37. von Furuheim nach Umbukta – Teil 1

Tag 37 – halber Ruhetag

von Ole

Da wir die Hütte in Furuheim leider nicht noch einen Tag haben konnten, beschlossen wir, erst um 12:30 Uhr aufzubrechen. Bis dahin schliefen wir, aßen Müsli und noch einmal 4 Spiegeleier, lasen und schrieben, aßen Couscous und ließen es uns gut gehen. Beim Bezahlen grüßte ich Trine von Simon, der uns noch einen Kommentar zu Furuheim geschrieben hatte. Sie hat sich sehr darüber gefreut und konnte sich noch gut an ihn erinnern.

Trine fuhr uns dann wieder die Straße zurück, wir klönten dabei noch über die Region, das Leben in dieser Abgeschiedenheit, die Freundlichkeit der Menschen, die damit den Wanderern, die das machen, was viele Norweger gerne machen würden, so stark halfen.

Wir verabschiedeten uns von ihr und liefen von Harvestua aus steil den Berg hoch. Die Sonne schien, die Mücken waren mit uns. Zum ersten Mal nervten sie. Andrea haben die Mistviecher durch das langärmelige Shirt hindurch übel beide Schultern zerstochen. Das ist die andere Seite des Frühlings. Die Mücken würden uns weiter begleiten. Entsprechend zügig stiefelten wir bergauf, Mücken waren eine gute Motivation, wenn die Hoffnung blieb, sie an der Waldgrenze abzuschütteln. Hat nicht ganz funktioniert. Die Trinkpause viel daher kurz aus.

Die Ausblicke wurden wieder toll, der Fotoapparat klickte und klickte. Geniale Landschaft. Dann tauchte der See Daningen auf und wir verpassten den richtigen Abzweiger. Kamen wieder in den Wald, die Mückendichte nahm zu, wir stiefelten weglos den Hang hinauf, um unseren Weg wieder zu finden. Hat gut funktioniert, nur die GPS Pause brachte noch mehr Mücken. Wir müssen unsere Taktik umstellen, Pausen im Wind, statt im Windschutz, eher oben auf dem Fjell, als unten.

Wir fanden den Weg wieder, der sich etwas später wieder Richtung See wandte. Mit ein bisschen Modder erreichten wir eine Engstelle zwischen zwei Seen, an der eine Brücke sein sollte. Da war eine Konstruktion wie bei einer Brücke, aber da waren nur Seile! An einem umlaufenden Seil musste man ein kleines Boot von der anderen Seite herüber ziehen. Vielleicht hätte man sich allein im Boot auch selbst hinüber ziehen können, aber wir stiegen lieber nacheinander ein und ließen den anderen arbeiten. War lustig und funktionierte besser als gedacht. Auf der anderen Seite, 20 m weiter und etwas höher gab es dann eine kurze Pause mit etwas Wind. Das tat gut, waren sicherlich mit Umweg schon 7 bis 8 km gewesen.

Danach begann wieder das Wegeraten. Wie in der Karte direkt über den kleinen Buckel ging die Markierung jedenfalls nicht und gut ausgetreten war der Weg hier auch nicht. Also durchs Gestrüpp durch, dann weglos den Hang entlang und dann fanden wir den Weg wieder. Jetzt gingen wir ein tolles Tal hinauf. Irgendwo da wollten wir unser Zelt aufschlagen. Auf einem Schneefeld sahen wir plötzlich Trittspuren und Hundespuren. Mina? Wir würden es nicht erfahren.

Einige Bachquerungen und Höhenmeter später mussten wir über den Fluss, viel früher als auf der Karte eingezeichnet. Ging nur in Watschuhen. Vorher auf einer kleinen Insel wollten wir das Zelt lieber doch nicht aufstellen, wer weiß, wie am nächsten Tag der Wasserstand gewesen wäre und ob wir dann von der Insel so einfach wieder herunter gekommen wären. Leider war das andere Ufer zum Zelten zu nass, so dass wir doch die Wanderschuhe noch einmal anziehen mussten.

Nach einer leicht abenteuerlichen Überquerung eines Rentierzauns gingen wir noch einen guten Kilometer weiter, bis wir einen tollen Zeltplatz fanden. Wie es sich für einen halben Ruhetag gehörte, gab es frühes Abendessen in der Sonne auf der Terrasse, dazu Obst, Nüsse, heiße Schokolade, etwas Brot und etwas Schokolade als Nachtisch. Mit Rentierfernsehen. Davor hatten wir auch schon einige Rentiere gesehen, jetzt zogen sie auf der anderen Hangseite entlang. Lustig, wie sie häufig auf dem Schnee lagen, als wäre es ihnen zu warm.

Mit Vorlesen klang dann der Abend gemütlich aus. Solche Tage darf es häufiger geben, auch die Mücken waren hier oben weniger geworden.

Tag 38

von Andrea

Die Nacht war nach dem lauen Abend wider Erwarten doch noch ziemlich kühl und windig geworden. Aber da durften wir uns kaum beschweren, hatten wir doch unseren Zeltplatz auf einer Höhe von fast 1.000 m gewählt (mit immerhin deutlich weniger Schnee als auf derselben Höhe im Børgefjell Nationalpark). Wirklich wach fühlten wir uns am Morgen leider nicht. Da ich aber auch nicht wieder einschlafen konnte, zog ich mich gegen 8:30 Uhr etwas mürrisch an (immer eine etwas akrobatische Übung im Zelt) und wollte Frühstück machen. Als ich aus dem Zelt kletterte, freute ich mich dann allerdings erstmal über unsere diversen Nachbarn, die mich neugierig anschauten. Mein Ausruf “Boah, eine ganze Herde Rentiere ganz nah an unserem Zelt!” lockte dann auch Ole schnell aus dem Zelt. Wir begrüßten beide freudig unsere Nachbarn und schauten eine Weile Rentierfernsehen.

