17. von Nassfeld zum Plöckenpass

Fakten

  • 3 Wandertage
  • ca. 42 Kilometer
  • ca. 2.200 Höhenmeter Aufstieg
  • ca. 2.500 Höhenmeter Abstieg
  • viele Murmeltiere
  • Wetterumschwung

Tag 20

von Andrea

Unsere Hotelwirtin in Nassfeld war zwar nicht die herzlichste Person, aber sie wurde von uns trotzdem gefeiert. Nachdem sie uns am Vortag angeboten hatten, unsere müffelnden Klamotten in der Waschmaschine des Hotels zu waschen, stand sie nun für uns extra früher auf, so dass wir um 6:30 Uhr frühstücken konnten statt erst ab 7:45 Uhr. Wir waren ihr sehr dankbar! Bei Gewittergefahr ab mittags und 6 Stunden Gehzeit bis zur Straniger Alm wollten wir so früh wie möglich aufbrechen.

Ole war angesichts der Wettervorhersage an diesem Tag sehr unruhig. Da zeigte sich mal wieder, dass wir uns meistens gut ergänzten, denn ich war völlig entspannt. Für meine Entspannung konnte ich Ole keine nachvollziehbar Begründung liefern – die Kandidatin für Unruhe und Sorgen war eigentlich eher ich – außer an diesem Tag.

Wir stiefelten um 7:15 Uhr bei leichter Bewölkung und frischem Wind los. Anfangs war der Weg unklar ausgeschildert und in so einem Feriengebiet gab es zu viele Wege, als dass immer offensichtlich gewesen wäre, wo wir entlanggehen mussten. Das machte Ole noch etwas unruhiger. Verständlich – an einem solchen Tag mit dem Suchen des Weges Zeit zu verlieren, war blöd.

Dafür ging es immerhin flott bergauf, denn auch wenn mittlerweile die Sonne schien, blieb es deutlich kühler als die letzten Tage. Es tat gut, mal nicht gegrillt zu werden. Und als wir oben unweit der Station der Madritschen-Bahn wieder auf die Ausschilderung unseres Weges stießen, ließ auch die Unruhe nach.

Es ging ein Stück runter und dann erneut rauf zum Rudnigsattel. Das Steigen war ein Genuss. Der Steig war interessant, der frische Wind sorgte für Abkühlung und die Landschaft zog uns immer mehr in ihren Bann. Am Rudnigsattel grinsten wir beide breit. Der an einigen wenigen Stellen leicht ausgesetzte Weg störte mich gar nicht, ich nahm die ausgesetzten Stellen kaum wahr. Irgendwas war an dem Tag bei mir anders. Ich war sehr zufrieden und hatte Hoffnung, meine Angst vor ausgesetzten Passagen irgendwann (wieder) ablegen zu können.

Vom Sattel aus ging es in die lange Querung des Schuttkars unterhalb des Trogkofels. Ein Koloss aus Kalk – ein uraltes, empor gehobenes Korallenriff – der steil über uns aufragte. Wir konnten kaum fassen, wie genial dieser Weg in dem eigentlich schwierigen Gelände angelegt war und wie alpin unsere Umgebung wirkte (auf nur gut 2.000 Meter Höhe). Zwei breite Grinsen wandelten also diesen Weg entlang, der für unseren Geschmack viel zu schnell zu Ende ging.

Dabei beobachteten wir aufmerksam die Bildung der Wolken. Einige Gipfel hatten ihre Nachtmütze aus Wolken gar nicht erst abgelegt, andere setzten gerade neue Mützen auf. Die meisten dieser Mützen waren noch weiß bis maximal hellgrau. Der größte Teil des Himmels war noch klar. Da ließen wir den „Notabstieg“ über den Sentiero dell‘ Amicizia am Ende des Schuttkars, den wir uns am Vortag als alternativen, tiefer gelegenen Weg zur Straniger Alm ausgeguckt hatten, links liegen und folgten weiter der höher gelegenen Via Alpina (hier der Karnische Höhenweg).

