20. von Cima Sappada nach Sexten

Fakten

  • 4 Wandertage
  • 50 Kilometer
  • Höhenmeter Aufstieg 2.900
  • Höhenmeter Abstieg 1.900 plus Seilbahn
  • Eine Kreuzotter auf 2.200 Meter Höhe
  • Eine verlässliche Wettervorhersage wurde immer wichtiger

Tag 26

von Ole

Unser Frühstück ab 07:30 Uhr vertilgten wir etwas in Eile, da wir um 08:15 Uhr den Bus nehmen wollten. Schafften wir locker, wir warteten ab 08:00 Uhr noch kurz 5 Minuten unter dem Vordach der Kirche. Wie vorhergesagt regnete es. Mal stärker, mal schwächer. Wie erwartet kam der Bus etwas früher (Cima Sappada war Endstation und der Bus wendete dort), so dass wir in Ruhe mit dem Busfahrer klären konnten, wo wir gerne rausgesetzt werden würden. Eine Bushaltestelle gab es am Abzweiger zum Val Visdende nämlich nicht.

Der Busfahrer war super nett. Er sei auch viel in den Bergen unterwegs und man müsse sich momentan echt auskennen, weil an ganz vielen Stellen noch Bäume die Wege versperren würden. Über ein Ticket sollten wir uns keine Gedanken machen. (Später erinnerten wir uns, dass man in Italien die Bustickets vorher im Tabacchi bzw. Kiosk kaufen muss, was wir verpennt hatten).

Während der Fahrt klönten wir weiter mit dem Busfahrer. Er hielt zwischendurch sogar einmal an, als ihm ein Kleinbus entgegen kam und sprach mit dessen Fahrer. Mit diesem Kleinbus hätten wir nämlich alternativ zum Rifugio Sorgenti del Piave fahren können. Von dort wäre der Weg Zur Malga Dignas zwar etwas weiter gewesen, hätte aber weniger Höhenmeter im Aufstieg gehabt. Da aber weder wir noch die beiden Busfahrer sicher waren, ob der Weg wirklich frei war, blieben wir in unserem Bus sitzen.

Einige Minuten später, in denen wir an den steilen Hängen weitere Sturmschäden sahen, durften wir an der Abzweigung zum Val Visdende auf freier Strecke aussteigen. Cool. Trotz des Wetters wäre der Busfahrer gerne mit uns gekommen. Wir schlugen vor, er solle den Bus einfach irgendwo parken und mitkommen, was auch bei den übrigen Gästen im Bus für Gelächter sorgte.

Los ging es mit einigen Serpentinen, danach steiler als erwartet ein enges Tal hinauf. Auch hier Sturmschäden an den Hängen und zwei erneuerte Brücken über den Fluss. Wahnsinn diese Sturmschäden. Die Autos machten auf den Holzbalken der Brücken ein grollendes Geräusch, das wir anfangs schon wieder als entfernten Donner interpretierten. Wir waren froh, als sich diese Sorge in Luft auflöste.

Uns begleitete der Regen. Doch wir waren zügig unterwegs und zählten die Holzlaster, die wir unterwegs sahen. Es sollten am Ende 11 werden. Der Sturm hatte letztes Jahr im Oktober gewütet und die Aufräumarbeiten werden sicherlich nicht überall dieses Jahr fertig.

Nach einer knappen Stunde erreichten wir Cimacanale und damit das Ende der steilen Schlucht. Ein weites Tal tat sich vor uns auf. Auch im Regen schön. Ich hatte mich mittlerweile daran erinnert, dass es unterwegs einige Gasthäuser gab, so dass wir sogar eine trockene Pause machen könnten. Das hob die Stimmung. Am ersten Gasthaus gingen wir noch vorbei, aber als wir ein gutes Drittel des Weges hinter uns hatten, gab es ein zweites Frühstück, mit Tee, Cafe macchiato und Brioche. Draußen regnete es. Wir unterhielten uns mit zwei deutschen MTB Fahrerinnen, die dort übernachtet hatten und die noch ein wenig auf besseres Wetter warten wollten.