Dann machte ich Frühstück und Ole machte im Zelt klar Schiff. Frühstück gab es dann tatsächlich mal draußen. Etwas frisch im Wind, aber noch gut auszuhalten und mit toller Aussicht. Oft hatten wir bis dahin noch nicht draußen frühstücken können, ohne gleich zu erfrieren. Und der Wind war auch willkommen, denn er hielt die Mücken fern. Wir genossen das Frühstück sehr. Solche Momente gaben uns Ruhe und Energie. Und die würden wir an dem Tag auch noch brauchen, wie sich noch herausstellen sollte.

Aufbruch um 10:30 Uhr unter einer noch aufgelockerten Wolkendecke, der man aber schon ansah, dass sie langsam zuziehen würde. Es ging noch weiter den Hang hinauf. Links von uns ein rauschender Bach, darüber Felsformationen, die uns die Kletterfinger jucken ließen, zwischendurch Schneeflecken und Rentiere, dazu immer mal wieder Sonnenschein. Wir machten uns keinen Stress, blieben immer wieder stehen und freuten uns über die Welt um uns herum.

Der Sattel, auf den wir zustrebten, war wie alle norwegischen Sättel, er täuschte immer mal wieder den höchsten Punkt an, um uns dann eine lange Nase zu machen und uns den nächsten Anstieg zu zeigen, und noch einen und dann noch mal wieder einen. Unter fünf mal antäuschen und dann doch noch den nächsten Anstieg aus dem Ärmel ziehen, geht bei norwegischen Bergen nix, das ist Ehrensache. Aber an dem Tag störte uns das nicht. Wir waren zufrieden, dort oben zu sein und zu staunen.

Aber auch der schlitzohrigste norwegische Sattel hatte irgendwo einen höchsten Punkt und danach ging es runter. Es ging noch über einen Fluss, wofür wir erstmal eine passende Stelle suchen mussten, weil wir der Schneebrücke, die direkt am Weg lag, nicht trauten (eine andere Seite des besseren Wetters, die Schneebrücken wurden instabiler), dann waren wir im Windschatten des Sattels, was quasi einer Einladung an Knott und Mücken entsprach, uns bei lebendigem Leib zu verspeisen (tja, so ist das leider, in Schnee und eisigem Wind frieren oder von Blutsaugern gefressen werden), und dann ging es schließlich steil den Hang hinunter Richtung See. Über uns drohten mittlerweile dunkle Wolken.

Oles Knie hielt dem 700 m super steilen Abstieg stand. Juhuuu. Das Mückengift hielt dank DEET auch. Nur die Nerven hielten nicht immer. Wenn links ein Tierchen im Augenwinkel landete und unter die Brille kletterte, flog natürlich sofort die linke Hand samt Wanderstock hoch, wenn dann rechts eins ins Ohr krabbelte, flog die rechte Hand hinterher, die Wanderstöcke verhedderten sich dabei im Gestrüpp, was zu heftigem Gezerre führt und gleichzeitig sollten einen die Füße noch sicher den steilen Weg hinunter bringen – ohne Unterstützung durch Konzentration und Wanderstöcke. Da musste man die richtigen Prioritäten setzen und die Tierchen einfach mal klettern, krabbeln und sirren lassen und auf das Mückengift vertrauen – Gelassenheit war anders. Der Weg den Hang hinunter glich jedenfalls eher einer Flucht als einer Wanderung.

Zum Glück trafen wir dann unten am Fluss nach einigem Suchen auf eine Brücke. Abenteuerlich und wackelig aber immerhin. Ohne wäre es nicht gegangen. Nach einem weiteren Spießrutenlauf mit Massen von Blutsaugern durch den Wald erreichten wir irgendwann die Straße und kurz danach den Campingplatz Grannes. Betrieben von einem sehr alten Mann, der kein englisch sprach. Alles etwas alt und heruntergekommen, aber eine kleine alte verwarzte Hütte war bei der Mückendichte besser als ein Zelt. Dachten wir. Und stimmte wahrscheinlich auch. Es war zwar einfach, ein Innenzelt mückenfrei zu halten, aber draußen zu kochen wäre die Hölle gewesen. Allerdings waren in unserer Hütte so viele Mücken, dass wir bestimmt 50 Stück erlegten. Immer wenn wir dachten, es sei Ruhe, begannen das Sirren und die Jagd von vorn. Dass es eine Dusche gab (ebenfalls alt und nicht sonderlich sauber), war zwar ein Luxus, aber duschen konnten wir nur, wenn jeweils der andere daneben stand und nach den Mücken schlug. Zur Toilette zu gehen, war fast noch schlimmer, denn dort saß man allein und schlug permanent um sich. Ich hatte bereits am Vortag ein gutes Dutzend Mückenstiche kassiert, daher hielt sich meine Gelassenheit leider in Grenzen.

Übrigens ging der schon seit einer ganzen Weile drohende Regenschauer nieder, als wir gerade die Hütte bezogen hatten. Das war mal gutes Timing.

Trotz der Mücken taten wir unser Bestes, in der Hütte so gut wie möglich zur Ruhe zu kommen. Wir hofften für die nächsten Tage auf ausreichend Wind und Gelassenheit.

Tag 39

von Ole

Andrea schlief ganz schlecht. Immer wieder sirrte es in unserem kleinen Schlafzimmer. Dazu wurde es immer wärmer. Zweimal lüftete sie, das Fliegengitter vor das geöffnete Fenster haltend, da es nicht genau passte. Trotzdem kamen jedes Mal einige Mücken hinein. Und dann sirrte es wieder nervtötend. Da Andrea mich mit der Mückenklatsche verteidigte, schlief ich einigermaßen gut.