Nach der Querung des Schuttkars ging es steil zunächst etwa 100 Höhenmeter runter. Bei einer Pause, die wir nach einem Teil dieses Abstiegs machten, war die Straniger Alm mit immer noch 3 Stunden Gehzeit ausgeschildert. Damit würden wir dort erst um 14:30 Uhr ankommen und das auch nur, wenn wir keine weiteren Pausen machten. Das erschien uns noch sehr lang. Eigentlich waren wir an dem Tag bis dahin besonders fixs unterwegs gewesen. Konnte es noch so lange dauern? Die Pause fiel entsprechend kurz aus. Die Wolken wurden mehr und dunkler und trieben uns weiter.

Kurz nach unserer Pause vertrat Ole sich in dem steinigen, steilen Gelände den linken Knöchel. Er konnte weitergehen, er meinte, es sei nicht sonderlich schmerzhaft, aber er fühle sich etwas unsicher und wolle lieber langsamer gehen. Das machte uns nun beide etwas unruhig. Aber damit muss man immer rechnen und dann möglichts die Ruhe bewahren statt sie zu verlieren.

Nach dem ersten Abstieg ging es noch mal ein Stück wieder rauf, dann zog sich der Weg noch recht lang auf gleicher Höher am Hang entlang, bevor endlich der eigentliche Abstieg begann. Für mich war es „endlich“, weil sich in nur etwa eineinhalb Stunden das Wetter deutlich verschlechtert hatte. Die Mützen der Berge waren nun dunkelgrau, der Trogkofel war in Nebel gehüllt, größere Teile des Himmels zogen mit Wolken zu. Es stand zwar noch nicht unmittelbar ein Gewitter bevor, aber bei der deutlichen Verschlechterung des Wetters endlich im Abstieg zu sein, war ein gutes Gefühl.

Ole ging nun vor, damir er – je nach Gelände – sein Tempo gehen konnte. Die Entwicklung des Wetters sorgte für die entsprechende Motivation. Und angesichts Oles hohen Tempos mit dem leicht beleidigten Knöchel wollte ich lieber nicht wissen, wie das Tempo sonst ausgesehen hätte. Ich hätte wohl Schwierigkeiten gehabt, hinterher zu kommen.

Der Weg war leicht zu finden und größtenteils auch leicht zu gehen. Wir schlossen mit uns selbst Wetten ab, ob wir trocken ankommen würden. Und wir schafften es. Schon um 13:30 Uhr erreichten wir die Straniger Alm (und hatten uns damit von dem einen Schild mit der noch langen Gehzeit unnötig erschrecken lassen).

Wir wurden sehr freundlich empfangen. Und wir bekamen ein Doppelzimmer! Nur 5 Minuten, nachdem ich am Tag zuvor am Telefon erfahren hatte, dass es nur im Lager noch wenige freie Betten gäbe, hatten zwei Damen entschieden, einen Tag früher abzureisen. Wir bezogen nun – erneut breit grinsend – ein sehr gemütliches, rechts großes Zimmer. „The trail provides.“

Wir sprangen sehr kurz unter die (Gemeinschafts-) Dusche. Wir wollten wegen des akuten Wassermangels auf der Alm eigentlich verzichten, aber die junge Frau, die uns so herzlich empfangen hatte, meinte, das sein schon in Ordnung, wenn wir sehr kurz duschten. (Als am nächsten Morgen zeitweilig gar kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kam, war ich nicht mehr so sicher, ob duschen wirklich in Ordnung war.)

Bei einem kleinen Mittagessen durften wir etwas fassungslos beobachten, in welchem Ausmaß sich zumindest einige wenige Menschen nicht benehmen konnten. Eine Gruppe sehr lauter älterer Männer sorgte für Zwangs-Beschallung aller anderen Gäste und eine ältere zickige Frau beleidigte die beiden jungen, sehr netten Bedienungen, weil sie mit der Rechnung nicht einverstanden war. Waren etwas bizzare Szenen an einem sonst so ruhigen und etwas abgeschiedenen Ort.

Beim Mittagessen lasen wir in dem Wanderführer über den Karnischen Höhenweg, den uns das Hamburger Pärchen geschenkt hatte, die Beschreibung der nächsten Etappen. Die übernächste Etappe sollte in zwei Abschnitten recht ausgesetzt sein. Da passte dann die Rollenverteilung zwischen Ole und mir wieder. Ich wurde unruhig und machte mir schonmal Sorgen, Ole war entspannt.