Wir gingen weiter. Der Regen wurde stärker, ließ zwischendurch mal fast ganz nach, wurde wieder stärker. Als es am Ende des Tales wieder steiler bergauf ging, zog mein Rucksack plötzlich mächtig. Wo war die Energie hin? Andrea verordnete dann eine Trinkpause. Dabei schoben 6 MTB Fahrer ihre Räder an uns vorbei. Auch kein Spaß bei dem Wetter, und die mussten nicht nur noch 1,5 Kilometer zur Malga Dignas hinauf. Die kurze Pause mit etwas zu trinken tat gut, plötzlich war die Energie wieder da. Wir überholten die Radfahrer und erreichten kurze Zeit später die Alm (ital: Malga). In Summe deutlich schneller als erwartet.

Wir wurden freundlich begrüßt und bekamen ein Doppelzimmer. Mit dem Essen warteten wir, bis die etwas unentspannten Radfahrer ihre Suppen gegessen hatten und wir noch einen Moment die Ruhe und die Sonne (!) auf der Terrasse genossen hatten. Danach gab es Mittagsschlaf, Lesen, gemeinsames Schultertraining, wieder Lesen. Zwischendurch kamen noch zwei weitere Wanderer an. Die Stimmen kannten wir doch? Es waren die beiden Französinnen. Lustig und unerwartet. Wir hatten damit gerechnet, sie vielleicht in den nächsten beiden Tagen zu treffen.

Gegen 17:00 Uhr kam dann verspätet die Kaltfront. Starke Regenfälle verbunden mit über mindestens anderthalb Stunden anhaltendem Gewitter. Dabei hätten wir nicht mehr unterwegs sein wollen. Aus dem Bett heraus hörte sich das echt spannend an. Teilweise war das Gewitter genau über uns. Das Echo des Donners hallte von der Bergen zurück.

Zum Abendessen setzen wir uns dann mit den beiden Französinnen, Amandine und Bergerère zusammen an einen Tisch. Es wurde ein sehr netter Abend. Die beiden hatten unter anderem schon den Arctic Circle Trail in Grönland gemacht. Nach dem Essen gab es noch alten Käse, Kräuterschnaps und Johannisbeerlikör mit dem Chef. Angeblich für gute Träume. Dazu italienisch-englisch-deutsch-französisches Sprachwirrwarr. Das war sehr lustig.

Wir lernten noch, dass in Sappada ein deutscher Dialekt, der dem bayerischen ähnelt, gesprochen wurde. Spannend, wie die Besiedlung hier erfolgt ist.

Tag 27

von Andrea

Nachts regnete es noch, am Morgen erwachten wir bei blauem Himmel. Der Wetterbericht hatte Recht behalten. Eigentlich ein Wetter zum Durchstarten, aber bei uns war wieder Bummelstreik. Wir mussten nur etwa eineinhalb Stunden bis zur Porzehütte gehen, da würde dann schon wieder Feierabend sein. Eigentlich hatten wir ja zur Standschützenhütte gehen wollen, aber die war an dem Tag voll (hatte nur 15 Plätze). So langsam wurden die „halben Ruhetage“ tatsächlich langweilig.

Das Frühstück war typisch italienisch. Einige Scheiben Weißbrot vom Vortag, Marmelade, Tee für mich, Cappuccino für Ole. Lange vorhalten tat so ein Frühstück nicht.

Wir packten, wurden herzlich verabschiedet und zuckelten um 8:30 Uhr los. Es ging auf der Forststraße weiter bergauf zum Tilliacher Joch auf knapp 2.100 Meter Höhe, das waren nur etwa 400 Meter Aufstieg für uns. Unsere Beine waren trotz der vielen Ruhe etwas lahm. Sie hatten wohl etwas vom halbem Ruhetag und Bummelstreik gehört.

