13. Von Idrija nach Ukanc

Fakten

  • 4,5 Wandertage
  • ca. 70 Kilometer
  • ca. 4.250 Höhenmeter

Tag 7 (nach 6 Tagen im Mai)

von Ole

Um 16:20 Uhr machten wir uns in Idrija auf den Weg. Es war heiß, die Sonne brannte und gleichzeitig türmten sich um uns herum die Wolken. Das konnte ja spannend werden. Und es wurde spannend.

Wir waren trotzdem einigermaßen entspannt, in Norwegen hatten wir am ersten Tag unserer Tour 3°C und Schneefall gehabt; Schnee würde es hier wohl heute nicht geben.

Wir fanden schnell die weißroten Kreise wieder, überquerten den Fluss. Endlich konnte ich eine Foto der schönen Kirche von Idrija machen. Dann ging es steil und abenteuerlich den Hang hinauf. Erst durch Vorgärten und als wir die Häuser hinter uns ließen auf einem steilen Waldweg. Es fing an zu regnen, wir hörten die Tropfen auf den Blättern der Bäume. Noch schützte uns das Blätterdach. An einer Bank mit Aussicht machten wir eine Pause, solche Chancen mussten wir nutzen. Der Regen ließ ein wenig nach. Zwei Mountainbiker kamen uns entgegen. Sportlich auf diesem Weg.

Dann öffnete der Himmel die Schleusen. Das Blätterdach war in Sekunden durchgeweicht und wir flüchteten uns in unsere Regenklamotten. Wir gingen weiter. Immer flussaufwärts. Der Weg hatte sich in einen flotten Bach verwandelt. Irre, wie schnell das in den Bergen geht. Vorsichtig setzten wir die Schritte. Dann der erste Blitz. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, krachendes Donnergrollen. Shit, das war zu nah. Wir legten die Stöcke ab, entfernten uns von ihnen und hockten uns hin, Füße nahe beieinander. Später erläuterte Andrea mir, dass das Problem die Spannungsausbreitung am Boden ist, wenn der Blitz in der Nähe einschlägt.

Wir warteten keine 30 Minuten (Lehrbuch) nach dem letzten Blitz in der Nähe, nach 10-15 Minuten machten wir uns wieder auf den Weg, weil uns zu kalt wurde… immer sorgfältig auf weiteres Donnergrollen lauschend. Es kam keines mehr. Dafür verloren wir im weiterhin strömenden Regen den Weg und mussten einen Kilometer Umweg in Kauf nehmen. Doch irgendwie war das egal. Wir waren wieder unterwegs. Und das Wetter hatte uns mal wieder gezeigt, wie klein wir waren. Und dabei dafür gesorgt, dass wir schnell emotional angekommen waren, denn in dieser ausgesetzten Situation mussten wir einfach mit voller Aufmerksamkeit da sein. Spannend.

Nach zweieinhalb Kilometern Straße erreichten wir dann unsere Unterkunft. Die Gaststube war voll, aber wir wurden schnell dem ‚Boss‘ vorgestellt. Die Wirtin war super freundlich, zeigte uns nassen Wanderern unser Zimmer, das wir wieder sehr schnell in ein geordnetes Chaos verwandelten. Leider mit viel zu vielen nassen Sachen, als dass Hoffnung auf Trocknung bestand. Wir wärmten uns erst einmal in der heißen Dusche auf und trockneten wenigstens uns ab.

Dann ging es zum Essen. Die Wirtin blätterte durch die Speisekarte und erzählte, was es noch zu Essen gab. Wir bestellten Zlikrofi (Ravioli mit Gnocchi gefüllt) und Wiener Schnitzel mit Pommes, dazu erst ein, dann später ein zweites Radler. Einen Trockenraum gab es leider nicht, aber ich durfte den Wäscheständer auf dem überdachten Balkon eines anderen Zimmers nutzen, um die nassesten Sachen auszulagern. Da der Regen aufgehört hatte, bestand Hoffnung auf etwas trockenere Wäsche am nächsten Morgen. Die Hilfsbereitschaft ist immer wieder schön.

