14. von Ukanc nach Trenta

Fakten

  • 2 Wandertage
  • 33 Kilometer
  • Etwa 1.650 Höhenmeter Aufstieg und 1.750 Höhenmeter Abstieg

Tag 12

von Ole

Rechts runter war richtig gewesen. Was für ein Frühstück in der Pension Hiisa in Ukanc. Müsli mit Joghurt und Blaubeeren, Spiegelei, Wurst, Käse, Pfannkuchen, Fruchtsäfte, Tee, Espresso. Dadurch kamen wir nicht wie üblich 60 Minuten nach Beginn des Frühstücks los, sondern 75 Minuten, um 8:45 Uhr. Aber wir hatten auch nur eine Halbtagestour zur Hütte Dom na Komni vor uns, zurück auf die Via Alpina, knapp 1000 Höhenmeter Aufstieg. Wir verabschiedeten uns von Vanja und Blaz, deren Oase wir sehr genossen hatten.

Die tiefhängenden Wolken, die wir am Vortag noch von oben bewundert hatten, lösten sich leider in der Morgensonne bald auf. Schnell wurde es warm. Da unsere leichten Sonnenschutz-Shirts nach der Wäsche noch nicht ganz trocken waren, waren wir in unseren Merino-Shirts gestartet. Das korrigierten wir schnell, als wir den Parkplatz des Savica Wasserfalls erreichten. Die noch leicht nassen Shirts kühlten angenehm auf der Haut.

Dann begann der Aufstieg aus dem Talkessel hinaus. Von unten waren die Wände des Tals echt beeindruckend, sogar etwas beängstigend steil. Da sollten wir rauf? Der Weg war dann super angenehm zu gehen, mit relativ konstanter Steigung zog er sich in 49 Haarnadelkurven in die Höhe. Sehr lange durch Buchenwald, erst gegen Ende änderte sich die Vegetation. Zwischendurch gab es tolle Ausblicke auf den Bohinj See. Als wir aus dem Talkessel hinaus waren, wurde es sogar für einen kurzen Moment etwas kühler. Spannend, wie Relief und Vegetation für so große Unterschiede in der Tempertur sorgen können.

Ein paar Höhenmeter weiter zischte es plötzlich, als ich gerade meinen Stock setzen wollte. Eine kleine Schlange, vermutlich eine Kreuzotter, fühlte sich gestört. Diesmal waren die Schlange und ich etwas weniger entspannt, dafür begegneten wir uns zu unerwartet, es blieb aber ein tolles Erlebnis.

Die letzten Meter zur Hütte waren dann noch einmal steil, um 12:15 Uhr hatten wir es geschafft. Pausen und Schlangenfotos abgezogen sogar in der sportlichen slowenischen Zeit von 3:15 Stunden, die in Ukanc angeschrieben gewesen war.

Wir checkten ein, bekamen sogar ein (winziges) Zweibettzimmer. Hier passten noch zwei Betten rein, aber nur übereinander, wie die beiden, die schon drin waren. Doch zuerst gab es Mittagessen, Gerstensuppe und Buchweizengrütze mit Grieben und Sauerrahm. Letzteres bei Sonnenschein und Wärme auf der Terrasse die bessere Wahl. Ein klassisches Bergbauernessen vermuteten wir. Wir genossen dann noch einen Moment den Blick auf die Berge um uns herum, bevor wir um 13:30 Uhr ins Zimmer konnten und den wenigen Platz optimal ausnutzten.

Es folgten der am Vortag noch ausgefallene Mittagsschlaf und eine Yoga-Dehnen-Schulter Session auf der Wiese vor der Hütte …. vermutlich sehr zur Belustigung der Wanderer auf der Terrasse, aber auf slowenisch haben wir deren Kommentare nicht verstanden. Wir genossen es sehr, auch wenn Füße und Waden immer noch nicht verstehen, wie dieser harte Blackroll Ball ins Gepäck gekommen ist.

Nach dem Abendessen – mangels interessanter Alternativen noch einmal Buchweizengrütze, diesmal mit Pilz- bzw. klarer Nudelsuppe – gingen wir in unser kleines Reich zum Schreiben und Lesen. Am nächsten Tag sollte es früh losgehen, die Gewittergefahr nahm zwar weiterhin ab, aber die ersten Stunden sind die am wenigsten warmen.

Tag 13

von Andrea

Ein Wecker um 6:00 Uhr ist echt ok, wenn man abends schon vor 21:00 Uhr ratzt. Uns anziehen und die Rucksäcke packen mussten wir in dem Zimmer in zwei Schichten, es war für zwei wühlende Personen gleichzeitig viel zu klein. Um 6:30 Uhr ging es zum Frühstück. Dort gab es für Ole Rührei, Brot und Marmelade, für mich Müsli mit Milch. Ich war glücklich über das Müsli, weil das weiße papsige Brot echt nix für mich ist, nur hatte ich dabei leider vergessen, dass meine Verdauung Milch nicht so dolle findet – ich hatte somit den ganzen Tag ein schönes Andenken ans Frühstück.

