können sehr rutschig werden. Die Konsequenzen eines Ausrutschers sind – sagen wir – unangenehm.

Nach den ersten sumpfigen Stellen ging es steil bergauf. Die Landschaft war in ein magisches Licht getaucht, die Wolken gaben die Spitzen der Berge nicht frei. So konnte der Tag weitergehen. Tat er aber nicht. Schnell verschwand der Weg wieder unter großen Schneefeldern. Dann begann es wieder zu regnen. Letzteres war unangenehm, ging mit unserer Regenhaut aber, ersteres kostete Zeit, immer wieder suchten wir rote Punkte, Steinmännchen oder Planken. Zwischendurch auch wieder kurz mit GPS. Wir fanden den Weg wieder, wechselten auf die andere Hangseite und warteten auf den ersten Fluss. Der kam aus einem See, der in einem Talkessel zwischen hohen Bergen lag. Genug Gründe für viel Wasser. Nach einer Pause vor dem Fluss war uns nicht. Würden wir es schaffen? Wie hoch wäre der Wasserspiegel und wie schnell die Strömung?

Das Rauschen wurde lauter. Dann sahen wir ihn. Erster Eindruck: Das ging. Der hatte zwar Strömung, aber nicht viel Wasser. Da könnten wir sogar die Hosen nur hochkrempeln. Kalt war er trotzdem. Vor allem Andrea litt diesmal. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen, so dass wir auf der anderen Seite in Ruhe Füße trocknen und einem heißen Tee trinken konnten.

Weiter ging es. In banger Erwartung des zweiten, breiteren Flusses. Wieder war uns nicht richtig nach Pause zumute. Nach weiteren 45 Minuten erreichten wir den zweiten Fluss. Dieselben Fragen drehten sich in unseren Köpfen. Wasserstand? Strömung? Wir schmunzelten, als wir ihn sahen. Breiter, mit einer Insel in der Mitte, etwas tiefer, aber mit weniger Strömung. „Wir kommen heute nach Storerikvollen!“ In Unterhosen ging es durch das etwas weniger kalte Wasser. Dann war es geschafft. An zwei Stellen ging das Wasser knapp über das Knie. Da war es gut, dass ich vorgegangen war und Andrea sich darauf einstellen konnte.

Danach gab es eine wohlverdiente Pause. Sogar die Sonne schaute vorbei. Ich ging daraufhin ohne Regenkleidung weiter, eine gute Entscheidung.

Gefühlt war der Tag für uns jetzt geschafft. Leider kamen wir kurz danach an einem Wegweiser vorbei, der zu beiden Hütten – zurück und nach vorne – 12 km auswies. Wir sackten ein wenig zusammen. Das war noch viel. Dabei konnten wir die Hütte mit dem Fernglas schon sehen. Es lag nur noch ein bisschen See dazwischen.

Kilometer für Kilometer näherten wir uns. Die Abstände zwischen den Pausen wurden kürzer. Viele sumpfige Stellen, die Schneeschmelze war in vollem Gange. Hier leider ohne Planken, die lagen immer auf der anderen Seite der sumpfigen Stellen auf einem Stapel und warteten darauf, noch verlegt zu werden. In einigen Wochen würde der Weg einfacher sein. Der sumpfige Abstieg zum See war dann immerhin mit Planken erleichtert. Bergab war das nur mit dem rutschig nicht so einfach. Ganz vorsichtig setzten wir die Schuhe und schafften es, bei einigen Rutschern das Gleichgewicht trotz Rucksack zu behalten.

Über den Fluss am Ende des Sees ging dann tatsächlich eine Brücke. Allerdings eine abenteuerliche, eine hohe Hängebrücke, die unangenehm wackelte. Die letzten 3 km schafften wir dann bergauf über einige Schneefelder auch noch. Gegen 19:30 Uhr erreichten wir nach 11 Stunden endlich Storerikvollen. Es war geschafft.