Das Essen war lecker und kurz danach fielen wir müde ins Bett.

Tag 8

von Ole

Der Wecker klingelte um 07:30 Uhr und wir waren 30 Minuten später beim Frühstück. Um 09:30 Uhr stiefelten wir bei Sonnenschein los, uns erwartete ein hügeliges auf und ab mit knapp 20 Kilometern und ca. 900 Höhenmetern.

Der Anfang lief flott, wir fanden den Weg und freuten uns immer wieder über schöne Ausblicke auf die lieblich geschwungene Hochebene, die uns immer wieder an das Allgäu erinnerte. Hinter jedem Hügel eine neue Welt, diesmal waren es viele Hügel und viele neue Welten. In Norwegen war es häufig nur eine neue Welt am Tag gewesen.

Plötzlich standen am Rande einer Lichtung drei Rehe und schauten überrascht zu uns hinüber. Als sie sahen, dass wir nur fotografierten, ästen sie entspannt weiter. Wir zogen auch entspannt weiter.

Zwischendurch versüßten uns letzte Walderdbeeren, erste Blaubeeren und auch ein paar Himbeeren die Tour. Mittag gab es mit schönem Ausblick – von der Stromleitung mal abgesehen. Unsere Isomatten taten gute Dienste, und da die Sonne schien gab es sogar einen kleinen Mittagsschlaf. Sehr schön.

Danach verfehlten wir ein paar Mal den Weg, fanden ihn dank GPS-Track aber immer schnell wieder. Wir müssen uns angewöhnen, häufiger nachzuschauen, ob wir noch richtig sind, es waren schon ein paar Mal die kleinen, unscheinbaren Abzweiger, die wir hätten nehmen müssen. Als Belohnung sahen wir dafür noch einen Fuchs, der den langen Wiesenhang vor uns querte.

Am Ende zogen sich die Kilometer echt zäh dahin, und die letzten 200 Höhenmeter taten ihr übriges. Platt erreichten wir die Koca (Hütte) Ermanovec. Verschlossen, trotz Reservierung. Christoph, ein netter Schweizer (und Schwyzer, er kam nämlich aus dem Kanton Schwyz), erzählte uns, dass gegen 18:00 Uhr jemand kommen würde. Glücklicherweise mussten wir keine 60 Minuten warten, sondern nur ein paar. Wir bezogen ein Zweibettzimmer in das vielleicht gerade noch ein weiteres Bett gepasst hätte, so klein war es. Aber es war extra jemand für uns gekommen, wir konnten Duschen, Andrea kam mit Chips und Radler als Belohnung fürs Dehnen, alles war gut. Zum Nachtisch gab es in angenehmer Gesellschaft für uns drei Tomatensalat und Gulasch, dazu ein zweites Radler. Sag noch einer, Alkohol behindert die Regeneration.

Kaum im Bett fielen mir die Augen zu und ich schlief sehr zu Andreas Überraschung um 20:30 Uhr ein.

Tag 9

von Andrea

Wir hatten in dem winzigen Zimmer der Hütte erstaunlich gut geschlafen. Der Hüttenwirt überraschte uns dann zum Frühstück um 7:30 Uhr mit Rührei, das wir dankbar verputzten. Dabei freuten wir uns über die Gesellschaft von Christoph, der ein sehr rücksichtsvoller und angenehmer Zeitgenosse war.

Um 8:30 Uhr waren wir wieder unterwegs. Die Sonne brannte schon ordentlich auf uns nieder. Wir freuten uns über jedes bisschen Schatten im Wald. Wir mussten zunächst den Weg vom Vortag ein Stück zurück gehen, dann ging es ab in Richtung des Partisanenlazaretts Franja aus dem zweiten Weltkrieg, das versteckt in einer Schlucht lag und von dem Christoph uns schon berichtet hatte. Wir Banausen interessierten uns dabei weniger für das historische Zeugnis, sondern mehr für die Bar, die es bei dieser Sehenswürdigkeit geben sollte.