Nach dem Aufstehen erlegten wir erst einmal weitere Mücken im großen Raum (hier waren wohl Tür und/oder Fenster nicht dicht), dann gab es Frühstück, Schokoladenmüsli und Apfel-Zimt Porridge. Derart gestärkt wagten wir uns raus. Toilettengänge mit Fliegenklatsche, mal was Neues. Konnte ich gerne drauf verzichten.

An der Straße ging das Laufen dann mit leichtem Wind noch gut, doch nachdem wir abgebogen waren und der heftig steile Aufstieg begonnen hatte, sirrte es wieder ununterbrochen. Andrea flüchtete so schnell den Hang hinauf, dass ich kaum hinterher kam. Am meisten sirrte es, wenn wir uns mal wieder besonders auf den Weg konzentrieren mussten. Mittlerweile glaubten wir auch, dass die Viecher sich abstimmten. Scheinangriff von rechts und dann links zuschlagen, solange der Typ abgelenkt war. Alleine auf meinen beiden Schultern erlegte ich knapp zehn Mücken. Krass. Aber es half nichts, wir versuchten, so viel Gelassenheit zu entwickeln wie möglich. Der Aufstieg war anstrengend genug. Irgendwann erreichten wir die Höhe, nur um sofort wieder in den Wald abzusteigen. Jetzt kam noch lustiges Wege Suchen dazu.

Endlich waren wir wieder im Fjell. Der Wind vertrieb die Mücken, die Knotts waren noch zurückhaltend. Wir genossen eine kurze Pause. 50 m nach dem Weitergehen durften wir die Regenkleidung anziehen …

Andreas Adleraugen fanden dann immer wieder die nächste Wegmarkierung und wir kamen trotz einiger von Spaßvögeln abseits des Weges zusätzlich errichteter Steinmännchen, die uns immer wieder verwirrten, gut voran. Vor dem Abstieg nach Tverrelvnes gifteten wir uns noch einmal ein, der Regen sorgte aber für einen ruhigen Abstieg. Wir genossen es, einmal einen richtigen Trampelpfad zu haben, auch wenn es natürlich die üblichen Modderlöcher gab. Die letzten Kilometer auf der Straßen sangen wir das erste mal gemeinsam. Gut, dass niemand zuhörte.

In Tverrelvnes gab es dann eine kleine, verregnete Pause. Ein Mann kam aus einem Haus, sprach uns kurz auf Norwegisch an und verschwand dann wieder. Der erneute Aufstieg ins Fjell war dann echt anstrengend. Der erste Anstieg an dem Tag hinter Grannes hatte bereits die Kraft aus unseren Beinen gesaugt. Doch wieder wurden wir mit tollen Ausblicken belohnt. Nur Wind und Regen setzten uns zu. Es wurde immer kälter. Ausgesetzt dort oben, manchmal beängstigend. Doch wieder die Taktik anwenden, im Windschutz Pause zu machen, Mücken und Knott waren bei den Bedingungen nicht mehr unterwegs.

Plötzlich blieb ich wie angewurzelt stehen. Einen Meter vor mir saß ein Schneehuhn und brütete. Schnell gingen wir ein paar Schritte zurück. Perfekt, diese Tarnung. Super, dass ich es gerade noch rechtzeitig gesehen hatte und es nicht aufgeflogen war und die Eier verlassen hatte. Kurze Zeit später entdeckten wir an einer Stelle, an der ein Schneehuhn gerade aufgeflogen war, das Nest mit drei kleinen Eiern. Schnell gingen wir weiter, um den Bruterfolg nicht noch mehr zu gefährden. Wir hofften, dass das Schneehuhn schnell zurückkehrte.

Wir überquerten mehrere kleine Bäche und standen dann vor einem etwas größeren Fluss. Das ging nicht mehr trockenen Fußes und die Schneebrücke war uns zu heikel, zu tief wäre man gefallen, wenn das Ding nicht gehalten hätte. Also wieder einmal nasse Füße. “Wenn es nicht läuft, dann läuft’s nicht.” Kurze Zeit später fanden wir einen schönen Zeltplatz kurz hinter einem Pass an einem See. Der zuvor starke Wind war hier nur noch eine leichte Brise.

Wir ärgerten uns über nasse Füße, auch diese Schuhe waren nicht (mehr) wasserdicht. Da war deutlich mehr Wasser in unseren Schuhen, als wir ausschwitzen konnten; vor allem waren die Schuhe unterschiedlich nass von innen. Echt blöde, trocken würden wir die beim Zelten nicht bekommen. Auf diesem Teil des E1 fehlten die DNT Hütten, in denen man über dem Ofen Schuhe trocknen konnte. Normalerweise wären wir sicherlich schön häufiger in einer Hütte gewesen, aber hier waren nur einzelne private Hütten, die man vorher reservieren musste, was für uns unmöglich war, weil wir gar nicht planen konnten, wann genau wir wo sein würden. Das war einer der Punkte, der die Tour bei diesen Bedingungen anstrengend machte.

Doch erst einmal genossen wir die Regenpause, bauten das Zelt auf und kochten zwei Gerichte. Wieder waren die Tüten schnell leer. Der erneut einsetzende Regen hielt mich vom Angeln ab, ein kleines Stück See war immerhin schon eisfrei …

Das Innenzelt war schnell mückenfrei und ohne Sirren schliefen wir gut ein. (Auch das Sirren in Andreas Kopf, welches ihr die nahezu durchwachte letzte Nacht beschert hatte, ließ endlich nach.)