Die Essenstüten – Fleischsuppe und Spaghetti Bolognese – waren an dem Abend irgendwie kleiner als sonst. Während unsere Schuhe über dem Ofen baumelnd trockneten, buken wir noch frisches Fladenbrot, bevor wir müde in die Betten fielen.

Tag 15

von Ole

Nach der Anstrengung vom Vortag schliefen wir etwas länger. Die anstehenden 24 km würden schon einfacher werden. Dachten wir. Gegen 10:20 Uhr kamen wir los. Es wurde der Tag der 100 Umwege.

Die schön getrockneten Schuhe wurden schon hinter der Hütte wieder feucht. Schmelzwasser überall. Kein Wunder bei den Schneefeldern über uns und unter unseren Füßen. Und es gab keine Planken. Immer wieder versuchten wir, den Weg zu optimieren, um möglichst trockene Füße zu behalten. Mal nach rechts, mal nach links, mal einfach nur kurz stark sein. Wenn die Elfe nur den schweren Rucksack nicht hätte. Es nahm kein Ende. Eine Stelle nach der anderen. Wir kamen elend langsam voran. Wieder einmal zeigte sich, dass die Kilometer pro Stunde ganz wesentlich von der Beschaffenheit des Weges abhängen.

Endlich erreichten wir nach ca. 4 km den Fluss, den wir am Vortag mit der Brücke überquert hatten. Da hatte der ganz friedlich ausgesehen. Hier war er schwieriger als die beiden am Vortag durchwateten Flüsse. Untergehakt schafften wir es. Erleichtert genossen wir eine ausgiebige Pause. Dank Sonnenschein mal ohne zu frieren. Schuhe und T-Shirts konnten ein wenig trocknen. Und dazu gab es Rentierfernsehen. Mutter mit Kalb in ca. 50 m Entfernung. Fast wie Urlaub.

Etwas besser ging es dann weiter in Bezug auf die sumpfigen Stellen. Dafür machte uns jetzt das hügelige Gelände echt zu schaffen. 10 m rauf, 10 m runter und das ganze von vorne. Auf einer Karte mit 20 m Abstand zwischen den Höhenlinien sieht das echt flach und einfach aus. Für die 41 km zwischen Storerikvollen und Teveltunet hatten wir im Internet eine Angabe von 2.000 Höhenmetern gefunden und das für einen Fehler gehalten. Jetzt sahen wir das anders.

Dementsprechend langsam – ein bisschen Modder gab es ja auch noch – kamen wir voran. Platt vom Vortag entschieden wir uns für den direkten Weg nach Teveltunet statt über Bjørneggen und für die Nacht im Zelt. Die Sonne lachte immer noch, nur die Schuhe waren nass. Andreas rechter Schuh hatte sich leider zu meinem solidarisch erklärt, sie bekam jetzt auch immer einen nassen Fuß. Nicht hilfreich. Sie lief ein Stück lang ziemlich grummelnd und genervt hinter mir her. Die direkte Strecke war gerade am Anfang etwas weniger gut markiert, die roten Punkte schon etwas verblasst, aber wir fanden den Weg. Jetzt wieder mit mehr Umwegen.

Bei einer späten Mittagspause beobachteten wir die Quellbewölkung, die die Sonne allmählich ablöste. Gewitter? Wir waren uns nicht sicher und suchten uns erst einen Zeltplatz, als wieder Bäume um uns herum waren. Die Schuhe durften nicht mehr lange trocknen. Als das Zelt stand und das Essen fertig war, fielen die ersten Tropfen.

Im Zelt war es angenehm warm, die Schlafsäcke koppelten wir nur als Decke, das reichte aus.

Ein Schritt nach dem anderen. Am nächsten Tag würden wir es bis Teveltunet irgendwie schaffen. Doch ab und zu gingen die Gedanken weiter nach vorne und die Extrapolation in die Zukunft war nicht hilfreich. Wir hatten ja schon einige Touren gemacht, aber das hier war etwas anderes. Ein Schritt nach dem anderen.