Der Weg dorthin zog sich natürlich, wie immer. Einfach zu finden war er auch nicht, ebenfalls wie immer. Einige Abschnitte des Abstiegs von etwa 750 Höhenmetern waren auch brutal steil, ging aber irgendwie alles. Nur bekam Ole davon wieder mehrere Blasen an den Zehen, was natürlich frustrierend war. Angesichts der Wärme aber auch kein Wunder, da sind die Socken schnell nass geschwitzt und mit den schwellenden Füßen haben die Zehen irgendwann in jedem festen Schuh zu wenig Platz. (Immerhin produzieren wir das Wasser in unseren Schuhen jetzt selbst, anstatt es wie in Norwegen von außen hineinlaufen zu lassen.)

Die letzten Meter zu „unserer Bar“ verliefen in der prallen Sonne und machten uns echt platt. Da kam die Pause um 11:30 Uhr mit kalten Getränken (großartige, mit Zitronensaft selbst gemachte Limonade) und ein wenig zu Essen sehr gelegen. Wir hingen angesichts der Wärme etwas in den Seilen und genossen die Ruhe.

Nach etwa einer Stunde brachen wir tapfer wieder auf. Laut der Wegbeschreibung sollten jetzt noch gute 1.000 Höhenmeter vor uns liegen. Laut dem GPS-Track waren an diesem Tag sogar 1.350 Höhenmeter zu bewältigen. Egal, was von beiden stimmte, wir wurden echt auf die Probe gestellt. Es war sehr warm und es ging – immerhin im Schatten – direkt den Hang hoch, immer schön senkrecht zu den Höhenlinien. Kann bitte jemand den Slowenen mal den Sinn von Serpentinen erklären?!

Bei der Steilheit und Wärme ein nachhaltiges Tempo zu finden, war mir völlig unmöglich. Ole stürmte fröhlich den Hang hinauf, ich war beeindruckt und leicht frustriert. Mein Kühlwasser war kurz vorm Kochen, der Zeiger im orangen Bereich, ich kroch wie eine Schnecke hinterher. Aber das kenne ich schon. Wärme und Anstrengung vertragen sich bei mir nicht. Zum Glück waren keine Gewitter angesagt und der Himmel sah auch nicht danach aus, so mussten wir nicht hetzen.

An einem sehr schmalen Stück des Weges entlang einiger zerklüfteter Felsen traute ich meinen Augen kaum. Da lag ganz entspannt eine für Europa recht große Schlange auf einem Fels. Ich musste dreimal hinschauen. Helle Grundfarbe, gezacktes Muster auf dem Rücken, leicht dreieckiger Kopf und deutliche „Stupsnase“. Sicher giftig, aber was für eine Viper oder Otter war das genau?

Das Tierchen schien tiefenentspannt, züngelte nicht, hob den Kopf nicht, drohte nicht. War die echt? Ich fragte Ole, der schon einige Meter vor mir war, ob er die Schlange nicht gesehen hatte. Er kam sofort zurück und gemeinsam bestaunten wir das schöne Tier. Wir hielten respektvollen Abstand. Die Schlange ließ sich unsere Huldigung eine Weile gefallen, dann wurde ihr wohl der Paparazzo zu viel und sie verzog sich gemächlich in eine kleine Felshöhle.

Eine spätere Recherche hat ergeben, dass es wohl eine Europäische Hornotter gewesen ist. Ist zwar die giftigste Schlange Europas, aber das hat uns auch im Nachhinein nicht geschockt. Wir waren alle drei entspannt gewesen, also keine Notwendigkeit das wertvolle Gift an zwei Wanderer zu verschwenden.

