46. Hütten

von Ole

Wie funktioniert eigentlich das mit den Hütten? Auch wenn es da ab und zu mal ein paar Mücken zu viel geben kann, ist das System der Hütten in Norwegen und Schweden schon großartig. Der DNT (Den Norske Turistforening, http://www.dnt.no) in Norwegen hat ca. 500 Hütten, der STF (Svenska Turistforening, http://www.svenskaturistforening.se) in Schweden ca. 300, davon knapp 60 in den Bergen.

Die Hütten sind alle ähnlich ausgestattet, es gibt quasi eine Basishütte. Diese hat einen oder mehrere Schlafräume mit Stockbetten (manchmal das untere etwas breiter und fast als Doppelbett zu verwenden). Bettwäsche ist vorhanden, sollte aber entweder mit Hüttenschlafsack oder Bettbezug genutzt werden, alternativ kann ein eigener Schlafsack genutzt werden. Zentrum der Hütte ist der Aufenthaltsraum. Dieser enthält die zwei wichtigsten Utensilien, einen gusseisernen Ofen (am liebsten mögen wir Jøtul) und einfache Gaskochstellen (hierbei ist mindestens der Gashahn in der Hütte zu öffnen und zu schließen, teilweise auch noch ein Haupthahn außerhalb). Frisches Wasser wird in 10-15 Liter Metalleimern geholt, meistens aus dem nächsten Bach oder Fluss. Abwasser wird in Plastikeimern (Norwegen) oder Metalleimern (Schweden) gesammelt und an einer markierten Stelle auf dem Gelände entsorgt. Dabei stehen die Frischwassereimer in der Küche in der Regel oben, die Abwassereimer unten.

Zur Kücheneinrichtung gehören noch diverse Töpfe und Pfannen und normales Geschirr sowie Besteck. Holztische und Stühle sowie Kerzen runden die Einrichtung ab, in Norwegen gibt es teilweise noch eine kleine Couch oder ein paar Sessel. Meistens gibt es auch ein Bücherregal und ein paar Spiele. In Summe alles, was man für eine nette Übernachtung braucht. Für anderweitige menschliche Bedürfnisse gibt es mehrere Plumpsklos. Das riecht nicht besonders nett, ist aber deutlich angenehmer als komplett in der Wildnis. Man wird genügsam. Riegel außen zu bedeutet das Klo ist frei, sonst ist halt Riegel innen zu. Manche Neulinge kennen das noch nicht und rütteln trotzdem an der Tür … Wir hatten auch schon Mehrsitzer hinter einer Tür, das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Genial war es, wenn Mina die letzte Stunde vorgelaufen war, dann war der Ofen schon angeheizt, wenn wir ankamen. Dann galt es ggf. noch Holz oder Trinkwasser zu holen. Das sollte man am Ende auch immmer für den nächsten Gast tun. Manchmal muss man dazu auch Holz hacken. Wir haben hierbei bislang sehr viel Glück gehabt und fast immer gehacktes Holz vorgefunden. Erfahrene Hüttenbesucher fragen die bereits Anwesenden bei ihrer Ankunft noch bevor sie die Schuhe ausziehen, ob noch Holz oder Wasser benötigt wird. Auch das Saubermachen am nächsten Morgen regelt sich mit diesen häufig von selbst, jeder übernimmt irgendeinen Teil, fegen, Abwasser wegbringen, Frischwasser auffüllen. Nur in einigen Hütten war explizit gebeten, auch das Frischwasser auszuleeren, das korrelierte bislang mit zusätzlichen Hinweisen auf Mäuse.

Überhaupt die anderen Gäste. Manchmal hoffen wir, alleine zu bleiben, das machte einiges einfacher und ungezwungener. Andererseits sind es häufig gerade die Begegnungen mit anderen Wanderern, die zu besonderen Erlebnissen werden. Manche Hüttenbekanntschaft ist einfach kurz und nett, andere halten deutlich länger, wie wir mit Stefan und Lisa und hoffentlich jetzt auch mit Mina erfahren durften. Manchmal hat man aber auch einfach nur Pech.

In den Feinheiten unterscheiden sich die Hütten dann. Genial sind die, in denen man feuchte Wäsche oder nasse Schuhe direkt über den Ofen hängen kann. Das schaffen wir mittlerweile innerhalb von 5 Minuten. Etwas länger dauert es dann, das Chaos am nächsten Morgen wieder zu beseitigen. Müllentsorgung ist auf den norwegischen Hütten ab und zu möglich, die schwedischen Hütten bieten das alle an, sogar mit Mülltrennung. Dabei wird brennbarer Müll vor Ort verbrannt, alles andere muss irgendwann abtransportiert werden.

Zusätzlich verfügen viele der schwedischen Hütten über ein starkes Funkgerät, mit dem man über die nächste größere Polizeistation (im Norden ist das in Luleå) Hilfe rufen kann.