Wir hatten schon wieder ein halben Ruhetag – juhuuuu – und feierten dies mit einem ausgiebigen Mittagsschlaf in unserem gemütlichen Zimmer. Danach konnten wir uns sogar noch zu Schultertraining motivieren. Und dann war auch schon wieder Zeit für Abendessen. Was für ein Leben! Wir aßen lecker, versuchten der Unterhaltung der Almhelfer am Nachbartisch zu lauschen (was teilweise am Dialekt scheiterte) und schauten verträumt in die Landschaft. Uns ging es gut!

An einem anderen Tisch saßen drei Italiener, die sich in einem Dialekt unterhielten, den wir gar nicht mehr verstanden. War das Windisch? Die Via Alpina verbindet auch Gebiete verschiedener und zum Teil aussterbender Sprachen.

Einen Teil der Nacht schlug ich mir dann leider mit der erfolglosen Jagd nach einer Mücke um die Ohren. Die Mücke hatte hingegen Erfolg und ließ sich mein Blut schmecken. War im Vergleich zu Norwegen zwar irgendwie lächerlich, kostete mich aber trotzdem mehr Nerven, als mir lieb war. (Da bei mir Mückenstiche manchmal echt ausarten, bin ich da leider wenig entspannt.)

Übrigens kamen Donnergrollen und Regen erst am Abend. Aber das konnte man nie Wissen. Gewitter sind die Lawinen des Sommers. Die Gefahr ist nahezu unmöglich lokal verlässlich vorherzusagen, die Einschätzung ist selbst in der Situation vor Ort noch schwierig, es passiert nur selten tatsächlich etwas, aber wenn doch, geht es meistens nicht harmlos aus.

Tag 21

von Ole

Die Nacht war dank mindestens einer Mücke im Zimmer für Andrea leider ziemlich unruhig. Ich bin irgendwann eingeschlafen und habe nicht mehr viel davon mitbekommen. Bei mir bleiben die meisten Stiche einfach friedlich, das macht es deutlich einfacher.

Frühstück gab es um 7:00 Uhr. Dank einer Familie, die in Gegenrichtung unterwegs war, erfuhren wir noch, dass die Alternative Route zur schwarzen Grattour zwischen Hochweißsteinhaus und Porzehütte in ein paar Tagen doch begehbar sei, nachdem wir vor ein paar Tagen die Information bekommen hatten, dass der eine Teil wegen Sturmschäden gesperrt sei. Aber einen Schritt nach dem anderen. Beim Zähneputzen merkten wir den Wassermangel plötzlich hautnah, da kein Wasser mehr aus der Leitung kam.

Während wir zahlten, fing es an zu regnen. Die Wettervorhersage passte. Dringend benötigtes Wasser für die Almen, uns störte es erst einmal wenig. Wir zogen die Regensachen an, entschieden uns gegen den steileren Aufstieg und für die längere Almstraße. Wir hatten eh einen kleinen Umweg eingeplant, da an der Ahornacheralm der erste Almkäse des Jahres feierlich angeschnitten werden sollte. Das wollten wir uns anschauen.

In gemütlichem Trott ging es bergauf, immer wieder freundlich begrüßt von vielen Autofahrern, die anscheinend ebenfalls alle zum Käseanschnitt wolten. Einigen konnten wir sogar die Weidetore kurz aufhalten, die die einzelnen Weidegebiete voneinander trennten; diese Autofahrer waren dann besonders freundlich. Für uns zog sich die Straße lange hoch und dann lange wieder runter. Gegen 10:00 Uhr waren wir dann rechtzeitig zu den Reden der Ehrengäste auf der Alm, nur die Andacht mit der Segnung des Käses hatten wir verpasst.

