11. Der Teufel steckt im Detail

von Ole

Das mit den Tracks auf dem GPS-Gerät hat uns während unserer Warmlauf-Woche im Mai sehr gut gefallen, also entschieden wir uns, schnell auch den Rest der Tour für den gesamten Sommer ins Gerät laden. Schnell? Nicht ganz. Und das kam so.

Wir hatten zunächst überlegt, nicht jeden Tag einzeln zu speichern. Einerseits ist es nett, zu wissen, wie viel man für den Tag noch vor sich hat – was das Gerät nur anzeigt, wenn man einzelne Tage speichert –  andererseits geht damit auch das Gefühl der Freiheit ein wenig verloren, da das Ziel den ganzen Tag vor Augen steht. Also lud ich den gesamten Track der roten Via Alpina aus dem Internet runter. Der war leider unserem GPS-Gerät zu groß, er passte nicht in den Speicher.

Dann versuchte ich es mit Wochenabschnitten. Das war spannend, den die waren alle so um die 100 Kilometer lang und hatten 6.000-7.000 Höhenmeter für sieben Tage. Lieber nicht darüber nachdenken, ob das irgendwie anstrengend klingt. Leider wurden daraus beim Übertragen auf das GPS-Gerät für die erste Woche 42 Routen mit gleichlautendem Namen! Oh nein, da klicke ich mich nicht durch und suche die richtige. Zusätzlich war der Speicher des Geräts damit zu 78% voll, obwohl ich vorher alle alten Punkte und Tracks gelöscht hatte. Beim Laden der Tracks für einzelne Tage wurden die meisten dann immerhin nur in 1-3 verschiedene Routen mit demselben Namen aufgeteilt, das ging ja noch.

Und dann hatten wir noch den „offiziellen“ Track der Website der Via Alpina und einen alternativen Track von der Website https://hiking.waymarkedtrails.org, der uns die ersten Tage im Mai den Popo gerettet hatte, weil er deutlich genauer gewesen war als der andere. Für spätere Abschnitte der Via Alpina war dieser aber leider häufiger mal irgendwie „kaputt“ mit geraden Verbindungslinien, die im Track mehrfach zwischen verschiedenen Positionen hin und her sprangen – unbrauchbar. Leider hatte Andrea das erst festgestellt, nachdem sie eifrig diesen Track schon für viele Abschnitte heruntergeladen hatte. Und nun? Sollten wir wieder dem Track von der Website der Via Alpina trauen, obwohl dieser zumindest für den Start grottig gewesen war?

Und wie bekommen wir unterwegs die Tracks auf das GPS-Gerät, unser Garmin Inreach, da wir wegen des zu kleinen Speichers nicht bereits zu Hause alle Tracks auf das Gerät bringen können? Zu Hause ist das ja noch „vergleichsweise“ einfach. Zunächst für jeden einzelnen Tag den Track von der Via Alpina Seite herunterladen und auf dem Computer speichern. Dann die Website https://inreach.garmin.com öffnen, sich dort mit dem eigenen Konto anmelden und den Track importieren (als Route). Dann das GPS-Gerät über USB mit dem Computer verbinden und über die Software InreachSync das Inreach-Konto mit dem Gerät synchronisieren. Und unterwegs? Laptop mitnehmen? Zwischendurch in einem Hotel oder einer Pension fragen, ob wir wohl einen Computer benutzen dürfen und auch gleich noch eine Software installieren?

Eine Internetrecherche ergab, dass genau das an dem Inreach-Geräten und der zugehörigen Earthmate App fürs Handy bemängelt wurde. Na super, wir waren immerhin nicht allein. Man kann zwar eine Route von der Earthmate App mit dem Gerät synchronisieren, aber leider in die App keine Routen importieren.  Es gibt zwar angeblich eine kostenpflichtige Version der Earthmate App für Jäger, mit der Touren importiert werden können, aber die war zumindest für Android nicht aufzufinden. 

Nach einigem Grübeln dann dieser Weg: Die Tracks auf dem Tablet speichern. Den Browser öffnen, bei dem Inreach-Konto anmelden und den Track importieren. Dann die Earthmate App über eine Internetverbindung mit dem Inreach-Konto synchronisieren. Quasi einmal um den halben Erdball statt auf dem gleichen Gerät zu bleiben. Dann das GPS-Gerät über Bluetooth mit der Earthmate App auf dem Tablet synchronisieren. Uff. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ob das unterwegs wirklich klappt, werden wir sehen. Wir sind gespannt. Das sollte man jedenfalls nur in der Nähe einer Steckdose probieren, das Prozedere macht kein Akku lange mit.

Andrea hat dann mit viel Geduld etwa 60 einzelne Tracks von der Website der Via Alpina heruntergeladen und auf dem Tablet (und als Backup zusätzlich auf dem Handy) abgespeichert. Dank zusätzlicher SD-Karte passen die nun auch definitiv aufs Tablet, nur für den Fall, dass unsere private Cloud mal abschmiert.

Ach ja, als weiteres Backup dient noch die App des Alpenvereins. Auch in diese hat Andrea mit viel Geduld die Touren importiert. Und nachdem wir ein kostenpflichtiges Abo für die App abgeschlossen haben, können wir die Touren und Karten offline speichern und auch damit navigieren.

Und wenn man glaubt, dass man dann mit einem so einem GPS-Gerät immer weiß, wo man ist, so stimmt das auch nur bedingt. Das Hirn sollte man jedenfalls besser nicht ausschalten. Bei den Wegpunkten unserer ersten sechs Tage im Mai, die wir unterwegs eifrig aufgezeichnet haben, war plötzlich ein Punkt irgendwo beim Südpolarmeer dabei. Löschen ließ der sich nicht. Der freundliche Mensch im Support von Garmin fand das am Telefon auch ziemlich interessant. Mit seiner Hilfe ließ sich das Ding dann immerhin löschen. Eine Erklärung für den Punkt hatte er nicht und die Frage, ob ich wirklich nicht im Südpolarmeer war, hätte er sich lieber verkneifen können. Wir fragen uns ja seitdem immer, ob wohl die Notfallzentrale in den USA, bei der ein Notruf von dem Gerät eingehen würde, erstmal einen Eisbrecher losgeschickt hätte … während wir doch nur irgendwo in Slowenien Hilfe gebraucht hätten. Wäre eine teure Rettung geworden.

 

Ein Gedanke zu “11. Der Teufel steckt im Detail

  1. Hallo Andrea und Ole. Spannend. Beachtlich, dass man erst ein Informatikstudium absolvieren muss, um den GPS Tracker und die Karten sinnvoll nutzen zu können. Mit so heavy Usern wie Euch konnten die Entwickler aber auch nicht rechnen. Schwarze Schwäne? Wer hätte es gedacht? Seht es positiv. Wenn ihr mit Wanderkarten 1:10.000 und Kompass unterwegs wärt, wären Eure Rucksäcke ca 5 kg schwerer. Jeder.
    Euch weiter viel Spaß.
    Herzlichst
    Jörg.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s