Tag 40

von Andrea

Eine Nacht ohne Daunenjacke im Schlafsack und das an einem größtenteils noch gefrorenen See auf einer Höhe von etwa 900 m. Nicht schlecht. Wurde etwa Anfang Juli auch oben im Fjell langsam mal Frühling?

Nachts hatte mich immer wieder der auf die Zeltwand prasselnde Regen geweckt. Ja, meine Aufgabe auf dieser Tour war es wohl, Gelassenheit zu lernen. Noch war ich darin einigermaßen miserabel. Das Prasseln weckte bei mir Bilder von wild rauschenden Flüssen, Moorwiesen mit knöcheltiefem Wasser, nassen Schuhen und Füßen. Das ließ sich alles nicht ändern und trotzdem wurde ich bei dem Prasseln immer wütender auf dieses unsägliche Wetter. Dabei wurde ich natürlich immer wacher. Gelassenheit ging anders. Aber irgendwie gelang es mir, mich wieder auf das “einen Schritt nach dem anderen” einzulassen und wieder einzuschlafen.

Um 5 Uhr hörte ich unsere netten Nachbarn ganz nah an unserem Zelt. Einige Rentiere trugen kleine Glöckchen, die leise bimmelten und dieses Bimmeln begleitete am frühen Morgen meine Träume. Aber ich war zu müde, um “guten Morgen” zu sagen. Ich hoffte nur, dass die netten Nachbarn eine Tüte mit frischen Brötchen vor das Zelt legen würden, wie das unter netten Nachbarn so üblich war.

Irgendwann war es tatsächlich still. Kein Bimmeln. Kein Prasseln. Kein Prasseln? Ne, echt jetzt? Ungläubiger Blick aus dem Zelt gegen 8 Uhr. Vor uns verschwanden die Berge in grauer Suppe, hinter uns eine dunkelgraue Wand aus Wolken, über uns einige wenige Flecken blauen Himmels. Kurze Zeit später die Wärme der Sonne auf unserem Zelt. Danke für dieses Geschenk.

Ich machte fix Frühstück – ohne frische Brötchen – denn das sah nach einem eher kurzen Geschenk aus. Wir durften dann sogar ein fast trockenes Zelt einpacken. Wow. Und weiter ging es.

Der Weg am See entlang war uneben, mühsam, nass und hatte noch recht viel Schnee. Gut, dass wir am Abend zuvor nicht mehr weitergegangen waren, wir hätten so bald keinen weiteren guten Zeltplatz gefunden. An einer einsamen Hütte nutzten wir beide das nicht verschlossene Plumpsklo. Keine Ahnung, ob uns dafür jemand den Kopf abreißen würde. Wir dachten uns, es sei doch für alle besser, wenn sich gewisse Dinge alle auf demselben Haufen fänden und nicht über das Fjell verteilt und außerdem war es für uns natürlich bequemer so. Ob der (vermutlich samische) Besitzer der Hütte unsere Meinung bezüglich desselben Haufens teilte, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, denn er war nicht da.

Dann widmeten wir uns dem breiten Zufluss des Sees, an dem wir übernachtet hatten. Der Wasserstand des Flusses war hier trotz des vielen Regens nicht das Problem. Die Sandalen würden wir hier gerade eben nicht brauchen. Das Problem war der Schnee, der noch an beiden Ufern lag und hohe Kanten bildete, die man weder runter noch rauf kam. „Puh, Frühling, mach hinne“, das war manchmal echt mühsam. Wir kamen schließlich über ein Schneefeld, das über einem kleinen Arm des Flusses etwa eingesackt war, und dann von einer kleinen Steininsel im Fluss am kompletten Absacken in den Fluss gehindert worden war, bis auf eben jene Steininsel. Von dort gerade rüber über den Fluss ging aber nicht, weil auf der anderen Seite des Flusses die Kante zu steil und der Schnee zu hoch waren. Also fröhliches Steinehüpfen durch den Fluss für etwa 30 m nach links, immer schön die flachste Stelle suchen, dann ans andere Ufer, weil dort ein nicht ganz so steiles Stück Ufer auf einigen Metern schneefrei war. Dann natürlich ein steiles Schneefeld hoch. Und … äh … wo war jetzt der Weg auf dieser Seite des Flusses? Das mit den Wegmarkierungen, die vom Schnee zugedeckt werden, musste man auch irgendwie noch besser lösen. Also suchen. Ach, da drüben schaute ein Steinmännchen aus dem Schnee heraus. Ok, alles klar, weiter.

Einen weiteren größeren Fluss querten wir über eine Schneebrücke. Eigentlich war ich ja der totale Schisser, was das Überqueren von Flüssen auf Schneebrücken anging und verweigerte solche Überquerungen hartnäckig. Lieber eine andere Stelle suchen und ja, sogar lieber in Sandalen durch eiskaltes Wasser. Zu unkalkulierbar waren die Konsequenzen, wenn die Schneebrücke über einen Fluss unter einem zusammenbrach. Aber hier wäre man tatsächlich nur 30 cm eingesackt und hätte etwas nasse Füße bekommen. Das war sogar für mich ok, auch wenn ich dann mit weichen Knien die wenigen Schritte hinüber stakste. Da gerade die Sonne herauskam, machten wir auf der anderen Seite eine Pause mit Blick auf ein tolles Felsmassiv.

