07. Lipica

von Andrea

Eigentlich fand ich es ja albern, dass die Via Alpina am zweiten Tag vom Berg Kokos zum kleinen Ort Lokev diesen riesigen Umweg machte, nur um möglichst dicht am Lipizzanergestüt in Lipica vorbeizuführen. „Blöde Werbeveranstaltung“, dachte ich. Der Weg wurde an dem Tag dadurch bestimmt 5 km länger. „Das kann man sich doch sparen und direkt nach Lokev abkürzen, oder?“

In der Tourenbeschreibung stand dann etwas von der „wunderschönen grünen Oase“ des Gestüts Lipica und von „gepflegten Weiden, Alleen und Reitwegen“. Hm, das klang jetzt eigentlich ganz gut, das könnte man sich ja schon mal anschauen. Und so langsam erwachte auch die ehemalige Reiterin und Pferdenärrin in mir. „Meinst Du, man kann da vielleicht echte Lipizzaner auf den Weiden sehen?“ Ole zuckte die Achseln und meinte entspannt, wir könnten den Umweg gern machen, aber das müsste ich entscheiden, denn er hätte ja schon mal Lipizzaner gesehen. Also, das ging ja nun gar nicht. Und 5 km Umweg war nun wirklich nicht so viel.

Wir folgten dann allerdings nicht der Via Alpina, sondern steuerten direkt das Gestüt an (die Via Alpina führt in einiger Entfernung daran vorbei). Wir hatten keine Ahnung, ob es beim Gestüt etwas zu sehen geben würde oder ob das eine geschlossene Veranstaltung war. Wir gaben einfach unserem Glück eine Chance.

Schon auf dem Weg an den Weiden entlang schaute ich mir die Augen aus dem Kopf. Zunächst noch in weiter Ferne sahen wir weiße – und auch grau und braune – Pferde auf den Weiden. Ole machte fleißig Fotos für mich. Wir wussten ja nicht, was noch kommen würde, also musste jede Sichtung eines Pferdes erstmal festgehalten werden.

Schließlich hatten wir eine kleine Herde neugieriger weißer und grauer Pferde auf einer Weide direkt neben uns, streichelten weiche Nasen und machten Fotos. Ich grinste breit. Unsere Wanderstöcke lehnten am Zaun. Einige Pferde knabberten neugierig an den Griffen und Bändern unserer Wanderstöcke herum. Und schneller als wir gucken konnten, packte ein Pferd einen Wanderstock und zog ihn durch die Latten des Zaunes auf die Weide. Mehrere Pferde amüsierten sich dann damit, knabberten daran, traten mit den Hufen dagegen. Ich muss ziemlich doof aus der Wäsche geschaut haben. Und als ich zu Ole sagte, dass ein Wanderstock jetzt einige Meter entfernt auf der anderen Seite des Zauns liege, zeigte sein Gesichtsausdruck, dass sich der Sinn meiner Worte erst langsam einen Weg bahnte.

Überall an den Zäunen stand, dass das Betreten der Weiden verboten war. Und darüber hinaus hatten die Pferde auch offensichtlich ihren Spaß mit dem Stock, so dass unklar war, ob sie ihn wieder hergeben würden. Trotzdem stieg ich vorsichtig durch die Latten des Zauns. Neugierige Blicke und Nasen folgten mir. Die Pferde liefen weder davon, noch reagierten sie aggressiv, sie wirkten total entspannt. Ich fragte, ob ich wohl den Stock wiederhaben dürfte, wertete Schweigen als Zustimmung, zog ihn vorsichtig zwischen den Pferdebeinen heraus und stieg wieder zurück durch den Zaun. Ich schmunzelte. Erinnerungen wurden wach, wie gerne Pferde uns Menschen austricksten. Die hatten ihren Spaß gehabt und wir mit ihnen.

Auf dem Gestüt angekommen, waren wir ganz glücklich, dass wir es tatsächlich besichtigen konnten. Wir zahlten den recht stolzen Eintritt von 16 Euro pro Nase und bekamen – da wir unter grauem Himmel und bei eisigem Wind gerade die einzigen Gäste waren – eine ganz tolle Privatführung. Wir erfuhren alles Mögliche über das Alter und die Größe des Gestüts, über die Anzahl der Pferde und deren Ausbildung. Wir lernten auch, dass Lipizzaner tatsächlich schwarz oder dunkelbraun zur Welt kamen und erst im Laufe der Zeit weiß wurden. Bei einigen dauerte das Jahre. Ein Zuchthengst war sogar komplett schwarz geblieben, zeugte aber weiße Nachkommen.

Und wir durften auch die Ställe betreten, uns die zum Teil wirklich strahlend weißen schönen Tiere anschauen, weiche Nasen streicheln. Und wir durften die Fohlen sehen, einige waren erst wenige Tage alt. Wir waren entzückt. Die weißen Mütter mit den schwarzen Fohlen wirkten wie aus einem Bilderbuch. Ein Fohlen tobte vergnügt durch den großen Laufstall. Ole hätte es am liebsten gleich mitgenommen und konnte sich gar nicht losreißen.

Am Ende konnten wir noch zuschauen, wie die Pferde von den Weiden zurück in die Ställe kamen – eine geballte Energie, die mich auch nach vielen Jahren immer noch gefangen nimmt.

Wir fanden es beide toll. Der Umweg hatte sich für uns gelohnt.

Übel war nur, dass uns in dem eisigen Wind beim Schlendern über das Gelände und beim Warten auf die Pferde von der Weide so kalt geworden war, dass wir erst viel später unter der Dusche endgültig aufhörten zu frieren.

 

Jede Sichtung von Pferden musste erstmal festgehalten werden

Und jede neugierige weiche Nase musste gestreichelt werden

Mit unserem Wanderstock hatten sie ja ihren Spaß …

… und hätten wohl auch gern noch einen Rucksack gehabt

Auf dem Gestüt durften wir auch die Ställe betreten

Und die Fohlen sehen, wobei die größeren schon draußen waren …

… und die Zwerge wegen der Kälte noch drinnen in einem großen Laufstall

Eine Herde Pferde auf dem Weg von den Weiden in die Ställe – geballte Energie

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