31. Boxenstopp – Teil 1

Tage 20 bis 25

von Andrea

Wir hatten das Hotel in Stjørdal für 2 Nächte genommen. An dem “freien” Tag wollten wir überlegen, wie es weitergehen sollte. Zwischen den dann diskutierten Alternativen, die alle das Fragezeichen hatten, wann ich wieder komplett fit sein würde, hatte Ole die beste Idee. Wir könnten irgendwie zu unserer nächsten Paket-Station nach Brattvoll fahren, uns dort für eine Woche in einer Hütte einmieten und in aller Ruhe die Inhalte des Paketes verspeisen. Sozusagen Urlaub vom Urlaub.

Wir fanden das beide spontan sehr überzeugend. Der Wetterbericht für die nächsten Tage war absolut gruselig. Nur Regen. Dass wir den Abschnitt von Teveltunet nach Brattvoll noch zu Fuß bewältigen würden, war unwahrscheinlich. Erst musste ich wieder fit werden. Und dann nach tagelangem Dauerregen zu einer 11-tägigen Etappe aufzubrechen, bei der es auf der zweiten Hälfte in einem Nationalpark keine Wege, Brücken oder für uns zugängliche Hütten geben würde, war nicht verlockend. Wir mussten uns schweren Herzens damit abfinden, dass wir nicht von Teveltunet nach Brattvoll laufen würden. Wir würden sozusagen die dritte Seillänge technisch klettern. Wenn wir diese Kröte geschluckt bekamen (vorher gut kauen, dann geht das schon), dann war Oles Vorschlag sehr verlockend. Fast wie Urlaub.

Die Logistik für die Fahrt nach Brattvoll war erstaunlich schnell geklärt. Mit dem Zug von Stjørdal nach Grong und von dort mit einem Taxi, dass in so abgelegenen Regionen auf bestimmten Strecken und auf Vorbestellung für den Preis eines Busses verkehrt, weiter nach Brattvoll. Eine Hütte war auch für uns frei. Prima. Wir freuten uns auf eine Woche Boxenstopp.

Ole ging dann noch zum Frisör und ließ das gröbste Chaos beseitigen. Ich ging zu einem Handy-Reparaturshop, um den mittlerweile dritten neuen Akku für mein Handy zu erstehen, der aber auch wieder nicht richtig funktionieren würde. Der Rest des Tages verging vor allem faul. Draußen regnete es in Strömen. Wir lagen lesend im Bett, kurierten meinen Bauch und genossen unseren ersten echten Ruhetag ohne diverse Erledigungen. Abends freuten wir uns in einem Sushi-Restaurant über köstlichen Fisch.

Am nächsten Tag ging es früh los, der Zug fuhr schon um 8:17 Uhr. Etwas Unsicherheit gab es gegen 11 Uhr in Grong, weil das reservierte Taxi nicht da war bzw. über eine halbe Stunde zu spät kam. Gegen 13 Uhr bezogen wir schließlich eine gemütliche kleine Hütte in Brattvoll (http://brattvoll.no). Der Schlüssel steckte, unsere Vermieterin würde erst abends vorbeischauen.

Und dann begann der wohlverdiente Boxenstopp mit Generalüberholung. Essen, noch mehr essen, lesen, schlafen, aufwachen, lesen, essen, wieder einschlafen. Den Holzofen einheizen. In wachen Phasen dem Prasseln des Regens lauschen. Ach, und natürlich auch noch essen und schlafen, oder hatte ich das schon gesagt?

Wir durften das Auto unserer Vermieterin benutzen (unglaublich, diese Hilfsbereitschaft), um in den nächsten winzigen Ort zum Einkaufen zu fahren für ein paar Schmankerl, die nicht in unserem Paket waren wie Fisch, Käse, Eier, Gemüse, Bier und Cider (immer nur Wasser und Tee wurde irgendwann echt fad). Eine Runde auf einer Schotterstraße direkt am Lierne Nationalpark drehten wir damit an einem anderen Tag auch noch, weil dort häufiger Bären zu sehen sein sollten. Wir sahen keinen. Und aussteigen und nach deren Spuren suchen, wollten wir nicht, weil es … na was wohl? … genau, weil es regnete.

Wir kauften uns auch eine Fischkarte und nutzten endlich die die ganze Zeit von Ole getragene Angel. Ole kramte seine Kindheitserinnerungen hervor, ich versuchte, mich als Neuling nicht allzu bekloppt anzustellen. Als meine absolute Kernkompetenz stellte sich schnell das Versenken von Blinkern heraus. Wir starteten mit 4 Blinkern und hatten bald nur noch einen übrig. Also wieder Auto ausborgen und Nachschub an Blinkern besorgen.

Bisher waren wir drei Mal angeln. Zunächst für etwa eine Stunde am großen See direkt unter unserer Hütte, wo der erste Blinker das zeitliche segnete. Dann an einem Tag, an dem sich sogar für wenige Stunden die Sonne zeigte (Wahnsinn!), an einem kleinen See, zu dem wir eine gute Stunde zu Fuß unterwegs waren. Auf dessen Grund ruhen nun friedlich weitere zwei Blinker. Angeln ist doch blöd. Danach wollte ich im Leben keine Angel mehr anfassen. Aber aus dem See zog Ole auch unseren ersten Fisch. Hhmm. Das fand ich ja nun schon wieder cool. Angeln doch nicht so blöd?

Das Töten und Ausnehmen des Fisches fiel uns leichter als gedacht und der Fisch war einfach nur super lecker. Beim dritten Mal Angeln wollte ich nur Frieden mit der Angel und den blöden Blinkern schließen, die Abläufe des Auswerfens und Einholens noch mal üben und hatte beim ersten Auswerfen – noch in Kampf mit Angel und Angelschnur vertieft – einen Fisch am Haken. Und dachte zunächst, ich hätte es schon wieder geschafft, den Haken an irgendwas im See zu verheddern, weil das Einholen so schwer ging. Als der Fisch neben mir auf dem Rasen zappelte, muss ich ausgesprochen dämlich geschaut haben. Und irgendwie machte mich bei diesem Fisch das Töten traurig.  Vielleicht weil ich ihn gefangen hatte und damit “Schuld” war? Super lecker war er trotzdem.

Was wir weiterhin außer essen, schlafen und Blinker versenken noch anstellen werden, ist noch unklar. Viel vermutlich nicht. Das Wetter ist gruselig.

Immerhin scheint bei mir der Virus endgültig auf dem Rückzug zu sein. Das ist doch mal was.

Gemütliche Hütte in Brattvoll

Fette Beute im nächsten Supermarkt

Immerhin machen wir beim Angeln …

… eine ziemlich gute Figur.

Der erste Fisch …

… war super lecker.

Nachschub für das Versenken von Blinkern.

Mein erster Fisch – hier schon tot – hat mich auch ein bisschen traurig gemacht.

2 Gedanken zu “31. Boxenstopp – Teil 1

  1. Sieht doch eigentlich ganz schön aus, geradezu idyllisch – oder wie meine Freundin Annette immer sagte: Kacken Idyllisch! Und von Regen keine Spur…. Macht es Euch gemütlich, irgendwann reißt der Himmel auf, dann kommt die Sonne! Hoffen wir in HH auch gerade drauf. LG Micha

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