Noch einmal mussten wir rauf und über einen Sattel, was unsere Beine zu ziemlichem Gemaule nutzten, dann begann der Abstieg. Und damit stieg mal wieder die Spannung, ob uns die Norweger eine Brücke über den großen Fluss am Ende gönnen würden. Wir durften den Fluss Brundreinbekken (aus dem See Brundreinvatnet) links von uns kurz aus der Nähe betrachten, durften längere Zeit dem Rauschen lauschen und schickten gedanklich einen Antrag nach dem anderen (ordentlich mit dreifacher Durchschrift) für eine Brücke gen Himmel. Als sich dann noch der Fluss Raudvasselva hinzu gesellte und die beiden fröhlich gemeinsam ihre Wassermassen zu Tal schickten, war eigentlich klar, dass man diesen Fluss unmöglich durchwaten konnte, außer er würde etwa 500 m breit werden, wonach es auf der Karte aber nicht aussah. Und trotzdem waren wir uns bis zum Ende nicht sicher, ob es eine Brücke geben würde oder nicht.

Wir hatten irgendwie beide ein wenig das Vertrauen in die Wege in Norwegen verloren. Darein, dass ein Weg um ein Moor herum führte oder wenn schon hindurch, dann zumindest so, dass nicht das Wasser von oben in die Schuhe lief (Holzplanken in Mooren, wie wir sie aus Schweden kannten, waren hier eine absolute Seltenheit). Darein, dass Wege nicht ausschließlich aus Matsch bestanden (oder falls doch, irgendwie mit Holzplanken versehen waren). Darein, dass Wege in Wald und Gestrüpp so angelegt oder zumindest so gepflegt waren, dass man mit Rucksack überhaupt hindurch kam, ohne dass man sich alles zerschrammte und häufiger stecken blieb. Darein, dass Wege so markiert waren, dass man sie auch finden konnte, wenn man sie nicht schon 10 mal gegangen war. Und eben auch darein, dass Wege so über Flüsse führten, dass deren Überquerung nicht lebensgefährlich war, auch nicht in der Zeit der Schneeschmelze, die schließlich nicht selten bis weit in den Juli reichte. Wir hatten das Gefühl, Wege in Norwegen waren häufiger keine Wege im eigentlichen Sinne (auch keine Trampelpfade), sondern sporadische Markierungen, denen man folgen konnte, wenn man das denn unbedingt wollte und nichts Besseres zu tun hatte, wobei man aber halt sehen musste, wie man durch kam und wo man blieb. Eine Einladung an Wanderer stellten diese Wege nicht dar. Ja, da klingen jetzt Frust und Zynismus durch, aber so hatte ich das in den letzten Wochen oft empfunden. Und es passte überhaupt nicht zu dem, was wir bis dahin auf dem Nordkalottleden weiter nördlich in Norwegen und auf den Wanderwegen in Schweden erlebt hatten. Deswegen hat es uns auch so überrascht. Und deswegen war es oft auch so viel anstrengender und manchmal frustrierender als wir erwartet hatten.

Aber immerhin, an dem Monstrum von Fluss am Ende dieser Etappe gab es eine Brücke. Die Nordlandsruta, auf der wir gerade unterwegs waren, ließ unser Vertrauen langsam wieder etwas wachsen. Die Markierungen der Wege wurden besser und es gab auch mehr Brücken. (Nur Planken über Sümpfe suchten wir fast immer vergebens, weswegen wir fast ständig nasse Füße hatten.)

Wir waren erleichtert beim Anblick der Brücke und eierten vorsichtig über die wackelige Hängebrücke. Nur für den breiten rauschenden Bach 5 m vor dieser Brücke hätten wir fast noch die Schuhe ausziehen müssen.

Bald darauf waren wir dann an der Straße Nr. 73. Etwas über 5 Stunden hatten wir für die zwischen 10 und 12 km bis dahin gebraucht. Bei den Bedingungen ging es bei uns einfach nicht schneller.

Wir beschlossen, der Straße zu folgen, statt uns wieder ins Fjell hinauf zu kämpfen. Das war zwar ein kleiner Umweg im Vergleich zum eigentlichen E1, aber dafür keine Höhenmeter, keine Moore, kein Matsch, keine Flüsse ohne Brücke. Großartig. Also weiter ging es.

Die Straße war für diese abgelegene Region recht stark befahren, vermutlich weil sie eine Verbindung nach Schweden darstellte. Allerdings kamen uns deutlich mehr Autos entgegen, als in unsere Richtung fuhren. Ich hielt bei jedem Auto in unsere Richtung tapfer den Daumen raus, aber von dem etwa einen Dutzend Autos hielt keines an.

Nach etwa 8 km auf der Straße inkl. Überquerung der Grenze nach Schweden sahen wir ein Schild, dass nach einem weiteren km etwas zu essen (ein gekreuztes Besteck) und eine Unterkunft (ein Bett) versprach. Großes Kino! Ein Restaurant? Das war ja noch viel besser als eine Tankstelle mit einer Auswahl an Chipstüten, von der wir schon eine Weile geträumt hatten. Tatsächlich erschien ein Schild, das uns zu einer Wildräucherei und einem Restaurant 200 m nach rechts schickte. Unglaublich. Hier, mitten im Nirgendwo ein Restaurant? Und das gab  es tatsächlich und es hatte auch geöffnet. Juhuuuu.

Es war bereits nach 18 Uhr und wir waren hungrig. Leider sprach der Mann im Restaurant kein Englisch. Mit meinen paar Worten schwedisch und Händen und Füßen machten wir verständlich, dass wir gern dort essen und wenn möglich auch schlafen würden. Essen könnten wir, lautete die Antwort, schlafen könnten wir in Hemavan, das sei nur 30 km entfernt. Machte der Witze? Na gut, vermutlich hatte er unsere Rucksäcke nicht gesehen und dachte, wir seien mit dem Auto unterwegs. Etwas verzweifelt machten wir ihm klar, dass wir zu Fuß unterwegs waren und fragten, ob wir irgendwo ein Zelt aufschlagen dürften. Da führte er uns zu einem Haus und einer alten Frau, die ein wenig Englisch sprach und in ihrem Haus eine kleine Wohnung vermietete. Alles alt und nach Zigarettenrauch riechend, aber halbwegs sauber und mit Bad und damit deutlich besser als ein Zeltplatz an der Straße. Wunderbar. Das nahmen wir gern. Aber erst etwas essen.