Wir stiefelten um 7:20 Uhr unter blauem Himmel los. Das war neuer Rekord, was die Startzeit betrifft! Auf unserer Tour durch Norwegen hatten wir meistens so ab etwa 8:00 Uhr mal darüber nachgedacht, den Schlafsack zu verlassen – das aber bei anderen Temperaturen. Jetzt, auf dem Weg zur Hütte Triglavskih Jezerih, freuten wir uns auch so früh am Morgen schon über jedes Stück des Weges im Schatten. Lag mal eine der Karst-Mulden, die wir durchquerten, bereits in der Sonne, war es, als würden wir gegen eine Wand aus Wärme prallen.

Nach 3 Stunden mehr oder weniger gemütlichem Auf und Ab erreichten wir die Hütte Triglavskih Jezerih am unteren Ende des Tals der sieben (Triglav-) Seen. Die kleine Hütte an dem leuchtenden See zwischen den hohen schroffen Felswänden war wieder ein fast unwirklicher Anblick. Und doch völlig anders als im Jahr zuvor im November, als wir das ganz allein genossen hatten. Jetzt wimmelte es hier von Menschen. Kann man den Menschen nicht verdenken, es war ein wunderschöner Fleck Erde. Uns schreckte des Gewusel trotzdem ab. Nach einer kurzen Rast mit Tee, Strudel und einigen Brotresten aus unserem Futterbeutel traten wir die Flucht das Tal hinauf an.

Auch hier war auf dem Weg noch eine Menge los (im November im Jahr zuvor hatten wir in 8 Stunden keinen einzigen Menschen getroffen), aber auch nicht mehr als an einem beliebigen Samstag bei schönem Wetter in den Bayerischen Voralpen. Der Weg war felsig und rau, wir mussten uns sehr auf unsere Füße konzentrieren. Gleichzeitig gehen und die Berge um uns herum bestaunen war ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn wir mal stehen blieben und dann staunen durften, wurden wir für den rauen Weg aber mehr als entschädigt.

Wir hatten den Felsen auf der Anhöhe vor uns für unsere nächste Pause schon im Blick, als wir auf zwei junge Männer trafen, die auf deutsch fragten, ob wir eine elastische Binde oder Tape dabei hätten. Wir hatten beides und gaben es ihnen. Wir hatten nur die Bitte, nicht alles davon zu verbrauchen, sondern uns von beidem etwas übrig zu lassen. Einer von beiden war umgeknickt und konnte zwar noch laufen, fühlte sich aber nicht mehr sicher und stabil. Das Umknicken war in dem Gelände nicht weiter erstaunlich. Und mit einem schmerzenden Knöchel mit viel Gepäck – die beiden hatten deutlich größere Rucksäcke als wir – in dem anspruchsvollen Gelände weiterzugehen, war sicher kein Vergnügen.

Nach der „ersten Hilfe“ machten wir eine kurze Pause an dem angepeilten Felsen mit Blick auf den See, an dem im Vorjahr im November wehmütig umgekehrt waren, weil wir noch bei Tageslicht zu unserem Auto zurück gewollt hatten (was wir ganz knapp nicht geschafft hatten). Dann ging es weiter das felsige, schroffe Tal hinauf, ab jetzt war es für uns Neuland. Es blieb beeindruckend.

Der Weg zu unserem Tagesziel zog sich dann natürlich noch. Ist irgendwie immer so. Man glaubt, dass man gleich da ist, und dann geht es noch mal wieder ein Stück runter, wird der Weg noch mal rauer, hat der Weg wieder rauf bösartig hohe Stufen. Aber schließlich konnten wir vor der Hütte Zasavska koca na Prehodavcih unsere Rucksäcke ablegen.

Wir waren von der Via Alpina abgewichen, die uns eigentlich zur Hütte Koca na Dolicu geführt hätte. Der nette Schweizer Christoph hatte uns vor einigen Tagen gewarnt, dass die Koca na Dolicu die klassische Hütte für den Aufstieg zum Triglav und daher chronisch überfüllt sei. Daher hatten wir eine andere Hütte ganz in der Nähe angesteuert. Das rettete uns aber auch nicht. Schon am Telefon zwei Tage zuvor hatten wir erfahren, dass es kein freies Bett gab und wir im Speiseraum schlafen müssten. Das hatte uns zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu sehr geschockt. Als wir die winzige, alte Hütte und den kleinen Speiseraum nun sahen, in dem laut Aussage des Wirtes wohl an die 10 Personen schlafen würden (zusätzlich zu etwa 30 Personen im Matratzenlager), waren wir nicht wirklich begeistert. Gut, es war Hauptsaison, es war Samstag, es war gutes Wetter, wir waren an DEM Berg Sloweniens. Da mussten wir uns nicht wundern.