Es hatte sich so richtig eingeregnet. Wir standen in unseren Regensachen unter einem Sonnenschirm, der ab und zu Tropfen durchließ. Nach diversen Reden, in denen wir einiges über die Leistungen und Schwierigkeiten der Almbauern und ihrer Mitarbeiter erfuhren, wurde gegen 11:00 Uhr endlich das große Käserad angeschnitten und verkostet. Mindestens 7 Wochen muss der Gailtaler Almkäse reifen, jetzt war also der erste fällig. Lecker war er. Danach teilten wir uns noch ein Frigga-Pfandl und ein kleines Radler, bevor uns zu kalt wurde und wir wieder aufbrachen.

Wir schulterten die Rucksäcke und fanden den Steig hinauf zur Ochsenalm. Nach wenigen Metern bescherte er uns das nächste schöne Erlebnis des Tages, drei Alpensalamander. Es war das richtige Wetter für sie.

Der Steig ließ sich zum Glück auch bei nassem Wetter ziemlich gut gehen. Als wir die Forststraße nach knapp 200 Höhenmetern Aufstieg wieder erreichten, gingen wir zuerst ein kurzes Stück in die falsche Richtung. Auf der Karte war diese Kurve der Straße nicht drauf. Dank GPS-Punkt auf Andreas Handy merkten wir dass aber schnell.

Wir folgten der Forststraße dann in die andere Richtung und nach weiteren 35 Minuten im Regen erreichten wir die Zollnerseehütte. Die Hoffnung auf einen guten Trockenraum ging auf, die Begrüßung fiel leider ziemlich unfreundlich aus. Hatten wir so nicht erwartet. Schade. Die Hütte war schön renoviert und wir bekamen zwei Betten in einem Sechsbettzimmer (mit drei Stockbetten). Da wir nicht zwei Betten übereinander belegten, sondern zwei untere Betten nebeneiander auswählten, fingen wir uns erneut einen knurrigen Kommentar ein. Besser wurde es erst, als wir in der Gaststube saßen und Tee, Holler und Apfelstrudel bestellten.

Wir nutzten die Ruhe und schrieben Reisebericht, tauschten uns mit Wanderern aus, die in Gegenrichtung unterwegs waren, und lasen ein wenig. Wir unterhielten uns mit zwei Französinnen, die wir am Vortag schon gesehen hatten und die auch auf der Via Alpina unterwegs waren. Auch sie waren ob der Wetterlage unsicher, wie es weiter gehen würde. Draußen regnete es immer noch.

Zum Abendessen gab es Gerstensuppe und Schweinebraten mit Knödel und Sauerkraut. Beim Bezahlen hatten wir dann noch ein sehr nettes Gespräch mit Maria, der Hüttenwirtin, die sogar noch auf der Valentinalm anrief und für die folgende Nacht ein Zimmer für uns reservierte. Auch hier bekamen wir einiges von Freud und Leid der Hüttenwirte mit. Doch das wird mal ein separater Beitrag.

Tag 22

von Andrea

In der Nacht wieder Mücken und alle bei mir. Dabei waren wir zu viert in dem Mehrbettzimmer. Aber Männer riechen und schmecken wohl nicht so gut. Zum Glück war es ziemlich kalt im Zimmer, also habe ich nur das Gesicht mit Mückengift eingeschmiert und alles andere gut im Schlafsack verstaut. So habe ich gut geschlafen und hatte am nächsten Tag keine zusätzlichen Mückenstiche.

Das Frühstück war köstlich. Von dem gerösteten Müsli mit frischem Obstsalat (Luxus auf einer Hütte!) und Joghurt habe ich gleich zwei große Schälchen verputzt (Ole sagt, er habe das später auch an meiner Energie gemerkt). Der Abschied von der Zollnerseehütte fiel trotzdem leicht. Auch wenn die Hüttenwirte nach der unfreundlichen Begrüßung am Vortag noch etwas „aufgetaut“ waren, fiel es schwer, uns auf der Hütte willkommen zu fühlen.

Doof war allerdings das Wetter. Es war nicht nur – skandalös den Wetterbericht missachtend – der Himmel grau, sondern es regnete auch. Grmpf. Bei Nässe sollte der recht lange, anspruchsvolle und zum Teil ausgesetzte Weg zur Valentinalm laut dem Wanderführer, den wir abgestaubt hatten, „heikel“ sein. Also besser runter ins Tal und von dort zur Valentinalm wieder rauf, vielleicht das „wieder rauf“ sogar mit dem Taxi.