Die Sichtung der Schlange gab mir altem Schlangenfan noch mal einen Energieschub, der aber leider nicht lange hielt. Als wir aus dem Wald traten, sahen wir den Gipfel des Porezen vor uns. Was? So weit noch? Ja, ich wusste, dass ich immer noch 300 Höhenmeter rauf musste. Aber das war eine Zahl, die ich langsam Schritt für Schritt abarbeiten konnte. Der Gipfel da vor mir war etwas einschüchternd und sah für mich in der Situation noch sooooo weit weg und hoch aus. Ich ließ die Ohren hängen, was natürlich nicht half, sondern mich noch langsamer machte. (Kein Wunder, wenn man auch noch aufpassen muss, nicht über die eigenen Hängeohren zu stolpern).

Ole redete mir gut zu, düste dann den natürlich super steilen Gipfelhang hoch und kam mir schließlich vom Gipfel ohne seinen Rucksack wieder entgegen, um meinen die letzten Meter hinauf zu tragen. Uff, ich war so dankbar und konnte zum Glück mein Ego auch ganz gut runterschlucken (besser als vorher am Tag).

In der Hütte Koča na Poreznu direkt hinter dem Gipfel wurden wir sehr freundlich empfangen und bekamen ein Zimmer, dass ungefähr viermal so groß war wie das am Vortag und sogar ein Doppelbett hatte! Großes Kino. Etwas gewöhnungsbedürftig war das Waschen an offen einsehbaren Waschbecken, an denen man jedem, der vorbeikam, ungewollte Einblicke lieferte. Zum Glück war nicht viel los.

Zum Essen durfte ich mir eine Portion Nudeln wünschen, die extra für mich gemacht wurde. Das machte glücklich. Und die Portion war so groß, dass ich noch großzügig Ole etwas abgeben konnte, dessen Portion Zlikrofi etwas klein ausgefallen war.

Der Tag endete dann mit nicht ganz einfachen Planungen für die nächsten Tage. Ich hatte Schiss vor der angeblich sehr ausgesetzten Grattour zwischen den Gipfeln Crna Prst und Vogel südlich des Bohinj ees und wollte diese Etappe schlicht verweigern. Dafür wollte ich schon planen, weil es nicht ganz klar war, wie man den Abschnitt am besten umgehen konnte. Ole wollte sich den Grat lieber zunächst mal anschauen und dann entscheiden. Nicht immer einfach.

Tag 10

von Ole

Der Wecker klingelte um 6:30 Uhr. Christoph hatte gesagt, dass man früher los müsste, wenn man der Gewittergefahr begegnen wollte. Recht hatte er, aber das wollte keiner zugeben. Zu früh!

Um 7:00 Uhr gab es Frühstück, zwei Rühreier mit Schinken und Brot, dazu noch je einen Apfel. Gut, dass wir nur die 800 Höhenmeter in den nächsten Ort, Petrovo Brdo, absteigen wollten, um dort einen halben Ruhetag einzulegen. Wir kamen um 08:00 Uhr los, natürlich viel zu früh dafür, dass wir nur absteigen wollten, aber das hatten wir erst spät am Vorabend entschieden, nachdem wir das Frühstück für 7:00 Uhr bestellt hatten. Der Himmel über uns war klar, und schon nach kurzer Zeit entledigten wir uns der Fleecejacken, da es zu warm wurde. Es folgte ein langer, steiler Abstieg durch den typischen slowenischen Buchenwald.

Kurz nach 10:00 Uhr erreichten wir Petrovo Brdo. Das angepeilte Hotel entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als Altersruhesitz. Also kehrten wir zu der kleinen Hütte um, die wir schon gesehen hatten. Sie war geschlossen. Zwei Radfahrer, die gerade Pause machten, sagten uns, dass der Besitzer gleich kommen würde. Wir legten die Rucksäcke ab und setzen uns in den Schatten. Wir mussten nicht lange warten und wurden dann sehr freundlich begrüßt. Wir bekamen schnell eine Traubenschorle und je ein Stück Apfelstrudel. Auf etwas Unverständnis stieß unsere Frage nach einer Unterkunft. Wir könnten doch noch problemlos nach Crnh Prst aufsteigen, das wären doch nur vier Stunden. Er wusste jedenfalls nicht, was für Schlafmöglichkeiten noch frei wären, das wüsste seine Frau, die in einer Stunde käme.

