03. Vorbereitung?

von Andrea und Ole

Irgendetwas ist anders. Wir haben bislang weder unseren täglichen Zahncremeverbrauch gewogen, noch haben wir Toilettenpapierstücke abgezählt, zehn Kilogramm Schokolade eingekauft (schade eigentlich 😉) oder hunderte Fertiggerichte bestellt. Denn uns war früh klar, dass wir – anders als für unsere Tour zum Nordkap – keine Versorgungspakete verschicken wollten. Das darf mitten in Europa bitte auch ohne gehen. Essen wird es abends auf den Hütten geben und notfalls müssen wir halt für ein paar Stunden den knurrenden Magen ertragen, falls wir doch mal irgendwo draußen biwakieren wollen oder müssen. Und wenn sich die Zahncreme – oder irgendetwas anderes – dem Ende neigt, dann werden wir eben einen Abstecher in den nächsten Ort im Tal machen.

Damit stolpern wir in unserer Wohnung, anders als während der Vorbereitung der Tour zum Nordkap, nicht ständig über Häufchen irgendwelcher Lebensmittel oder anderer „Verbrauchsmaterialien“ für unterwegs. Und wir schlagen uns die Wochenenden nicht mit dem Packen und Versenden von Paketen um die Ohren. Eine Wohltat! Damit fühlt es sich aber irgendwie auch gar nicht richtig wie „Vorbereitung“ an. Haben wir etwas übersehen?

Zumindest über die Wanderkarten haben wir dann doch etwas länger nachgedacht. Die Wanderkarten, die wir für die zwei Monate im Sommer benötigen, möchten wir nicht mit uns herumtragen. Sich darauf zu verlassen, dass wir die nächste benötigte Karte immer genau dann unterwegs kaufen können, wenn wir sie gerade brauchen, erscheint uns doch allzu optimistisch. Also haben wir die Karten elektronisch dabei – auf einem Smartphone und als Backup auf einem kleinen Tablet. Bequem. Aber auch ein Risiko. Wenn die Technik ausfällt und wir den richtigen Weg nicht finden, müssen wir nicht nur mögliche Umwege in Kauf nehmen, sondern können uns dabei auch in irgendeinem Steilhang wiederfinden, in dem wir lieber nicht herumsteigen würden. Denn auch in den Alpen sind die Wege nicht überall verlässlich ausgeschildert oder breit ausgetreten. Und wie gut sich ein Smartphone bei Regen oder mit Handschuhen bedienen lässt, weiß jeder, der das schon mal ausprobiert hat. Nach reiflichem Überlegen nehmen wir das Risiko in Kauf und haben dabei einen Backup-Plan: Falls uns die Technik im Stich lassen sollte und wir den Weg nicht finden, kehren wir um und zum nächsten sicheren Stützpunkt zurück und verbringen dabei notfalls auch eine Nacht draußen.

Das bringt uns zu einem weiteren Punkt unserer Ausrüstung, über den wir uns etwas länger die Köpfe zerbrochen haben: Für Notfälle nur einen Biwaksack pro Nase oder doch ein Tarp (große Zeltplane) und zwei Isomatten mitnehmen? Für den absoluten Notfall reicht der Biwaksack, schöner ist es unter einem Tarp (wenn man es denn irgendwo verankern kann, sonst kann man sich immerhin drin einwickeln). Die vorläufige Entscheidung lautet: Tarp und Isomatten. Damit schreckt uns der Gedanke an ein Notfallbiwak weniger ab. Und gleichzeitig liebäugeln wir auch ein wenig damit, bei schönem Wetter in einer einsamen Gegend mal eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Das aber sicher nur als Ausnahme. Schließlich finden wir es beide völlig richtig, dass das Zelten in den Alpen nicht erlaubt ist. Es sind dort einfach so viel mehr Menschen unterwegs als in Nordskandinavien, dass wir uns gar nicht vorstellen möchten, wie einige Gegenden aussehen (und riechen) würden, wenn das Zelten in den Alpen erlaubt wäre.

Damit war dann auch die Anpassung der Packliste relativ einfach: Man ersetze Zelt durch Tarp, streiche Kocher und Lebensmittel, nehme die leichten Hüttenschlafsäcke (Optimisten!), mache noch ein paar weitere kleine Optimierungen und fertig. Unser Zeug passt bequem in zwei Rucksäcke á 45 Liter und wiegt pro Nase etwas unter 10 kg. Echt jetzt? Genial! Na gut, etwas geschummelt. Dazu kommen noch Wasser, ein paar Snacks für unterwegs (viel Schokolade) und unsere Kamera. Aber immer noch genial. Auf den langen Etappen in Norwegen hatten wir anfangs wegen der vielen Lebensmittel sogar das doppelte Gewicht. Da müsste die Via Alpina doch recht entspannt werden! … Überheblich? Naive Verblendung unsererseits, die vermutlich noch bestraft werden wird?

Wir befürchten beide noch, dass wir etwas übersehen haben. Kein Stress in der Vorbereitung. Vergleichsweise leichte Rücksäcke. Wo ist der Haken?

Vermutlich liegt einer der möglichen Haken bei den gut 840 Höhenmetern, die im Durchschnitt pro Tag zu bewältigen sind. Und insbesondere bei denjenigen Etappen, auf denen über 1.000 Höhenmeter, ja in einem Fall sogar gut 2.000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Und das auch gern mal gepaart mit 20 Kilometern Entfernung. Ach naja, so viele solcher Monsteretappen sind es ja nicht, auf der gesamten Roten Via Alpina nur etwa 20 Stück. Und auf den ersten 6 Etappen unserer Wanderwoche im Mai bleiben wir davon komplett verschont, denn die erste Monsteretappe mit knapp 1.300 Höhenmetern erwartet uns an Tag 7 – damit ist doch zumindest die Wanderwoche im Mai mal geschickt geplant. 😊

Aber, äh, naja, vielleicht wäre ein wenig mehr Vorbereitung vor dem 15. Juli dann doch ganz sinnvoll. Zum Beispiel noch ein paar Höhenmeter in unseren „Münchener Hausbergen“ genießen, das Schimpfen üben (kann Andrea auf endlosen Aufstiegen besonders gut), fleißig an den TRX-Bändern einbeinige Kniebeugen trainieren (vor allem Andrea), ein wenig Bauchspeck abbauen, …

Über unsere üblichen unzähligen Diskussionen, welche Kombination aus 1., 2. und 3. Lage der Bekleidung am besten geeignet wäre, decken wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens.

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