Diese Variante löste allerdings bei Ole massiv schlechte Laune aus. Ihn nervte das ständige Umplanen und Suchen nach Alternativen auf der Via Alpina. Hier in den Alpen waren es nicht wie in Norwegen die Flüsse, die bei Hochwasser schwierig zu überqueren waren, sondern die Bergwege selbst, die bei Nässe eben „heikel“ werden konnten. Ole meinte, wir könnten doch dann gleich auf der Autobahn laufen statt auf der Via Alpina, das würden wir wenigstens schaffen. Ich war einigermaßen verblüfft, weil Ole sonst nur sehr selten zu schlechter Laune und destruktiven Aussagen neigt, das ist eher meine Rolle. Das klang ganz eindeutig nach „mal in den Arm nehmen“. (Ole sagt, das hat voll geholfen.)

Bis zu dem Abzweiger, an dem wir uns entscheiden mussten, ob wir der Via Alpina folgen oder runter ins Tal gehen wollten, hatte der Regen aufgehört und der Himmel sah deutlich freundlicher aus als beim Aufbruch nur eine dreiviertel Stunde zuvor. Nass war der Untergrund natürlich noch immer. Und etwas Schiss hatten wir vor der Etappe auf der Via Alpina beide, wenn auch ich vermutlich deutlich mehr als Ole.

Die Etappe sollte längere Zeit auf schmalen Pfaden an steilen Grashängen verlaufen und das war gar nicht mein Gelände. Zu bewusst war mir, dass ich nach einem Stolperer auch auf einem steilen Grashang keinen Halt mehr finden würde (dazu braucht es keinen senkrechten Felsabbruch). Die Lösung ist natürlich einfach: nicht stolpern. Ist auf kurzen, ausgesetzten Passagen auch nicht schwierig, sich daran zu halten. Aber einen solchen Fokus über längere Zeit aufrecht zu erhalten, frisst sehr viel Energie. Entsprechend war ich unsicher, ob ich das schaffen würde. Aber wenn wir bei schönstem Bergwetter ins Tals abstiegen, würden wir uns ärgern. Grmpf. Nicht einfach. Wir beschlossen gemeinsam, der Via Alpina zu folgen.

Nach einem leichten Stück auf einer Forststraße und einem nervigen Matsch-Kuhfladen-Parcour standen wir dann schneller als mir lieb war auf einem der besagten schmalen Pfade in einem steilen Grashang. Es war Konzentration gefragt. Und die Fähigkeit, möglichst gar nicht wahrzunehmen, dass es rechts neben mir „auf Augenhöhe“ keine Welt gab, sondern nur Leere. Eine kurze aber besonders ausgesetzte Passage kostete besonders viel Nerven. Hier war der Weg wohl abgerutscht. Ole rettete mich und trug erst seinen und dann meinen Rucksack hinüber. Uff. Auf solche Passagen konnten wir beide gut verzichten. (Meine Hoffnung, dass ich meine Angst vor solchen Passagen irgendwann wieder würde ablegen können, schwand etwas.)

Der schmale Pfad im steilen Hang zog sich über etwa eineinhalb Stunden hin und irgendwann konnte ich die Leere rechts neben mir nicht mehr ausblenden. Ich wurde immer langsamer und meine Anspannung verbrauchte viel meiner Energie. Endlich hatte der Weg am Hang ein Ende, dafür ging es nun super steil rauf. Wir brauchten eine Pause! War auf dem schmalen Weg nicht möglich gewesen und auch in dem steilen Aufstieg nicht schön, musste aber sein. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon über 3,5 Stunden unterwegs.

Oben am Pass öffnete sich der Blick in eine neue Bergwelt. Genial. Sowohl der Blick nach vorn als auch der Blick zurück war ein Traum!

Dabei zeigte der Blick nach vorn allerdings auch, dass die Geschichte mit dem schmalen Pfad und dem steilen Hang noch nicht zu Ende war. Ein Teil des Abstiegs über grasige Felsen war besonders steil und anstrengend. Aber vor allem war es wieder die lange Zeit, die der Weg im steilen Hang sehr schmal war und hier zum Teil auch von Gras überwuchert, die an den Nerven nagte.