Irgendwie war das unbefriedigend. Ein halber Ruhetag sah anders aus. Wir bekamen dann noch Tipps, dass wir von Crnh Prst sowohl zur Razor Hütte gehen könnten, das wäre immerhin etwas kürzer als direkt von Petrovo Brdo. Razor wäre die Alternative zur Gratwanderung. Alternativ könnten wir auch zum Bohinj See absteigen, quasi zur anderen Seite und dann nach Ukanc weiter. Dort waren wir im November schon einmal gewesen, es hatte uns sehr gut gefallen. Vier Stunden Aufstieg für eine Alternative mehr und im Zweifel einen etwas entspannteren Folgetag, nach Razor wären es von Petrovo Brdo immerhin 30 Kilometer gewesen. Nach einigem Zögern entschieden wir uns für den Aufstieg. Wir füllten unsere Wasserflaschen an der kleinen Quelle, zahlten und ich bekam noch einen Espresso Macchiato aufs Haus. Da Andrea die letzten Tage sehr mit ihrem Rucksack gekämpft hatte, nahm ich die vier Liter Wasser in meinem. Wenn bei Andrea das Wasser alle gewesen war, hatte der Rucksack deutlich besser gesessen. Dafür bekam sie die Kamera, das Tablet und die sonstige Technik. Bevor wir mit vielen guten Wünschen und einer Reservierung für die Hütte im Gepäck losgingen, bestaunten wir noch das Buch des Wanderers (?) der die gesamte Via Alpina mit ihren 160 Etappen in 64 Tagen geschafft hatte und in dem wir schon einige Bilder wieder erkannten. Der Abschied war herzlich, wieder waren es die Menschen, die bei uns einen besonderen Eindruck hinterließen.

Der Aufstieg verlief erst auf steilem Forstweg im Wald, dann auf kleinem Pfad bergauf und schließlich wunderschön am Hang entlang immer mal wieder mit Blicken auf den Porezen und unseren Startpunkt. An einer Weggabelung verstiegen wir uns mal wieder, trafen aber nach kurzem Auf und Ab wieder auf unseren Track. Kurze Zeit später war Andrea nach Blick auf die Karte geschockt, wie viel Weg wir noch vor uns hatten. Wir machten erst einmal eine Pause. Danach ging es steil und nahe an einer Felskante nach oben. Dann luftig an der Kante entlang, bis es endlich wieder in den Wald ging. Dafür ging es jetzt steil an der anderen Seite hinunter. Andrea kämpfte mit dem Abgrund. Wenn der Weg zu schmal wurde, setzte sie die Füße ganz vorsichtig. Ich hatte zum Glück einen Tag erwischt, an dem ich den Abgrund gerade eben sah, er mich aber nicht störte. Im Wald hinab, dann auf engem Pfad in Serpentinen im Wald hinauf. Noch 500 Höhenmeter bis zur Hütte. Wieder zog sich der Weg. Etwas zu spät machten wir am Ende des Waldes eine letzte Pause, Andreas Kopf hatte fertig. Eine längere Querung durch ein Schotterfeld ging ich dann mehrfach, um Andreas Rucksack zu tragen, damit sie sich ganz auf ihre Füße konzentrieren konnte. Das half. Die engen Serpentinen eine steile Rinne hinauf schaffte sie schon deutlich besser. Ich weiß, wie es ist, wenn der Kopf in solchem Gelände aussteigt, ich war stolz auf sie, wie gut sie es trotzdem schaffte. Am Ende der Rinne dann noch einmal eine längere Querung an einem steilen Hang. Dann sahen wir die Crnh Prst Hütte wie auf einem Adlerhorst. Die letzten 15 Minuten schafften wir dann auch noch, kurz vor 17:00 Uhr fielen wir uns an der Hütte in die Arme. Geschafft. Ein bisschen länger als geplant, sechs statt vier Stunden Aufstieg, allerdings mit Pausen und unter erschwerten Bedingungen.

