29. Reifenwechsel?!

von Ole

Echte Regenreifen sollten es werden! Bei mir ist die Gore-Tex Membran im rechten Schuh kaputt, bei Andrea mindestens im rechten, vermutlich in beiden. Das ist schon eine Crux mit dem Schuhwerk. Gore-Tex alleine löst das Problem nicht, die Membran muss auch gut verarbeitet sein. Das klappt leider nicht immer, wie wir nun schon wiederholt herausfinden mussten. Bei Andrea hielt sie immerhin ein dreiviertel Jahr, bei mir noch nicht einmal 4 Wochen. Normalerweise würden wir damit jetzt zum Laden unseres Vertrauens gehen und das reklamieren. Doch der ist weit weg.

Also Optionen prüfen. Die nächste Stadt, Stjørdal, hat einige Sportgeschäfte und mit dem Bus kommt man von Meråker aus dahin. Mal sehen, was für Bereifung die zu bieten haben. So schnell wie im Motorsport wird es bei uns leider nicht gehen. Vielleicht war es Vorsehung, dass wir in Meråker gelandet sind statt in Teveltunet, von  wo aus kein Bus fährt.

Mit dem Bus um 9:00 Uhr ging es zum Flughafen von Trondheim, kurz außerhalb von Stjørdal und noch weit weg von Trondheim. Schon merkwürdig. Hier lag der Intersport in einem Einkaufszentrum, mit Intersport hatten wir in Skandinavien bislang gute Erfahrungen gemacht. Für Andrea gab es nichts passendes und auch die Schuhe, die ich probierte, waren nichts. Der freundliche Verkäufer empfahl uns ein Jagd-, Angel- und Sportgeschäft in der Stadt, etwas außerhalb des Zentrums. Wir bestellten uns ein Taxi und fuhren die knapp 4 km in die Stadt und ließen uns direkt vor dem Geschäft Jan Sakshaus absetzen.

Auf ersten Blick war die Auswahl nicht viel größer und wir mussten etwas warten. Doch dann fand Andrea schnell ein Paar Schuhe von Alfa, einem norwegischen Hersteller. Die werden schon wissen, was sie tun. Für sie stand relativ schnell fest, dass es mit ihren Schuhen nicht weiter gehen würde. Sie hatte am Vortag immer wieder von Kälte- und Wasserwellen erzählt, die ihren Fuß erreichen, wenn der Wasserpegel an den Moorflächen zu hoch am Schuh stand. Klarer Fall von Trockenreifen (zumindest mittlerweile) und damit ungeeignet für diese Landschaft. Da war das Risiko, mit nicht eingelaufenen Schuhe zu gehen, das deutlich kleinere Übel.

Bei mir war die Entscheidung ungleich schwieriger. Ich hatte quasi einen Regenreifen und einen Trockenreifen. Und mit dem war ich die letzten 8 Wandertage auch irgendwie durchgekommen, u.a. mit dem (etwas) wasserdichten Socken. Waren da neue Schuhe tatsächlich das kleinere Übel? Ich zweifelte. Probierte. Ging im Laden umher. Setze mich wieder hin und grübelte. Ging wieder umher. Erzählte Andrea, was mich umtrieb. Fragte den Verkäufer nach Details, die er erst bei seinen Kollegen erfragen musste. Schuhe, die hoffentlich nicht nur am Anfang wasserdicht sind, dafür nicht ganz so perfekt passen wie die bisherigen. Und im Hinterkopf immer die Verärgerung über einen namhaften deutschen Hersteller, dessen Schuhe nach zwei Wochen Einlaufen und einem zweiwöchigen Härtetest den Geist aufgaben. Auch im Motorsport gehört ein bisschen Glück und gutes Timing bei solchen Entscheidungen dazu. Hinterher ist man dann schlauer.

Am Ende sagte der Bauch, trockene Füße sind mehr wert. Auch im Hinblick auf Andreas neue Stiefel, die höher sind und mit denen sie mir bei den Modderlöcher jetzt klar den Rang ablaufen wird. Ich sehe mich schon am nächsten Fluss, durch den Andrea einfach durchstiefelt.

Insgesamt vollzogen wir den Reifenwechsel in gut drei Stunden, die alten Schuhe entsorgten wir gleich im Laden. Danach blieb noch genug Zeit zum Lesen und Schreiben, bevor wir mit dem Bus wieder zurück fuhren.

Wieviele Blasen und Druckstellen wir bekommen werden, werden die nächsten Tage zeigen. Und wie lange die Füße trocken bleiben auch.

Ein Gedanke zu “29. Reifenwechsel?!

  1. Hallo Andrea und Ole, es ist wunderbar Euch auf diesem Wege zu begleiten und mit Euch zu reisen. Ich freue mich jede Woche auf die sonntägliche Lektüre. Respekt. Mit Blick auf Moor- und Flussquerungen habe ich schon viel Neues von Euch gelernt. Sehr beachtlich :-). Es klingt so als hätte es einfachere 2000km Weg gegeben (z.B Hamburg nach Sizilien…). Wenn ich Eure Fotos sehe, fange ich langsam an zu verstehen warum ihr Euch für Norwegen entschieden habt. Sicher hilft auf den nächsten Etappen, dass es langsam Sommer wird. Weiterhin alles Gute für Euch! Ich freue mich schon auf Eure weiteren Berichte. Jörg

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