Was tun? Es war 14 Uhr. Ab 22 Uhr würden die Schlafplätze im Speiseraum hergerichtet. Bis dahin draußen vor der Hütte auf den Bänken hocken? Dann eine unruhige Nacht, in der jeder, der zu Toilette musste (ein einziges Plumpsklo draußen vor der Hütte), durch den Speiseraum musste? Und am nächsten Morgen Vorbereitung des Frühstücks ab etwa 5 Uhr? Oder doch noch 1.400 Höhenmeter in den kleinen Ort Trenta absteigen? Eigentlich völlig gaga. Aber in der Situation dachten wir tatsächlich darüber nach. Wenn Ole das einige Tage vorher vorgeschlagen hätte, hätte er einen so bekloppten Vorschlag vermutlich nur knapp überlebt.

Der Hüttenwirt gab die Auskunft, dass der Weg nach Trenta runter ein alter Maultierpfad und vergleichsweise einfach zu gehen war. Eine Stunde sowie ein Radler und eine Portion Pfannkuchen mit Schokolade später schulterten wir wieder die Rucksäcke. Wir machten uns auf ein ziemliches Gemetzel für unsere Oberschenkel, Knie und Füße gefasst, aber die Aussicht auf ein eigenes Bett war es uns wert.

Der Weg war genial angelegt und tatsächlich recht einfach zu gehen. Aber auch hier gab es raue, felsige Abschnitte, auf denen wir unsere volle Konzentration brauchten. Also machten wir regelmäßig Pausen für den Kopf sowie für Beine, Knie und Füße.

Zum Glück blieb das Wetter stabil. Die Wolken sahen überwiegend harmlos aus. Es blieb warm und wurde auf dem Weg runter mit jedem Meter wärmer. Im Tal fühlten wir uns wie in einem Dampfbad.

Als wir wieder Handynetz hatten, ergatterten wir noch zwei Betten in einer Unterkunft. Zwar in einem Schlafsaal (oder genauer auf einem Heuboden), aber immerhin eigene Betten. Bei unserer Ankunft gegen 18:30 Uhr dann die positive Überraschung, dass wir allein im kleinen, alten Haus eines Nachbarn untergebracht wurden. Wunderbar. Zwar waren die Spinnen in dem altem Haus voller Holzbalken und dunkler Ecken für meinen Geschmack deutlich zu zahlreich und vor allem zu groß, aber im Vergleich zu einer Matratze im überfüllten Speisesaal einer Hütte war es ein Traum. Es gab sogar eine Toilette und eine Dusche für uns ganz allein!

Und etwa zu essen bekamen wir auch noch. Als wir gegen 19:00 Uhr beim Essen saßen, konnte ich es gar nicht glauben. War ich nicht eben noch in einer ganz anderen Welt gewesen? Fühlte sich so ein Filmriss an?

Geschlafen habe ich dann zwar schlecht, weil meine Oberschenkel, Knie und Füße schmerzhaft pochten (und zwar jeder Zeh einzeln!), weil ein Insektenstich an meinem Arm Ärger machte, weil eine Mücke sirrte und weil ich die Spinnen nicht aus meinem Kopf bekam (hätten sich ja wenigstens mals um die Mücke kümmern können), aber ich war trotzdem zufrieden, weil mir sehr bewusst war, was die Alternative gewesen wäre.

Tag 14 – Ruhetag

  • Wecker auf 8:00 Uhr gestellt und um 6:20 Uhr wach gewesen … super
  • Leckeres Frühstück mit Müsli und selbst gebackenen Brötchen
  • Geblogged und dabei mit der schlechten Internetverbindung gekämpft
  • Wäsche gewaschen, vor allem Stinkesocken
  • Kurzer Mittagsschlaf
  • Im Restaurant an der Hauptstraße Salat gegessen
  • Füße in kaltes Wasser der Soca getaucht
  • Die nächsten beiden Tage geplant
  • Weiter geblogged
  • Am Abend vermutlich noch Essen im selben Restaurant wie zum Mittag – wenn bis dahin der Wolkenbruch nachlässt, der draußen gerade niedergeht

Blick zurück auf den Bohinj See

Diesmal waren wir etwas weniger entspannt

Gemütliches Mittagessen auf der Dom na Komni Hütte

Die verspielte Katze wollte uns am Aufbruch hindern

Der erste der sieben Seen – nicht nur im November schön

Was für ein Platz für eine Hütte

Der rote Weg. Wir sind beim weißen Quadrat. Erst oder schon?

Hierfür brauchen wir die Grödel noch nicht

Kein Wunder, dass das Tal der sieben Seen so beliebt ist

Oder?

Der letzte See, im Schatten seiner Majestät, des Triglavs

Ein Maultierpfad nach unten, toll angelegt und relativ einfach zu gehen

Mit konstantem Gefälle

Ein Gedanke zu “14. von Ukanc nach Trenta

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