Die Hüttenwirtin konnte uns bei unseren Alternativen für den nächsten Tag nicht wirklich weiter helfen. Unterschiedliche Vorstellungen – ich wollte links runter, Andrea eher rechts – aus unterschiedlichen Gründen führten zu Missverständnissen, die wir nach dem Abendessen – Sauerkraut-Bohnen-Eintopf mit Wurstbeilage – erst einmal ausräumen mussten. Wir merkten, dass die drei Tage mit jeweils 1000 Höhenmetern schon ziemlich an unseren Kräften gezehrt hatten. Zu guter Letzt fanden wir dann auch noch zweieinhalb Zecken, die vor dem Schlafengehen entfernt wurden. Und das Essen in Verbindung mit einem Stehklo ist schon ein wenig unfair.

Tag 11

von Andrea

Ich hatte nachts gegrübelt und wachte morgens entsprechend gerädert und dünnfellig auf. Der Himmel war etwas verhangen, der Boden vor der Hütte war nass. Der Weg am Grat stand damit definitiv nicht zur Debatte. Uff, das war schon mal gut. Als Ole mich fragte, ob ich lieber zur Razor-Hütte gehen oder zum Bohinj See absteigen wollte, konnte ich das erstmal gar nicht beantworten. Ich wusste, dass Ole nicht zum See wollte, das hatte er oft genug gesagt, also was sollte ich antworten?

Ich hörte in mich hinein und fragte mich, was ich tun würde, wenn ich allein unterwegs wäre. Die Antwort war ganz klar, dass ich zum Bohinj See absteigen würde. Dort könnte ich nach 3 bis 4 Stunden sein und in einer Pension mit etwas Komfort einen halben Ruhetag genießen. Die 6 bis 8 Stunden zur Razor-Hütte hätte ich mir höchstens Ole zu liebe angetan. Nachdem ich das ausgesprochen hatte, stimmte Ole zu, zum Bohinj See abzusteigen. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Der erste Teil des Abstiegs war sehr steil und auch wieder mit Querungen an steilen Flanken gespickt. Das gefiel mir noch immer nicht. Aber erstens war es noch früh am Tag und mein Kopf daher – trotz der schlechten Nacht – noch fitter als am Vortag und zweitens war ich extrem motiviert, da runter zu kommen und einen halben Tag auszuspannen.

Nach etwa der Hälfte des Abstiegs gab es noch eine kleine alte Hütte, die wir ansteuerten. Der letzte Abschnitt dorthin war sehr felsig und anspruchsvoll zu gehen und gleichzeitig eingebettet in ein buntes, summendes Blumenmeer wie aus einem Märchen. Faszinierend.

Die kurze Pause auf der Hütte mit Tee und Strudel tat sehr gut, um nach dem anspruchsvollen Weg den „Kopf zu lüften“. Eine sehr nette junge Dänin, mit der wir schon oben auf der Hütte geplaudert hatten, schenkte uns ihre Wanderkarte. Damit hatten wir eine Chance, unten im Tal den kleinen Ort Polje anzusteuern, statt den größeren Ort Bohinjska Bistrica, der weiter vom See entfernt lag als Polje. Der Weg nach Polje war leider auf unseren elektronischen Karten nicht verzeichnet, aber auf der Wanderkarte der Dänin enthalten. Sie meinte, sie brauche die Karte nicht mehr, sie müsse nur noch den Schildern nach Bohinjska Bistrica folgen. Sie bekam ein dickes Dankeschön von uns!