Die gesamte Etappe war als „rot“ eingestuft, also als „mittel“ schwierig. Und tatsächlich war keine Stelle auf dieser Etappe für sich genommen besonders schwierig oder gar unmöglich zu bewältigen. Jede schwierige Stelle war aus unserer Sicht tatsächlich nur „rot“. Aber es waren halt viele schwierige Stellen (auch bei Trockenheit) und das eingebettet in eine Etappe, die auch auf normalen Abschnitte in steilen Hängen keine Stolperer erlaubte und daher eine hohe Konzentration erforderte. Ich hätte die Etappe in Summe daher eher als „schwarz“ bewertet, aber das ist natürlich subjektiv.

Am Ende war ich stolz auf mich, dass ich es immer wieder geschafft hatte, die Panik, die sich manchmal angeschlichen hatte, als ich immer müder wurde, auf Abstand zu halten. Ich konnte bis zum Ende der Tour, für die wir inklusive Pausen fast 9 Stunden brauchten, jeden Schritt ruhig und kontrolliert setzen. Aber ich war am Ende körperlich und mental völlig fertig.

Ole ging es zum Glück besser. Keine Ahnung, was er geraucht hat, um seine Höhenangst loszuwerden. Ich will auch was davon! Auch er fand viele Stellen doof und war am Ende der Etappe ziemlich platt, aber es ging ihm besser als mir und so konnte er gut auf mich aufpassen.

Landschaftlich war die Etappe wunderschön und wir waren beide dankbar, dass wir das hatten sehen dürfen. Wenn wir allerdings gewusst hätten, wie hart die Etappe ist, wären wir wohl eher ins Tal abgestiegen. Aber „zum Glück“ hatten wir das nicht gewusst und durften nun stolz sein, dass wir es geschafft hatten.

Kurz vor unserem Ziel setzten wir uns an der Straße am Plöckenpass noch für eine knappe Stunde in ein Gasthaus und genossen jeder eine Suppe und gemeinsam eine Eisschokolade. Und ich genoss es besonders, einfach nur zu sitzen und mit abgeschaltetem Hirn erwas dümmlich in die Welt zu starren.

Die letzte dreiviertel Stunde zur Valentinalm schafften wir dann auch noch. Mein Hirn weigerte sich zwar hartnäckig, wieder hochzufahren, aber das war auf dem Weg zum Glück kein Problem mehr. Auf der Valentinalm bekamen wir sogar ein Doppelzimmer, konnten duschen und bekamen dann noch leckeres Abendessen. Eine großartige Belohnung für einen harten Tag.

Geschlafen habe ich dann wie ein Stein.

Übrigens war an dem Tag direkt vor Oles Füßen eine Schlange über den Weg gehuscht und das auf 1.800 Metern. In der Höhe hatten wir keine Schlangen mehr erwartet! Ole meinte, sie war recht dick und ziemlich groß gewesen. Also entweder eine besonders große Kreuzotter oder erneut eine Hornotter. Für Details oder gar ein Foto war sie zu schnell im hohen Gras verschwunden.

Für Boris – Begrüßungskomitee nach dem Aufstieg durch das Skigebiet von Nassfeld

Oase inmitten des Skigebiets

Beeindruckender Weg an der Flanke des Trogkofels entlang

Am Trogkofel, Blick zurück zum Rudnigsattel

Immer wieder hörten wir ihr schrilles Pfeifen

In der Nacht auf der Straniger Alm schlug das Wetter um

Und dann war mein Schatz fast weg

Feierlicher Käseanschnitt

Lecker

Alpensalamander im Aufstieg zur Ochsenalm

Diese Stück hinter der Zollnerseehütte ging Ole dreimal, links ging es weit runter

Belohnung nach hartem Aufstieg, toller Blick zurück auf den Trogkofel

Ein letzter Blick zurück

Dann ging es hinter dem Köderkopf wieder runter

Steiler Grashang mit schmalem Weg

Auch die Flanke geschafft

Süße Belohnung

Ein Gedanke zu “17. von Nassfeld zum Plöckenpass

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s