Tag 16

von Andrea

Ich hatte sehr unruhig geschlafen, war oft wach gewesen und entsprechend gerädert. Komisch, meistens schlafe ich im Zelt wie ein Murmeltier.

Die positiven Überraschungen des Tages waren die aufgelockerte Bewölkung und die sehr milden Temperaturen. Ich konnte draußen das Frühstück vorbereiten und wir konnten auch draußen frühstücken. Und zwar ohne Daunenjacke, Mütze, Handschuhe. Es gab ihn doch, den Frühling in Norwegen.

Wir kamen dann zunächst bis Kluksdal gut und zügig voran. Im Wald war es erstaunlich trocken und einfach mal gehen zu können, ohne einen Matschloch-Slalom zu absolvieren, tat gut. Dazu machte uns die Natur noch ein besonderes Geschenk. Wir sahen auf einem Baum eine Schneeeule. Zuerst hörten wir die ungewöhnlichen Rufe, dann entdeckte Ole den großen Vogel hoch oben in einem Nadelbaum. Fasziniert schauten wir abwechselnd durchs Fernglas. Mit breiter Grinse ging es dann weiter.

In Kluksdal gönnten wir uns eine Pause auf einer Bank. Und das war schlau gewesen, denn danach ging es 250 Höhenmeter stramm bergauf. Wir keuchten lautstark und dank der milden Temperaturen floss der Schweiß in Strömen.

Als wir gerade über einen ersten Bergrücken rüber waren, begann es zu regnen. Wir verpackten die Rucksäcke, aber nicht uns selber, weil wir das für einen kurzen Schauer hielten und gleichzeitig nichts gegen eine kleine Abkühlung hatten. Der Schauer wurde etwas länger und heftiger und noch etwas länger und bald waren wir nass bis auf die Haut. Das Wasser floss auch unsere nassen Beine hinab und von oben in die Schuhe. Mir wurde kalt. Klassischer Fall von Fehlentscheidung. Aber solange wir in Bewegung blieben, war es ok und ich hätte schließlich außer der Regenhose auch keine andere trockene Hose gehabt.

Eine Weile später standen wir an einem Bach, den Ole noch mit einem sehr weiten Schritt trockenen Fußes überqueren konnte, vor dem ich aber kapitulierte. An der schmalsten Stelle war das Ding so tief, dass ich vermutlich bis zum Po im Wasser gestanden hätte, wenn ich abgerutscht wäre. Also krempelte ich meine nasse Hose hoch, stieg missmutig in die Sandalen und überquerte den Bach an der breitestens Stelle, wo er mir etwa bis zum Knöchel ging.

Bald darauf schauten wir uns etwas verwirrt in der Landschaft um und kannten uns nicht mehr wirklich aus. Auf der Karte hatte es so ausgesehen, als würden wir jetzt wieder runter gehen. Stattdessen standen wir in einem Talkessel und es ging immer weiter rauf. Also Karte raus kramen und nachschauen. Ja, hier ging es rauf. Wer Karten lesen kann, ist klar im Vorteil.

Meine Laune wurde nicht besser. Ich wollte doch nur so schnell wie möglich nach Teveltunet, voll Vorfreude auf den nächsten Ruhetag! Wieso denn schon wieder so viele Hindernisse?

Natürlich ging es dann zunächst noch wieder runter zu einem Bach, den man aber zum Glück mit Hilfe einiger Steine überqueren konnte, bevor der letzte Anstieg zum höchsten Punkt begann. Als wir gerade den Bach hinter uns gelassen hatten, hörten wir über uns Donnergrollen.

Oh bitte! Was denn noch alles!?

Ein weiterer Blick auf die Karte. Es war nicht mehr weit bis Teveltunet. Vielleicht 4 km. Noch ein letztes Mal rauf, dann endgültig runter ins Tal. Dürfte nicht so lange dauern. Und noch grollte es über uns nur, Blitze zuckten keine. Also nix Pause, lieber zügig weiter.

