49. Urlaub in Kiruna 

von Ole

Kiruna existiert quasi nur aufgrund der Eisenerzmine. Auch die Bahn nach Narvik mit seinem eisfreien Hafen und damit auch die Stationen wie Abisko sind erst dadurch ermöglicht worden. Kiruna ist keine schöne Stadt, für uns aber immer das Tor aus der Zivilisation nach Sapmi gewesen und entsprechend positiv belegt. Hier kann man nach Herzenslust in mindestens zwei Sportgeschäften stöbern und shoppen und hat bei Restaurants tatsächlich eine gute Auswahl, bei der es auch in drei Tagen nicht langweilig wird.

Neu war für uns, dass Kiruna aufgrund des weiteren Erzabbaus verlegt werden muss. Die erzhaltigen Schichten erstrecken sich unter Teile der Stadt. Um den weiteren Abbau zu ermöglichen, werden 5.000 Wohnungen an anderer Stelle neu errichtet, Fernstraßen verlegt und das Gelände in einen großen Park umgewandelt. Kiruna zieht damit näher an den Flughafen heran. Im Turistoffice wird das ganze an einem großen Modell demonstriert, in dem auch der Verlauf der erzhaltigen Schichten dargestellt wird. Spannend stelle ich mir dabei die Verhandlungen zwischen Stadt und Minengesellschaft LKAB vor. Beide Seiten haben ein großes Interesse am Weiterbestand der Mine, in den Details gehen die Ziele aber sicher weit auseinander.

In dieser Stadt wollten wir uns also drei Tage mit viel Essen, Schlafen und Shoppen für die nächsten Etappen erholen. Möglichst mal wieder in einen Zustand kommen, in dem nichts mehr weh tut und ein paar Reserven wieder anlegen. Dabei hilft es vor allem, das Alarmsystem mal herunter zu fahren.

Doch der Reihe nach. Die gute Nachricht am Morgen in Abisko: Andrea bekam für den Folgetag um 7:30 Uhr einen Termin beim Zahnarzt in Kiruna. Das entspannte doch sehr. Nach ausgiebigem Frühstück – noch mal mit Markus – verließen wir Abisko mit dem Bus und erreichten um 12:40 Uhr die proppevolle Busstation in Kiruna (Fjällräven Classic vom 11. – 18. August lässt grüßen) und zehn Minuten später unser Hotel. Wir bezogen ein großes Zimmer mit Blick auf die Eisenerzmine und das Fjell im Hintergrund. Innerhalb von 10 Minuten verwandelten wir es in geordnetes Chaos. Danach gab es Mittag bei “unserer” Thai-Kitchen. Im Anschluss Kaffee, Schokolade und Kuchen. Wir hangelten uns quasi von Mahlzeit zu Mahlzeit.

Das Turistoffice tat alles, um uns durch einen Bootstransfer auf dem Torneträsk zur Pålnostugan einen Wandertag auf der nächsten Etappe zu ersparen, hatte aber leider keinen Erfolg. Immerhin erfuhren wir, dass der Bus uns vermutlich nahe der Stelle absetzen könnte, wo der Nordkalottleden die Straße E10 kreuzt, was uns immerhin einige Kilometer sparen würde.

Mit ein paar Einkäufen (u.a. schöne Halskette samischer Art für Andrea) ging es dann zum Mittagsschlaf aufs Zimmer. Abends gab es noch zweimal leckeres Rentierfleisch im Hotelrestaurant. Urlaub.

Der Zahnarzttermin verlief am nächsten Tag schnell und erfolgreich, Andrea erwischte mich schon beim Frühstück um 8:30 Uhr. Wir shoppten dann durch die Sportgeschäfte. Andreas Regenhose muss leider noch etwas halten, die Regenhosen in den Läden gingen alle nicht mit Rucksack: Entweder saß der Bund genau auf der Hüfte (sieht zwar gut aus, dann drückt aber der Hüftgurt des Rucksacks) oder sie hatten zwar den Bund weiter oben, dafür aber eine elegante Tasche an der Seite, die den Reißverschluss dann direkt unter dem Hüftgurt hatte. Honks. Probieren die ihre Sachen mal unter echten Bedingungen aus oder interessiert das keinen, weil die Mehrzahl der Käufer das eh nicht erlebt?

Mittag gab es dann im Spis, die Empfehlung hatte uns der nette Verkäufer im Jagd- und Fischladen gegeben, wo es für Andrea dann wenigstens eine neue Wanderhose gegeben hatte. Wir reservierten dann gleich für abends einen Tisch. Den für 3 Personen, Markus war jetzt auch in Kiruna und hatte uns angefunkt.

Nach dem Mittagsschlaf sortierten wir ein bisschen die Dinge für die Pakete, die wir nach Hause schicken wollten, und wachsten unsere Schuhe. Vielleicht bleiben meine neuen Schuhe aus dem Paket dadurch etwas länger wasserdicht. Die anderen hatten wir noch in Abisko entsorgt.

Das Abendessen mit Markus war lecker und sehr herzlich. Wir fachsimpelten und lachten viel. Einfach schön. Müde fielen wir danach ins Bett.

Die wichtigste Entscheidung fiel am nächsten Tag ganz früh. Wir verlängerten das Zimmer um einen weiteren Tag bis Montag. Bloß nicht zu früh wieder losgehen, unsere Köpfe und Körper hatten da eine einstimmige Meinung. Erneut genossen wir das Frühstücksbuffet, dann folgte ein kurzer Stadtbummel, bei dem wir uns insbesondere mit Mineralpräparaten (gegen die Krämpfe, das Wasser in den Flüssen hat halt wenig Mineralstoffe) und Massageöl eindeckten. Bei einer Kleinigkeit zum Mittag war der Hunger tatsächlich mal weg.