Die zweite Hälfte des Abstiegs war deutlich weniger anspruchsvoll und ziemlich genau um 13:00 Uhr waren wir an der Hauptstraße im Tal. Ich sprang um 13:10 Uhr in den Bus nach Ukanc am Westende des Sees, wo wir während der Pause auf der kleinen alten Hütte noch ein Zimmer in einer Pension hatten buchen können. Ole wollte die etwa 8 km gern laufen. Busfahren ging für ihn irgendwie nicht und er war auch noch deutlich fitter als ich. Von Polje aus war das ok, von Bohinjska Bistrica aus wäre das übel weit gewesen.

Der verwirrte Busfahrer wusste nicht, ob er ein oder zwei Tickets ausstellen sollte, weil Ole mit mir an der Haltestelle gewartet hatte, dann aber weiterging. Ich sagte: „He walks. He is a hero.“ Daraufhin reckten alle Leute in dem ziemlich vollen Bus die Hälse, um den „Hero“ zu sehen.

Die Klimaanlage im Bus war eine Wohltat. Die Sonne brannte, es war heiß, ich war komplett nass geschwitzt, mein Kühlwasser mal wieder kurz vorm Kochen. Tat das gut, nicht mehr zu laufen!

Kurze Zeit später bezog ich ein niedliches kleines Zimmer in Ukanc. Nach der Wäsche einiger Kleidungsstücke und einer Dusche – herrlich – nutzte ich die wunderschöne Sitzecke auf der großen Terrasse hinter dem Haus zum Lesen und Schreiben. Mein Plan war, danach noch einen Mittagsschlaf zu machen und dann langsam noch Ole Ausschau zu halten. Dabei drückte ich ihm die Daumen, dass das Wetter noch halten möge. Schon seit einiger Zeit hingen dunkle Wolken über dem Grat am Berg Vogel und es war Donnergrollen zu hören.

Zu meinem großen Erstaunen trudelte Ole schon um kurz vor 15 Uhr ein. Er hatte ordentlich Tempo gemacht, das Donnergrollen hatte für die entsprechende Motivation gesorgt. Jetzt kochte auch sein Kühlwasser. Und was für ein Timing, nur fünf Minuten nach seiner Ankunft begann es zu regnen.

Wir genossen beide den ruhigen Nachmittag, planten noch ein wenig für die nächsten Tage, riefen auf den nächsten beiden Hütten an, um nach freien Betten zu fragen, spielten eine Partie Tisch-Kicker (die ich schon wieder verlor) und aßen dann abends in einem Restaurant um die Ecke Salat, Steak und Lasagne.

Eigentlich wollte ich dann im Bett noch gemütlich lesen, aber Ole meinte, ich hätte gegen 20:30 Uhr tief und fest geschlafen. Gewundert hat’s mich nicht.

Kirche in Idrija

Die Bank im Aufstieg hinter Idrija vor dem großen Regen

Wie schnell wir ein Zimmer ins Chaos verwandeln können

Entspannte Rehe

Toller Weitblick in der Mittagspause von Tag 2

Entspannter Fuchs

Lieblich wie im Allgäu

Platt in der Bar am Partisanenlazarett in Franja

Entspannte Begegnung mit einer Hornotter

Ups – noch 300 Höhenmeter Aufstieg zum Porezen

Schlussanstieg auf den Porezen

Yoga/Dehnen auf dem Balkon der Hütte am Porezen

Abendstimmung am Porezen

Abendstimmung am Porezen

Ankunft in Petrovo Brdo

Coole Quelle in Petrovo Brdo

Seine Majestät, der Triglav

Doofe Querung vor Crnh Prst

Ankunft in Crnh Prst

Der Abstieg nach rechts zum Bohinj See war nicht ohne

In dem Bus saß Andrea – ein halber Ruhetag und eine schnelle Tour um den See

Der Bohinj See und das Gewitter am Grat

Eine Oase in Ukanc

Ein Gedanke zu “13. Von Idrija nach Ukanc

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