Und dann gibt es den einen Unterschied. Das norwegische System basiert vollständig auf Vertrauen. Man bezahlt ein Nutzungsentgelt (für den Tag, die Nacht oder den Zeltplatz) entweder bar (im Umschlag in eine Metallbox) oder per Einzugsermächtigung von der Kreditkarte oder per Überweisung oder später per Kreditkarte im Internet. Das variiert je nach Sektion des DNT. Dazu muss man sich nur am Anfang in das Hüttenbuch eintragen und sich die notwendigen Informationen mitnehmen, um bei nächster Gelegenheit zu bezahlen. Die Hütten sind alle mit einem einheitlichen Vorhängeschloss abgeschlossen, der zugehörige Schlüssel ist somit mit das wichtigste Utensil einer Hüttentour in Norwegen. Wir haben diesen gegen Kaution vom DNT zugeschickt bekommen.

In Schweden gibt es in fast jeder Hütte einen ehrenamtlichen Hüttenwart. (“I am only here for the money”, erzählte uns grinsend der Hüttenwart in Hukejaure. Er bekommt pro Tag 80 Kronen.) Dieser passt auf die Hütte auf und stellt die Bezahlung sicher. Leider geht das damit nur mit Bargeld oder vorab per Internet, also deutlich weniger flexibel als in Norwegen. Angeblich kann man auch in Schweden hinterher überweisen, das wird aber nicht gern gesehen.

In einigen Hütten kann man auch Kleinigkeiten kaufen. In Schweden läuft das über den Hüttenwart, in Norwegen trägt man einfach seinen Verbrauch ein und bezahlt diesen mit der Übernachtung gemeinsam. Diese Hütten heißen in Norwegen selvbetjent, im Gegensatz zu ubetjent, dort gibt es nur das Dach über dem Kopf. Es gibt auch in Norwegen bewirtschaftete Hütten (betjent), in denen es auch ein Restaurant gibt.

Der große Vorteil an einem Hüttenwart ist, dass man Informationen über die Wege bekommen kann. Diese Informationsbörse ist echt klasse.

Der Hüttenwart von Hukejaure erzählte uns auch noch kurz von der Ausbildung. Man müsse sich über einen einwöchigen Kurs beim STF qualifizieren. Dort gibt es – wie in jeder guten Ausbildung – mittlerweile case studies. Zum Beispiel:

A 50 year old woman from London arrives in Abiskojaure (15 km von der Zivilisation entfernt) and says, “I reserved a single room with a shower” (den es da mal überhaupt nicht gibt). What do you do?

Wir freuten uns den ganzen Tag darüber, konnten uns das richtig lebhaft vorstellen. Großartig.

Auf einer früheren Tour hatten wir gelernt, dass der Hüttenwart im Winter eine Kiste packen kann, die dann mit dem Schneemobil zur Hütte gebracht und dort bis zum Sommer eingelagert wird. Zur Hütte selbst muss er wie alle anderen auch zu Fuß kommen. Die Zuteilung der Hütten auf die Hüttenwarte übernimmt der STF, man kann aber Wünsche äußern. Auf den letzten Teilstücken des nördlichen Kungsledens sind deutlich mehr Besucher auf den Hütten als zum Beispiel ein Tal weiter, da braucht es auch andere Hüttenwarte. In Singi hätte seit der Hüttenwart vor zwei Wochen die Hütte übernommen hatte, jede Nacht jemand auf dem Fußboden schlafen müssen … Und während des Fjällräven Classic hatte der Hüttenwart in Sälka mal 270 Zelte gezählt …

Die Ver- und Entsorgung der Hütten erfolgt meistens im Winter mit dem Schneemobil, nur selten im Sommer mit dem Hubschrauber. Es ist für uns immer wieder ein Rätsel, wie sich bei dem logistischen Aufwand Preise von 150-250 NOK bzw. 360 SEK pro Person für Mitglieder rechnen können. Hier steckt auf beiden Seiten viel ehrenamtliches Engagement dahinter, für das wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken wollen!

Ofen mit guten Trocknungsmöglichkeiten, Frischwassereimer oben und Abwassereimer unten

Gaskocher, oben rechts der Hahn zum Abdrehen

Waschbecken

Sitzecke mit Bücherregal in schwedischer Hütte

Brennbarer Müll und Zeitungen für nasse Schuhe

Schwedische Mülltrennung

Holzpalette, mit Helikopter eingeflogen

Toilette

Luxustoilette

Keine Angst, Bilder riechen nicht

Abwasser (Schweden)

Abwasser (Norwegen)

Klein aber fein (Norwegen)

Dito

So sind die norwegischen Hütten gesichert

Meine beiden wichtigsten Begleiter: Andrea und der Schlüssel vom DNT

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