Wir mussten noch lernen, die norwegischen Berge besser einzuschätzen. Hier war nix mit “rauf, runter, fertig”. Der Aufstieg zog sich ewig, immer wieder ging es zwischendurch auch mal ein Stück wieder runter. Die runden (und meist sehr schönen) Gipfelkuppen zogen sich ewig. Und für den Abstieg galt das natürlich auch. Und der auf der Karte grüne Bereich hieß auch keineswegs, dass man dort im dichten Wald unter hohen Bäumen wandelte und vor Gewitter einigermaßen geschützt war. Vielmehr stand dort zunächst nur etwa alle 20 Meter mal eine Birke, die einem vielleicht bis zur Schulter reichte. Ein echter Wald begann erst viele Höhenmeter weiter unten.

So stolperten wir also gute eineinhalb Stunden von Donnergrollen begleitet auf diesem Gipfel herum. Das Gelände war felsig und anspruchsvoll. Und wo es das nicht war, bestand es aus Matschlöchern.

Zunächst zuckte ich noch bei jedem Donnergrollen. Mit der Zeit jedoch wurde ich immer ruhiger. Ich hatte keine Energie mehr, mich ständig zu sorgen. Um den nächsten Fluss, das nächste Schneefeld, die nächste Moorfläche und jetzt meinetwegen auch noch Gewitter.

Dann wurde ich mit jedem Schritt wütender. Wütend über die besch… Bedingungen, mit denen wir seit 2 Wochen kämpften. Und ich würde mich davon nicht unterkriegen lassen. Was würde wohl als nächstes passieren? Ein schlecht gelaunter Elch oder Bär? Sollten sie nur kommen, die könnten etwas erleben.

Gegen 16 Uhr erreichten wir die Teveltunet Fjellstue (www.teveltunet.no). Mit nassen Klamotten, noch nasseren Füßen, sehr müden Beinen und ziemlich genervt.

Willkommen haben wir uns leider nicht gefühlt. Eher so, als würden wir irgendwie stören. Ein Zimmer für 2 Nächte gab es auch nicht, die Nacht von Samstag auf Sonntag war ausgebucht. Immerhin fand man ein freies Zimmer in einem anderen Hotel für uns, etwa 17 km entfernt in Meråker (das näher gelegene Hotel in Storlien in Schweden war auch ausgebucht.) Und auch unsere Pakete tauchten noch auf. Eine nette Angestellte, die in Meråker wohnte und sich eh gerade auf den Heimweg machen wollte, nahm uns dorthin mit. Ich vermute, sie hatte noch nie etwas im Auto, das so dreckig war und so schlecht roch. Unterwegs erzählte sie uns, dass Norwegen diesen Winter besonders viel Schnee gehabt hatte, die Skigebiete im Norden hatten sogar am ersten Juniwochenende noch einmal geöffnet.

Wir bezogen dann ein einfaches Zimmer, durften sofort eine Waschmaschine und später einen Trockner mit Beschlag belegen, drehten eine kleine Runde durch den noch kleineren Ort, schmiedeten Pläne für den nächsten Tag (mit dem Bus nach Stjørdal, um eine Lösung für undichte Schuhe zu suchen) und teilten uns schließlich in dem einzigen Restaurant des Ortes eine riesige Pizza mit einem Belag, der bei jedem Italiener zu Kopfschütteln geführt hätte.

Der Rest des Abends verging mit der etwas frustrierenden Planung der weiteren Etappen…

ps: Übrigens hatte der junge Mann, der von der Teveltunet Fjellstue aus nach einem freien Zimmer für uns telefoniert hatte, im Telefonat etwas von “Norge på langs” gesagt. Sah ich etwa tatsächlich wie jemand aus, der so etwas schaffen könnte. Die fast schon legendäre Durchquerung von Norwegen der Länge nach? Noch mal 1.000 Kilometer mehr, als wir geplant hatten? … In dem Augenblick war ich zu müde und zu genervt gewesen, um mich darüber zu freuen. Aber am nächsten Tag hatte ich immer eine breite Grinse im Gesicht, wenn ich dachte, dass ich vielleicht wie jemand aussehe, der “Norge på langs” schaffen könnte.

