19. Almwirtschaft

von Ole

Die ersten Tag hinter Arnoldstein waren landschaftlich sehr von den vielen Almen geprägt. Dank den Zusatzinformationen aus dem Wanderführer über den Karnischen Höhenweg von Evamaria Wecker, einigen Gesprächen unterwegs sowie der Reden angesichts des Käseanschnitts auf der Ahornacheralm, konnten wir einige weitere Informationen über Almwirtschaft sammeln.

Die Kühe (und teilweise Ziegen) werden abends gemolken. Die Milch wird dann über Nacht in der Käserei gereift. Nach dem Melken am Morgen, mit Aufstehen um 4:00 Uhr verbunden, gibt es für die Hirten erst einmal Frühstück. Dann wird die Morgenmilch mit der Milch vom Vorabend gemischt und auf 32°C erhitzt. Durch Zugabe von Lab gerinnt die Milch und der Käsebruch wird zerteilt und weiter erhitzt, bis er die richtige Konsistenz hat. Mit großen Käsetüchern wird er dann abgeschöpft und in die Formen gepresst. In einem Salzwasserbad entsteht die Naturrinde. Als Gailtaler Almkäse (geschützter Begriff) muss er mindestens 7 Wochen reifen, danach ist er schon ziemlich lecker, wie wir beim Anschnitt feststellen durften. Auf der Straninger Alm haben wir auch einjährigen Käse gekauft und hätten auch zwei- oder dreijährigen bekommen können.

Die Herausforderungen sind vielfältig. Viele Almen waren im ersten Weltkrieg zerstört worden, wurden dann in den 1930er Jahren wieder aufgebaut. Durch Abwanderung und weil die Milchproduktion im Tal einfacher war, wurden dann viel Almen in den 60er und 70er Jahren aufgegeben.

Auf der Ahornacheralm mussten sie bei Wiederaufnahme des Betriebs erst einmal viel Zeit und Energie in die Pflege des Almen stecken. Da diese hier unter der natürlichen Baumgrenze liegen, wachsen relativ schnell wieder Fichten und Lärchen, die entfernt werden mussten.

Dann ist das Ganze ein fulltimejob, 7 Tage die Woche, mit bis zu 16 Stunden am Tag. Wir bekamen einige Gespräche mit, wie sehr das schlauchen kann. Beeindruckend, dass es noch Menschen gibt, die diese Traditionen pflegen und damit auch das Landschaftsbild erhalten. Im Gailtal konnte dieses Jahr auf zwei Almen kein Käse produziert werden, Rudnikalm und Tressdorfer Alm, auf diesen stehen in diesem Jahr keine Milchkühe. Ähnlich wie auch auf der Feistritzer Alm steht hier nur Jungvieh. Für die Leute, die die Almwirtschaft hier vertreten und denen wir zuhören konnten, ein Ansporn, im nächsten Jahr wieder entsprechendes Personal zu finden und auch auf diesen Almen wieder Käse zu produzieren.

Zwar sind viele Almen mit dem Auto zu erreichen, man muss es sich aber mal vorstellen, was es bedeutet, wenn man über 10 Kilometer Forststraße dafür zurücklegen muss. Da fährt man nicht einfach mal in die nächste Stadt. Und diese Straßen müssen von den Almbesitzern unterhalten werden. Wir haben viele Straßen begangen, die langsam verfielen.

Der Wassermangel erschwert die Situation zusätzlich. Für Kühe und Menschen muss genug Wasser vorhanden sein. Auf der Feistritzer Alm musste für die Kühe regelmäßig Wasser hochgepumpt werden. Auf der Eggeralm meinte Rudi, dass es noch ginge, aber dass es immer schwieriger würde. Und auf der Straniger Alm bekamen wir den Wassermangel direkt zu spüren.

Wenn Menschen mit Kühen in Konflikt kommen, müssen jetzt die Almbauern über klare Hinweisschilder klarstellen, wie man sich zu verhalten hat. Eigentlich gesunder Menschenverstand, jetzt stehen überall Schilder und es liegen Zettel mit Verhaltensregeln aus. Nur ein kleines Beispiel für die Anforderungen der Bürokratie.

Wir hoffen, dass es trotz allem auch in Zukunft Menschen gibt, die diese Tradition pflegen und wir möchten uns bei allen bedanken, die das tun und die uns damit nicht nur die Landschaft erhalten, sondern auch noch so tolle Unterkünfte und so leckere Essen bieten.

Ohne sie geht hier gar nichts

Tücher zum Abschöpfen des Käsebruchs, Sennerei an der Eggeralm

So sieht das Endergebnis aus

Sahen wir immer wieder in ähnlicher Art

Feistritzer Alm

Allmählich einsetzende Verbuschung

Verlassene Alm, im Hintergrund die zunehmende Verbuschung

Verlassene Alm

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