Die Auswahl im Restaurant war sehr klein, wie so oft an so abgelegenen Ecken. Aber wir wollten eh beide vor allem viel von irgendwas, gern auch viele Pommes und so nahmen wir 2 Burger mit Pommes. Danach schauten wir uns an und fragten uns, was wir als nächstes essen sollten. Ich mochte nicht noch einen Burger, aber Pommes wären klasse gewesen. Also bestellten wir noch einen Burger mit Pommes, wobei Ole einen Großteil des Burgers und ich einen Großteil der Pommes verputzte. Danach fühlten wir uns halbwegs gesättigt.

Zwischendurch bekamen wir noch Gesellschaft von einem schwedischen Wanderer. Hey, der zweite andere Wanderer seit 5 Wochen! Er war auf dem Weg von Grövelsjön zum Dreieck zwischen Schweden, Norwegen und Finnland, nach Treriksröset. Er war in Turnschuhen unterwegs, hatte einen im Vergleich zu uns winzigen Rucksack und wollte in der Nacht noch die 30 km bis Hemavan laufen, weil er Lebensmittel einkaufen musste – dabei klang er ganz fröhlich. Was waren wir doch für Weicheier.

In unserer Unterkunft bekamen wir sofort von der alten Frau Besuch, die sich offensichtlich über Abwechslung freute. Ich durfte dann auch unsere durchnässten Schuhe an ihren Schuhtrockner anschließen. Herrlich. Eigentlich war das Trocknen der Schuhe ja sinnlos, weil es nie lange vorhielt, und trotzdem war es schön, morgens in trockene Schuhe zu steigen. Als wir gerade mal allein waren, ging Ole unter die Dusche. Da kam die alte Frau wieder, setzte sich auf die Couch und wollte schnacken. Äh … und wenn Ole jetzt nackt aus der Dusche kam? Ich ging Ole warnen, sie verstand sofort, kicherte und meinte, kein Problem, sie würde sich die Augen zuhalten. Was sie dann auch tat, als sich die Badezimmertür öffnete.

Später lud sie uns in ihre Küche ein, wo wir zusammen mit einem jungen Mann, der in der Räucherei arbeitete, getrocknetes Rentierfleisch probieren durften, wofür es natürlich noch Platz in unseren Mägen gab. Ich bekam sogar einen Schluck Wein dazu. Es war super skurril. Ihr schwer übergewichtiger Mann, der in einer Tour rauchte und dessen Shirt von Brandlöchern übersäht war, schlurfte zwischendurch auch durch die Küche, stierte dabei stumpf vor sich hin und schien kaum ansprechbar. Er und seine Frau hatten dann eine Auseinandersetzung um einen Stuhl. Mögen taten sich die beiden offensichtlich nicht, der Umgang war eher feindselig. Dafür erzählte der jüngere Mann umso fröhlicher von seiner Heimat Gällivare, von Rentieren, vom Fjäll, von Schneebrücken, von reißenden Flüssen. Wir vermuteten, dass sowohl er als auch die beiden Alten Sami waren, aber wir fragten nicht nach. Als Geschenke bekamen wir noch Brot und getrocknetes Rentierfleisch.

In einem Nebel aus Zigarettenrauch gingen wir schließlich ins Bett. Unsere Bekleidung und unsere Schlafsäcke werden uns wohl mit ihrem Duft noch ein paar Tage an diesem skurrilen Abend erinnern.

Tag 41

von Ole

Wieder hatten wir gut geschlafen. Wir packten in Ruhe unsere Rucksäcke und gingen dann zum Bezahlen in die Wildräucherei. Im angrenzenden Shop kauften wir noch Batterien, eine kleine Packung Chips und ein neues Feuerzeug. Für die vielen Wildspezialitäten fehlte im Rucksack leider der Platz.

Über eine kleine Nebenstraße ging es dann nach Norwegen zurück. Wir ahnten schon, dass wir mit dem Trampen wenig Erfolg haben würden, als es sich um eine ziemlich kleine Schotterstraße handelte. Tapfer und zügig schritten wir aus. Es regnete einmal nicht. Wir kamen gut voran und schafften ca. 9 km in zwei Stunden. Dann zerrten die Rucksäcke aber auch an den Schulter und wir brauchten eine Pause. Ich holte von einem etwas entfernt liegenden Bach frisches Wasser, wir zogen die Regensachen an, da es wieder tröpfelte und dann gab es ein zweites Frühstück. Mit getrocknetem Rentierfleisch. Hätte ich vorher schon gewusst, was das mit Andrea machte, hätte ich das irgendwie schon in unsere Pakete bekommen.

Endlich fuhr auch einmal ein Auto in unsere Richtung. Und gleich das zweite Auto hielt sogar. Leider hatte der Fahrer nicht genug Platz für uns und unsere Rucksäcke und fuhr entsprechend nach kurzem Austausch weiter. Enttäuscht mümmelten wir noch unsere Schokolade, da kam der Fahrer zurück! Ihm war eingefallen, dass der Wagen vorne für drei Personen zugelassen war, damit würde der Platz ausreichen. Überglücklich fuhren wir die nächsten 8 km mit dem Auto. Unser Engel war ein pensionierter Lehrer, der bei dem schlechten Wetter in der Gegend herumfuhr und sich die Landschaft anschaute. “Det ordner seg.” Er erzählte uns noch, dass der Sivertgården, der Hof kurz hinter dem Beginn dieser Etappe und eine der Privatunterkünfte hier, der jedoch “fully booked” gewesen war, im letzten Jahr im Fernsehen vorgestellt worden war. In einer Serie über das Leben an abgelegenen Orten in Norwegen.