Gemütlich ging der Tag weiter, die gegenseitige Massage tat unseren Beinen sehr gut. Beim Saunagang danach hatten drei junge Männer mit lauter Musik zwar gestört, ich hatte aber von ihnen erfahren, dass gerade schwedisch-samische Meisterschaften in Kiruna stattfanden. Abends gab es Fisch und Burger bei Landstrøms.

Die Meisterschaften besuchten wir dann am nächsten Morgen nach einem langsam etwas weniger ausgiebigen Frühstück. Es fanden Staffelrennen statt, bei denen die Teilnehmer 1,5 bzw. 2 km laufen mussten, bevor sie mit dem Lasso fünfmal ein in ca. 10 – 15 m Entfernung stehendes Rentiergeweih treffen mussten. Jeder Fehlversuch gab eine Strafrunde. „Sami-Biathlon“ sozusagen. Die Stimmung war familiär und entspannt, die Zielgenauigkeit einiger TeilnehmerInnen echt bewundernswert. Besonders beeindruckt hat uns aber ein Vater, der seine kleine Tochter damit sehr souverän einfing. Der machte das regelmäßig.

Mittagessen gab es im Camp Ripan, das etwas außerhalb des Zentrums lag und schöne Erinnerungen weckte. Hier hatten wir schon mehrfach gegessen. Für das Abendessen entschieden wir uns dann aber noch einmal für das Spis. Im Hotel packten wir zwei Pakete mit Wäsche im Austausch für die frische in den Paketen aus Abisko. Auch die Angel und das Stativ kommen nicht weiter mit. Wir haben mit dem schwereren Schlafsack und der dickeren Unterwäsche mehr Gewicht, da muss irgendwo gespart werden.

Dann erreichte ich endlich Mina am Telefon, wir hatten uns schon gefragt, ob die Nummer richtig sei. Ihr war es auch in der Zwischenzeit gut ergangen, sie war uns jetzt ca. 10 Tage voraus, da sie nach dem Abstecher auf die Lofoten in Narvik, also fast auf der Höhe von Abisko, wieder eingestiegen war. Vielleicht treffen wir uns im September ja tatsächlich noch einmal, das wäre sehr schön.

Wir gaben die beiden Pakete im Supermarkt auf (Postfilialen sind hier häufig in den Supermärkten, haben damit deutlich bessere Öffnungszeiten als in Deutschland), ergänzten die Schokoladenvorräte, reservierten für den Abend im Spis und genossen die ruhige Mittagspause. Vor dem Abendessen packten wir noch die Rucksäcke – es wird wieder hoch gestapelt.

Weiter geht es dann am nächsten Tag mit Bus oder Taxi bis kurz hinter Abisko, dann zu Fuß auf dem Nordkalottleden. In neun Tagen wollen wir dann in Kilpisjärvi in Finnland sein. Ihr braucht also wieder etwas Geduld bis zum nächsten Update. Das Stück sind wir in der Gegenrichtung schon einmal gelaufen. Wir sind gespannt, wie es uns ergeht. Mina hatte vor vielen Mücken und volleren Hütten gewarnt.

Blick aus dem Hotel auf die Mine

Model von Kiruna, der rot markierte Bereich wird umgezogen

Seitenansicht des Modells mit den erzführenden Schichten, die schräg unter die Stadt verlaufen

„Sami-Biathlon“

Bei Treffern muss das Lasso vom Schiedsrichter schnell wieder abgemacht werden

Früh übt sich

3 Gedanken zu “49. Urlaub in Kiruna 

  1. Hi ihr beiden! Wir melden uns auch mal wieder!
    Wolfgang findet Oles Haarschnitt toll. 😊 Und ich finde Eure Ausstrahlung auf dem letzten Bild so wunderschön! Und wenn ihr von Massagen schreibt, freue ich mich, dass ihr euch nicht nur schinden müsst.
    Es ist toll euch zumindest übers Lesen begleiten zu können.
    Ach und Andrea: Der Boulder Weltcup ist im Moment im olympiapark. Die werden sich fragen, wo die Frau Fechner ist! 😂
    Gute Reise noch… The Way You walk is called life!

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  2. Hallo ihr beiden.
    Hoffe ihr seid wieder gzt unterwegs nach dem Lappjordschneechaos 😉 Das war ein Tag!!! Leider hat sich einiges gegen meinen Plan entwickelt an diesem Tag ( Kleidung, alte Wunde) so musste ich den Notausgang in Altevass nach Setermoen wählen. Ich hoffe die Wetterprognose für die nächsten Tage entspricht wieder einem zu pessimistischem Verhaltrn der norwegischen Frösche und ihr habt eine gute Zeit.
    Wünsche euch alles Gute weiterhin und war sehr nett euch kurz persönlich zu treffen.Das nächste Mal dann nicht im Schneesturm 😉
    Liebe Grüsse aus Helvetien
    Martin
    http://www.norgepalangs2013.com

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  3. WOW … Kirnuna…ziemlich auf den Tag vor 30 Jahren war ich auch mal dort…danke für die Auffrischung der Erinnerung 😉 und euch noch eine ganz tolle Zeit. Be careful and enjoy the journey. Liebe Grüße Juliane

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