Der Forstweg, eine alte Militärstraße, zog sich gemütlich bis zum Joch. Kurz vor dem Joch standen alte Gebäude aus dem Krieg. Solchen Erinnerungen an die besonders grausame Kriegsfront im Hochgebirge begegneten wir immer wieder.

Am Joch stand eine Bank, auf der wir eine Pause machten. Auf der anderen Seite des Karnischen Hauptkamms war der Himmel noch dunkelgrau, es wehte ein frischer Wind. Die Pause fiel entsprechend kurz aus. Da hätte man gut mal die Handschuhe aus dem Rucksack kramen können.

Als ich sagte, wir sollten besser zur Hütte gehen, dort gäbe es etwas warmes zu trinken, zeigte Ole noch keinen nennenswerte Reaktion. Als ich dann von einer heißen Schokolade sprach, stürmte er mit seinem Rucksack los. Und die heiße Schokolade bekamen wir keine halbe Stunde später auf der Terrasse der Porzehütte tatsächlich, mit Sahne!

Wir waren so früh an der Hütte, dass wir das reservierte Lager noch nicht beziehen konnten, das wurde gerade noch geputzt. Also schnappten wir uns unsere Isomatten, suchten ein halbwegs ebenes Fleckchen Erde und machten tapfer eine knappe Stunde lang Schultertraining. Und dann konnten wir ruhigen Gewissens Mittagessen bestellen, schließlich hatten wir ja etwas getan und uns das Essen verdient.

Eigentlich hatten wir für diesen halben Ruhetag ja überlegt, uns mal den Anfang des Weges von der Porzehütte zum Hochweißsteinhaus anzuschauen. Diese lange und angeblich sehr anspruchsvolle (schwarze) „Königsetappe“ des Karnischen Höhenwegs an einem ausgesetzten Grat hatten wir uns mit Gepäck auf keinen Fall antun wollen, deswegen hatten wir ja den Weg weiter unten im Tal gewählt. Aber an so einem halben Ruhetag ohne Rucksack „mal gucken“ konnten wir uns schon vorstellen. Allerdings hingen immer noch sehr dunkle Wolken über den Gipfeln und dem Grat, was nicht einladend war. Und als wir nach dem Mittagessen das Lager beziehen durften, lockte das Bett mehr als der Grat.

Nach etwas Schreiben und einem Mittagsschlaf wollten wir uns noch den Kaiserschmarrn einverleiben, aber der war um 15:30 Uhr leider schon aus. Da saßen wir dann etwas ratlos auf der lauten und wuseligen Terrasse der Hütte. Dieser halbe Ruhetag wurde langsam zäh. Ole schnappte sich noch mal eine Isomatte und machte Yoga, ich las in meinem Buch.

Später saßen wir dann drinnen, lasen gemeinsam in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Berg und Steigen“, die ich in der Hütte gefunden hatte und waren beide von einem Artikel begeistert, der die Ausbildung von Bergführern bezüglich „soft skills“ kritisch und amüsant beleuchtete. Dann schauten wir in ein Buch, in dem ein Anschlag in der Porzescharte von 1967, bei dem es auf italieniescher Seite vier Tote gegeben hatte, aufbereitet wurde. Wir stellten fest, dass wir sehr wenig über den Kampf der Südtiroler gegen die Unterdrückung ihrer Sprache und Kultur wussten.

Schließlich staunten wir über ein Buch, das eine Wanderung vom Stilfser Joch zum Meer beschrieb, ergänzt um den geschichtlichen Hintergrund zu jeder Etappe, und in dem die meisten Etappen über 20 Kilometer lang waren und mehr als 2.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg hatten. Bei einer Etappe mit 33 Kilometern und 3.700 Metern Aufstieg sowie 4.200 Metern Abstieg stand immerhin dabei, dass diese Etappe etwas länger sei … was sind wir doch für Weicheier.

Irgendwann zwischendurch war endlich Essenszeit und kurz danach war für uns endlich Schlafenszeit. Wir kuschelten uns ins Lager (das erste überhaupt auf dieser Tour, wir Glückspilze!) und lasen noch ein wenig. Dann schnappten wir uns unsere Ohrstöpsel und verkrümelten uns in die Welt der Träume. Ein etwa zäher halber Ruhetag war geschafft.