Die Hilfsbereitschaft unseres Engels (er hatte tatsächlich auf der super engen Straße sein Auto gewendet und war zu uns zurückgekommen!) gab uns einen richtigen Energieschub (zusammen mit dem Rentierfleisch). Zügig ging es den Hang ins Fjell hinauf. Anfangs unterstützt von Planken (!) über den Matsch, dann auf einem richtigen Trampelpfad. Auch hier kamen wir gut voran. Wir hatten den irren Gedanken, die knapp 15 km zum nächsten See zu schaffen, ca. 4 km danach lag ein Bauernhof mit einer Privatunterkunft. Andrea stiefelte vorweg und verbrannte fleißig Rentierfleisch. Immer, wenn ich fotografierte, gewann sie 15-20 m Vorsprung, und um die wieder aufzuholen, brauchte ich jeweils echt lange. (Rentierfleisch scheint ein guter Sprit zu sein.) Und ich blieb einige Male für Fotos stehen, erst für einen tollen Wasserfall (gut, dass wir zu dem Zeitpunkt über den Fluss schon rüber waren), dann immer wieder für nette Hügel und Seen.

Steil ging es dann zu einem Pass hinauf. Wir brauchten mal wieder eine Pause, aber bei dem Regen war das wenig einladend. Zum Glück war es weniger windig und es lag weniger Schnee als zwei Tage zuvor, so dass wir uns nicht ganz so ausgesetzt fühlten. Am Pass verloren wir den Weg unter einer riesigen Schneewehe. Die Spur ging dann hinter der Schneewehe in eine Richtung weiter, die nicht zur Karte passte. Wir setzten die Rucksäcke ab und suchten. Andrea ging der Spur nach, ich die Schneewehe hinauf. Ätzend, wenn der Wegverlauf nicht mit der Karte übereinstimmte. Sonst hätte uns das GPS gut helfen können. Von oben sah ich dann den Weg. Uff.

Diese Momente am Pass, wenn sich ein Abschnitt dem Ende neigte und ein neuer begann, waren immer großartig. Da wusste wir am besten, was wir schon geschafft hatten. Für mich war der Blick nach vorne immer der Blick in eine neue Welt. Und diese hier war toll. Zwei Seen im Vordergrund, der große See, das Ziel (?), im Hintergrund schon zu sehen, dahinter das Okstindan Massiv, das Dach Nordnorwegens mit bis zu 1.916 m Höhe. Allein der Gedanke, in den nächsten Tagen daran vorbei zu gehen, machte Laune.

Mit ein paar Nüssen und ein bisschen Obst gestärkt schafften wir den steilen Aufstieg die Schneewehe hinauf auch mit den Rucksäcken. Danach ging es angenehm bergab. Bis wir die Wald- oder eher Sumpfgrenze erreichten. Extrapolieren, dass wir ja bisher schnell voran gekommen waren und dass das so weitergehen würde, funktionierte hier nicht. Plötzlich war die Hütte wieder in weite Ferne gerückt. Nasse Wiesen, wohin das Auge blickte. Da half nur stark sein, nicht nur kurz, sondern echt lang. Ein Fluss forderte noch einmal Kreativität, ging aber noch irgendwie halbnassen Fußes. Dann wieder Sumpf. Der Weg fröhlich mittendurch. Die Füße wurden nasser. Die Stimmung sank drastisch. Es folgte ein sumpfiger Anstieg von 110 Höhenmetern. So steiles Moor muss man erst einmal hinbekommen. Wir waren echt platt, kämpften uns irgendwie den Hang hinauf. Natürlich umschwirrt von Mücken.

Endlich waren wir oben. Kein Wind, also weiterhin Massen von Mücken. Kein schönes Plätzchen für eine Pause. Noch kein Handynetz, um in Steikvasselv, dem nächsten Hof, der Zimmer vermietete, anzurufen. Also weiter. Der Abstieg begann sportlich, steil, überall Steine und umgefallene Bäume. Dann der erste von drei größeren Flüssen. Umweg flussaufwärts, Überquerung geschafft. Wir waren wie auf Autopilot. Hangabwärts auf dem überwucherten Weg vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzen. Zum Glück hatten wir noch die Konzentration dafür. Hier merkten wir, wie fit wir mittlerweile geworden waren. Es ging einfach weiter, die Beine liefen, die Schultern schmerzten ein wenig, wurden aber ignoriert. Weiter, immer weiter.

Dann der zweite Fluss. Es wimmelte von Mücken. Kurze, schnelle Suche. Keine Chance in Wanderschuhen. Also Watschuhe anziehen. An sich kein Problem, aber mit hungrigen Blutsaugern wird das echt Stress. Jeder freigelegte Zentimeter Haut wird sofort angeflogen. Bitte keine Stiche in die Füße! Also immer schnell das Gift zur Hand. Ich glaube, eine Mücke habe ich damit an der Wade totgerieben. Hosen nur hoch gekrempelt und nicht ausgezogen, um den Mücken nicht zu viel Angriffsfläche zu bieten. Doch das reichte nicht. In der ersten tiefen Stelle war zumindest das rechte (flussaufwärts) Hosenbein klitschnass. Sch … Aber erst einmal heil durchkommen. Der Fluss war auf etwa 2 m Länge reißend und tief. Hatte das Umland übetflutet, ein Bäumchen stand mitten im Wasser. Untergehakt ging es Schritt für Schritt voran. Durch das sprudelnde Wasser sah man den Untergrund nicht. Aber wir schafften es. Grummelten ob der nassen Hose. Zogen uns schnell wieder an, um den Mücken nicht zu lange sauber gewaschene Füße und Beine zu präsentieren. Erst als wir uns wieder in Bewegung setzten, hörte der Stress auf.

