52. Ruhetage Kilpisjärvi 

Tage 84 bis 86

von  Ole

Genial war, wie schnell wir gleich am Ankunftstag noch Wäsche waschen konnten. Auch der Trockenraum war perfekt, sogar unsere Schuhe wurden mal wieder richtig trocken und wir konnten sie mehrfach wachsen. Es ist schön, wenn Unterkünfte trotz Straßenlage die Bedürfnisse von Wanderern noch nicht vergessen haben, auch wenn diese mittlerweile in der Minderheit sind.

Ich wälzte nach dem Essen noch Karten, um zu verstehen, welche wir brauchen würden, es waren 4 bis Alta und weitere 3 bis Olderfjord. Das waren noch einmal lange Etappen. In der ursprünglichen Planung des Weges über den Ort Kautokeino hatten sie 9 und 11 Wandertage. Dem fühlte ich mich gerade nicht gewachsen, nicht mit viel unmarkierten Wegen und wenigen Hütten nach den ersten 4-5 Tagen.

Am nächsten Morgen dann beim Frühstück der Blick auf die Berge: “Ich kann die nicht mehr sehen!” Ich war fertig. Es war gut, in Kilpisjärvi angekommen zu sein, es waren aber auch 9 anstrengende Tage gewesen. Andrea bemerkte später, wir hätten am Anfang fast immer zweigeteilte Etappen beschrieben, das war die erste so lange Etappe, die wir am Stück gegangen waren.

Wir beschlossen, auf jeden Fall einen Tag länger zu bleiben, dabei allerdings in ein kleines Hotel im Dorf umzuziehen. Das lag näher am Supermarkt und wir brauchten noch Schokolade und Butter.

Wir bloggten dann erst einmal und faulenzten. Nach dem Mittagessen ein geruhsamer Mittagsschlaf, das tat uns beiden gut. Wir recherchierten ein wenig zu Übernachtungsmöglichkeiten im Reisadalen, einem tief eingeschnittenen Canyon, den wir nach 4-5 Tagen erreichen würden. Eventuell könnte man dann mit dem Bus nach Alta fahren. Oder noch 2-3 Tage unmarkiert wandern, um dann etwas später in einen Bus zu steigen. Allmählich konnte ich es mir wieder etwas vorstellen, noch weiter zu gehen.

Cool war dann, dass Andrea mir die Karte mit unseren Trackingpunkten zeigte. An vielen Rast- oder Übernachtungsplätzen hatten wir Punkte gesendet. Das in einer Übersicht zu sehen, war beeindruckend. Das sind wir alles gelaufen? Und da ist das Nordkap? Vielleicht geht das ja doch noch?

Nach einem Saunagang konnte ich es mir noch besser vorstellen. Ich muss nicht jeden Meter zu Fuß gehen, aber zu Fuß das Nordkap zu erreichen, das wäre schon etwas Besonderes. Wichtig dabei ist, zum einen noch genug Zeit und Ruhe für den Rückweg zu haben, zum anderen ab jetzt noch stärker auf das Wetter zu achten und den Weg an die Bedingungen anzupassen. Mit ca. 4°C am letzten Tag auf dem Weg nach Kilpisjärvi war es schon ziemlich kalt gewesen. Ohne Hütten sind wir auf das Zelt angewiesen, da sollte bei solchen Temperaturen möglichst kein Regen dazu kommen.

Beim Frühstück lösten wir dann mit unserem kleinem Dankeschön in Form einer Packung Merci große Freude aus. Man schaute gleich in unseren Blog. Beim Abschied meinte Essi von der Rezeption: “It is inspiring that not only people in their twenties do these trips”. Wir freuten uns und fuhren immer noch grinsend mit dem Bus ins “Zentrum”. Dann gingen wir dem Bus zu unserem Hotel hinterher, was sowohl uns als auch den Busfahrer erheiterte.

Wir bekamen tatsächlich schon unser Zimmer, packten kurz aus, planten noch ein wenig und gingen dann shoppen. Da wir unsere Lieblingsfertiggerichte bekamen, konnten wir die zu salzigen Varianten ganz aussortieren. Dazu gab es reichlich Schokolade, ein paar Kekse und Chips.

Nach dem Mittagessen aus Buffet und Burger gab es noch zwei Paar wärmere Handschuhe. Dann informierten wir uns noch über die finnischen Hütten. Schnell war klar, dass wir keinen Schlüssel bekamen, es gab zuviele schlechte Erfahrungen mit nicht zurückgegebenen Schlüsseln. Die offenen Hütten hätten immerhin Holz und Gas, allerdings nur eine geringe Anzahl an Pritschen. Die Preise wunderten uns, die offenen Hütten waren kostenlos, die anderen hätten nur 11 Euro pro Nacht gekostet. Der Blick auf den Wetterbericht schockierte dabei etwas, für den nächsten Tag waren viel Regen und bis zu 9 m/s starker Wind angekündigt, der dann oben im Fjell typischerweise noch stärker war. Kein Wanderwetter.

Mit Sauna, verdauen und schlafen verging der Rest des Nachmittags. Zum Abschluss überraschte uns dann das sehr gute Abendessen im Hotel. Wir entschieden uns, noch eine Nacht zu bleiben, um dem Regen ein Schnippchen zu schlagen.

Es regnete dann tatsächlich den ganzen nächsten Tag. Die schlechten Wettervorhersagen haben eine höhere Trefferquote als die guten. Wir freuten uns den ganzen faulen Tag darübet, nicht losgegangen zu sein. Daneben gab es Frühstück, Vormittagsschlaf, Mittagessen, Massage (!), Sauna mit Bad im See und noch ein leckeres Abendessen.

Am nächsten Morgen soll es weiter gehen. Zwar noch mit viel Wind, aber hoffentlich ohne Regen. Vier Tage bis ins Reisadalen, dann sehen wir weiter.

Unsere Tracking-Punkte

Sauna in Finnland. Schwitzen pur mit viel Wasser auf den heißen Steinen

Ein Gedanke zu “52. Ruhetage Kilpisjärvi 

  1. Hallo Ihr ZWEI.
    Trocken & warm, bis leicht schwitzend mit Fliegergasse vor dem Fenster sitze ich arbeitend, aber trocken, irgendwo in Deutschland und lese immer wieder mit enormen Respekt und tief beindruckt Eure Worte und Beschreibungen. Ein Gefühl von ‚Wahnsinn bis Schiss‘ werde ich einfach nicht los und weiß eins sicher, ich könnte (& wollte) das nicht. Respekt.
    Und doch kann ich in manchen Bilder und Beschreibung Eure Faszination erkennen – was mich wirklich freut.
    Genießt die verbleibende Zeit und haltet das Besondere fest – in Euren letzten Tage & Wochen da oben … mit Licht!
    Kommt bitte heil wieder in München an. Wir freuen uns auf Euch, alle Bilder und Berichte.
    Ganz liebe Grüße
    Stephanie

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