Tag 28

von Ole

Die Nacht im Matratzenlager war ok. Keiner hat das Deckenlicht eingeschaltet, die Ohrstöpsel reduzierten den Lärm aus der Gaststube auf ein erträgliches Maß und den Wecker um 6:10 Uhr haben wir wie erwartet nicht gebraucht, einige waren schon auf und rumorten.

Das Müsli war ohne Nüsse, damit konnte ich mit Andrea mithalten. Um 7:10 Uhr waren wir bei blauem Himmel unterwegs. Erst ein bisschen runter, dann gute 300 Höhenmeter rauf, immer wieder mit tollen Ausblicken. Am Ende sogar mit einer kleinen Seilsicherung. An der ersten Trinkpause holte uns ein anderer Wanderer ein undmachte dann eine Pause, als wir weiter gingen.

Das gleiche Treffen mit dem anderen Wanderer wiederholte sich nach dem Abstieg zu einem kleinen Bergsee, hier wechselten wir schon ein paar Worte, er war auch auf der Via Alpina unterwegs. Es folgten 400 Höhenmeter Aufstieg zur wunderschön gelegen Filmoorhütte. Dabei sahen wir auf 2.200 Höhe eine ebenfalls wunderschöne große Kreuzotter. Wir genossen den Ausblick und hatten gegen 10:30 Uhr an der Filmoorhütte knapp die Hälfte des Tages geschafft.

Mit einer Zange, die wir vom Hüttenwirt bekamen, versuchten wir, die vermeintliche Schutzkappe des einen Wanderstocks abzubekommen. Das war uns beim Aufbruch von der Malga Dignas aufgefallen, der Stock rutschte auf Fels regelmäßig weg. War da noch eine Schutzkappe auf der Metallspitze? Andrea hatte vage in Erinnerung, dass wir von einem der Stöcke mal eine Schutzkappe nicht wieder abbekommen hatten. Wir mussten aber leider feststellen, dass da keine Kappe drauf saß, sondern die Metallspitze einfach abgebrochen war. Ich schnitzte das Gummi dann etwas an, um wenigstens etwas mehr Halt zu haben. Das funktionierte auch. Damit stehen neue Stöcke für Sexten auf der Einkaufsliste.

Andrea steckte die Nase in die Hütte und bestellte das, was da so gut roch (frische Gemüsesuppe) und in Salbeibutter gebratene Polenta. Zweites Frühstück oder schon Mittag? Egal, beides war sehr lecker.

Der andere Wanderer, Alexander aus Salzburg, war mittlerweile auch auf der Hütte angekommen. Er will es bis zur Rente nach Monaco schaffen. Er setzte sich zu uns und wir klönten über die jeweiligen Erfahrungen. Mal wieder sehr nett. Da er am Vortag die lange Grattour des Karnischen Höhenwegs gemacht hatte, blieb er auf der Filmoorhütte, während wir nach einem von irgendjemand bestellten und von beiden aufgegessenen Stück Schokoladenkuchen Richtung Obstanzerseehütte weiter gingen.

Einige Meter hoch, dann viel zu lange bergab. Wir wussten, wir müssen das alles wieder hoch. Und wieder war in der Bergflanke nicht wirklich ein guter Durchgang zu erkennen. Immer weiter ging es bergab. Andreas linkes Knie fand das heute gar nicht witzig, es mochte weder die großen Schritte nach oben, noch die nach unten. Und nach unten ging es noch ein bisschen.

An der Tscharrhütte, einer reinen Schutzhütte, zweigte der Weg dann endlich ab. Erst noch über eine richtige Watstelle an einem kleinen Wasserfall (die anderen bisher konnten wir nur mit viel gutem Willen als Watstellen bezeichnen), dann kurz auf einem sehr schmalen Weg an einem Hang entlang und danach ziemlich abenteuerlich durch eine steile Schuttrinne. Als wir dachten, das schlimmste hinter uns zu haben, ging der Weg plötzlich gefühlt senkrecht den Hang hinauf. Autsch.

