01. Es geht weiter

von Andrea und Ole

Wir haben uns vor unserer Wanderung zum Nordkap häufiger gefragt, wie es uns wohl danach gehen würde. Wie schwer es uns fallen würde, uns nach vier Monaten „draußen“ wieder in unserem Alltag zurechtzufinden. Ob es uns kirre machen würde, unsere Zeit überwiegend in geschlossenen Räumen zu verbringen und vergleichsweise wenig „Auslauf“ zu bekommen. Ob wir mit Schreibtisch und Computer noch etwas anzufangen wüssten. Und wie wir mit den etwa eineinhalb Millionen Menschen und achthunderttausend Autos in München umgehen würden.

Letztlich hat es uns selbst überrascht hat, wie schön es war, wieder nach Hause zu kommen und zu Hause zu sein. Die vielen Menschen und Autos waren auch nicht schlimmer als vor unserer Tour. Die geschlossenen Räume waren anfangs eher eine Wohltat. Insbesondere war und ist ein Badezimmer in einem geschlossenen Raum – sprich ohne Mückenschwärme und überdies beheizt – ein unglaublicher Luxus. Das Geräusch prasselnden Regens an einer Fensterscheibe fanden wir fast behaglich, was wir von demselben Geräusch auf einer Zeltplane nicht behaupten konnten. Und es war auch tatsächlich nicht schwierig, den Alltag im Job wieder aufzunehmen, ja sogar angenehm, auch die grauen Zellen mal wieder stärker antreiben zu müssen.

Wir hatten es zuvor ja auch schon manchmal erlebt, dass wir uns nach einer Wanderung zu Hause wie eingesperrte Huskies gefühlt hatten. Daher hatte Andrea sich vor unserer Tour zum Nordkap schon ausgemalt, wie sie danach zu Hause eine durch endlose Runden ausgetretene Spur im Fußboden unserer Wohnung hinterlassen würde. Doch auch das blieb aus. Ja, es sollte sogar fast sechs Monate dauern, bis es uns überhaupt wieder zu Tagestouren in die Alpen trieb. Es sah ganz so aus, als hätten sich die Huskies erstmal eine Weile erholen müssen.

Was auch überraschend und etwas verwirrend war, war das Gefühl, dass die Wanderung zum Nordkap schon nach wenigen Wochen sehr lange her zu sein schien, fast als hätte sie in einem anderen Leben stattgefunden. Waren das tatsächlich wir gewesen? Wir haben uns das damit erklärt, dass die Gegensätze zwischen unserem Leben auf der Tour und unserem Leben zu Hause so groß waren, dass unsere Köpfe die Tour nur als „weit weg in einer anderen Welt“ verarbeiten konnten, was sich dann wie „lange her“ angefühlt hat. Und gleichzeitig war uns die Tour in vielen Gedanken ganz nah und wir merkten, dass sich etwas in uns verändert hatte, geblieben war.

Und so war es schon recht früh nach unserer Heimkehr klar, dass wir wieder aufbrechen würden. Wir mussten nicht lange darüber sprechen, dass wir weitere lange Wanderungen machen wollten. Und das auch möglichst bald. Wie können wir wissen, wie es uns morgen geht, wie lange wir dafür noch gesund genug sind? Also nicht zu weit in die Zukunft schieben.

Die Wanderung zum Nordkap soll kein „einmaliges Abenteuer“ in unserem Leben gewesen sein. Wir möchten solche Erlebnisse in unser Leben integrieren, sie zu einem Teil unseres Lebens werden lassen. Immer wieder. Und auch immer wieder nach Hause und in unseren Alltag zurückkehren, weil beide Welten schön sind und beide Welten jeweils ein Teil von uns sind.

Wir sind dankbar, dass wir uns die Freiheit nehmen können, schon im Sommer 2019 wieder unterwegs zu sein …

Ein Gedanke zu “01. Es geht weiter

  1. Das nächste “Projekt“ nimmt Form an….wir freuen uns schon auf die spannenden Berichte über die schönen und anstrengenden Momente. Micha

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