Alternativen

von Ole

Abends im Hotelzimmer fühlten wir uns klein. Wir hatten auf der Karte und mit der Beschreibung die nächsten Etappen nachvollzogen. Nach drei Tagen auf markierten Wegen begann “ikke merket”, unmarkierte Wege. Zwei weitere Tage waren noch markiert möglich, die darauf folgenden sechs Tage gar nicht. Wie sollte das denn gehen? Schon die markierten Wege brachten uns fast jeden Tag an unsere Grenze.

Zuhause auf dem Fußboden unserer Wohnung in München hatte das noch lustig geklungen. Ikke merket. Die Bedeutung hatte sich gewandelt. Gar nicht so sehr durch die erste Erfahrung damit. Da war es am Ende der überspülte Damm gewesen, der uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Den “Weg” hatten wir gefunden. Es war die Extrapolation der bisherigen Schwierigkeiten. Dazu kam, dass die Rucksäcke mit Lebensmitteln für 11 Tage ihr Höchstgewicht erreichen würden. Ernüchtert und eingeschüchtert saßen wir vor den Karten. Wieder galt es, Alternativen zu entwickeln. Hörte das irgendwann auf?

Nach fünf Tagen könnten wir irgendwie Richtung Snåsa kommen, von dort dann motorisiert zu unserem nächsten Paket.

Nach drei Tagen könnten wir alternativ über vermutlich ruhige Straßen auf schwedischer Seite zu einem Etappenziel kommen, von dem es nur noch 4 Etappen unmarkiert wären. Nur?

Komisch, anstatt stolz auf unsere bisher längste und auch schwierigste Tour zu sein, fühlten wir uns klein angesichts dessen, was vor uns lag. Irgendwann brachen wir ab und schliefen ein.

Am nächsten Tag sah die Welt schon etwas anders aus. Hingehen und anschauen. Einen Schritt nach dem anderen gehen. Anstrengend. Aber auch genau Teil der Erfahrung, die wir mit dieser Tour machen wollten.

Tag 17 – Ruhetag

  • “Der Flieder blüht bei uns Anfang Mai.”
  • “Du, bei uns sind das Osterlämmer.”
  • “Ich bin immer noch so auf Krawall gebürstet. Wenn der Bär kommt, der kann was erleben. … Ich trag dir auch deinen Rucksack durch die unmarkierten Gebiete.”
  • Der Bus nach Stjørdal hielt vor dem Hotel, der freundliche Busfahrer nahm uns aber auch schon vom Busparkplatz mit.
  • Zwei Paar Schuhe gab es leider nicht zum Preis von einem.
  • Ein guter Cappuccino in Norwegen!
  • Det ordner seg.

Auf dem Weg zur Nedalshytta (ist da etwa noch Eis auf dem See?)

Aufbruch Richtung Storerikvollen bei tief hängenden Wolken

Der zweite Fluss, vor dem wir uns so gefürchtet hatten – ging doch

Der Blick zurück von Storerikvollen – an diesen Bergflanken führte der Weg entlang

Angekommen!

Der Fluss hinter Storetikvollen war dann schwieriger als die beiden davor … dafür durften wir Sonne genießen

Die Weite …

… des Fjälls

So ein Ding am Rucksack würde schon cool aussehen … aber das auch noch schleppen? – Vielleicht später.

Missmutig nach Regenschauer und Watstelle

Donnergrollen

Ohne den Donner im Nacken wäre der kleine Gipfel ein Traum

Ruhetag für zwei Glückshormone … ja, wir haben tatsächlich zwei winzige Kuscheltiere dabei

Ein Gedanke zu “28. von Røros nach Teveltunet – Teil 2

  1. Hey , was für krasse Bilder was für ein Erlebnis. Unvergesslich!!! Meine Woche in Ostfriesland war auch toll , eine ganze andere Welt für mich. Euch alles gute weiter so…..LG Sandra

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s