Nun wartete auf uns nur noch der größte Fluss. Dem dürften sie doch wohl eine Brücke spendiert haben? Sie hatten. Wir erreichten den völlig zugewachsenen Traktorweg hinter der Brücke und hatten damit wirklich alle Schwierigkeiten gemeistert. Jetzt müsste es nur noch mit der Unterkunft klappen. Doch dazu müssten wir erst einmal ein Handynetz haben. Kurz vor dem See, bei den ersten Häusern, hatten wir endlich eines. Andrea hatte am Vorabend die Nummer des Hofes extra noch im Handy gespeichert. Nach ein paar mal Klingeln ging Kari ran. Ja, sie hätte eine Unterkunft. Uff. Ob wir südwärts oder nordwärts gingen? Sie würde uns mit dem Auto aufsammeln, um uns die letzten 4 km Straße zu ersparen. Die sind einfach klasse hier! Die Anspannung fiel von uns ab, das Rentierfleisch war verbrannt, Andrea wurde langsamer. Uff.

Kurze Zeit später lud Kari uns in ihr Auto und wir bezogen eine Luxushütte. Mit Dusche und Waschmaschine. Kari machte den Ofen an (mit einem Streichholz – an der Expertise arbeiten wir noch ein wenig). Wir fragten noch, ob wir bei ihr auch etwas zu essen kaufen könnten, dann würden wir den folgenden Regentag als Ruhetag definieren und zwei Nächte bleiben. Das würde irgendwie klappen, sagte sie und brachte uns gleich darauf schon einmal Eier (15 Stück – die Frau kennt Wanderer) und Speck und Brot und Milch (ziemlich lecker). Hikers Heaven.

Es gab dann zwei Fertiggerichte und danach für jeden noch zwei Spiegeleier auf Brot mit Speck. Damit sollten wir irgendwie bis zum Frühstück kommen. Danach heißes Wasser aus der Wand, immer wieder ein Wunder. Die Schuhe trockneten mit Schuhföhn, geniales Gerät. Die saubere Wäsche trocknete am Ofen. Großartig. Wir hatten es geschafft. Ca. 26 km mit mindestens 600 Höhenmetern. Und das mit den schweren Rucksäcken. Wir waren stolz auf uns. Vielleicht werden wir ja doch noch richtig fit.

Tag 42 – Ruhetag

  • Ausschlafen
  • Je zwei Eier mit Speck zum Frühstück
  • Viel gebloggt – waren inhaltsreiche und spannende Tage
  • Lange mit Kari gequatscht, dazu mit Tee und Waffeln verwöhnt worden
  • Etwas zu essen abgestaubt, nämlich 8 Hähnchenschenkel, eine Paprika, eine grüne Gurke, eine kleine Dose Mais, ein frisch gebackenes Brot
  • 3 Hähnchenschenkel und etwas Gemüse zusammen mit Butterbroten zum Mittag sofort verputzt
  • Viel faul gewesen
  • Draußen Dauerregen
  • Restliche Hähnchenschenkel zum Abendessen geplant

Schwarz macht schlank

Immer wieder schön …

Lustige Brücke

In das Tal rein

An dem Fluss hoch

Diese Eleganz fehlt uns auf Schnee noch

Mal wieder strip tease für einen Fluss

Wenn Ole das Stativ schon trägt

Sollten wir es auch benutzen

Netter Besuch am Morgen

Ganz nah an unserem Zelt

Da juckten uns die Kletterfinger

Weite Landschaft

Das Problem war oft nicht der Wasserstand, sondern die Schneekante

Wieder mal eine Watstelle suchen

Und wieder mal eine Schneekante

Ganz schön wackelig diese Brücken

Was für eine Tarnung!

Diese Schneebrücke war uns zu heikel

Oh ne, wieder so ein hässlicher Zeltplatz

Und weiter geht es

Über eine Schneebrücke auf eine Steininsel … aber die Kante auf der anderen Seite war viel zu hoch

Pause mit Blick auf Felsmassiv

Wieder mal nasse Socken

Da müssen wir noch rüber – wird es eine Brücke geben?

Uff

Auch mal ganz nett

Wenig Verkehr

Schön vorsichtig

Hier mussten wir den Weg suchen

Blick auf eine neue Welt hinterm Pass

Im Hintergrund das Ziel der nächsten Tage, rechts an dem Massiv entlang

Schräges Moor

Das musste zum Abschluss nicht sein … hier strip tease mit Mücken

Schuhföhn. Einfach und genial.

2 Gedanken zu “37. von Furuheim nach Umbukta – Teil 1

  1. Mücken – bähhh – Ihr Armen (hilft es Euch, wenn ich Euch sage, dass ich auf Sardinien innerhalb einer Nacht 12 Stiche an der linken Hand (beim Handgelenk aufgehört zu zählen hatte????)…. aber Knotts???? Haltet durch, Ihr seid der Hammer… liebe Grüße aus München

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  2. Ahh, Steikvasslev ist der Hammer! Grüßt die Leute dort ganz herzlich, Kari hat mir damals eine 300 gr Tüte Chipsgeschenkt, ein Bild von Steikvasselv ist sogar im Buch gelandet! Hach, ich will auch, beneide euch gerade sehr! Und der nun folgende Abschnitt ist einfach nur der Hammer! God tur videre!

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