Die Waden schmerzten. Mühsam ging es nach oben. Andrea kämpfte mit dem Abgrund neben ihr, Blasen an den Fersen, schmerzenden Waden. Der Weg zog sich über 600 Höhenmeter steil nach oben. Aber wir schafften es und sahen von oben, dem mit 2493 Meter bislang höchsten Punkt unserer Tour, schon die Obstanzerseehütte mit See vor uns liegen. Eine letzte Pause und noch 200 Meter Abstieg, bevor wir die Hütte gegen 15:00 Uhr erreichten. Statt erneut Lager wie gebucht durften wir ein kuscheliges Zweibettzimmer beziehen, da jemand abgesagt hatte. Das machten wir doch sehr gern.

Wir zogen uns um und genossen auf der Terrasse den Blick auf See und Berge, die Ruhe (keine Straße, keine Materialseilbahn) und auch den kleinen Kaiserschmarrn. Bevor uns langweilig werden konnte, holten wir die Matten aus dem Zimmer und dehnten unsere müden Muskeln vor traumhafter Bergkulisse. Ein paar Yoga-Übungen passten für mich auch noch rein.

Danach warteten wir bei Lesen und Schreiben auf das Abendessen. Wir staunten, was das Hütten-Team angesichts der Lieferung per Hubschrauber und per Muskelkraft (Transport über knapp 1.000 Höhenmeter per Kraxe) so alles auf die Beine stellte. Kurz darauf fielen wir platt ins Bett.

Tag 29

von Ole

Fast ein Wellness Tag, Frühstück gab es erst ab 7:00 Uhr. Da wir die Halbpension gewählt hatten, gab es die große Variante mit Müsli, Wurst, Käse und Marmelade. Zum Müsli gab es Milch oder selbst gemachten Joghurt, da die Kuh da war. Wir hatten uns am Vortag schon über die Speisekarte gefreut, auf der zum Thema ‚Glas Milch‘ stand, ‚wenn die Kuh da ist‘. Wir unterhielten uns noch kurz mit einem netten „Wanderer“, der hier eine bekannte Klettersteigrunde machte und sowohl Eispickel als auch Kletterschuhe dabei hatte – beeindruckend.

Als dann alle fast gleichzeitig aufbrachen, war es fast ein bisschen zu wuselig. Dann gingen aber alle in andere Richtungen. Wir hatten unsere ersten 350 Höhenmeter Aufstieg für uns alleine. Nettes Gelände, machte Spaß, Andrea heute mehr als mir, mein Kopf und meine Füße wollten noch nicht so richtig. Schön, dass wir uns da immer gegenseitig so helfen können.

Wir genossen die tollen Ausblicke nach rechts Richtung Alpenhauptkamm und zurück entlang des karnischen Alpenbogens. Wunderschön. Beeindruckend. Und es sollte so weitergehen. Als wir den nächsten kleinen Gipfel am Bergkamm erreicht hatten, tauchten linker Hand die Sextener Dolomiten neben uns auf. Ganz großes Kino.

Leider wurde zeitgleich der Weg deutlich anspruchsvoller. Immer wieder mussten wir im Abstieg luftig und steil nach unten treten. Ich war froh, dass mein Kopf und meine Füße langsam wach geworden waren. Aber es war gut, dass Andrea voran ging. Auf einer etwas wackeligen waagerechten Eisenleiter konnte ich ihr dann mit „in die Knie gehen“ den richtigen Tipp geben. Wir waren jedenfalls froh, nach zweieinhalb Stunden einen kleinen Bergsee erreicht zu haben, hinter dem das weitere Terrain etwas einfacher aussah. (Im Wanderführer hatte der Abschnitt total harmlos geklungen, nix von „luftig“ oder „ausgesetzt“ oder so. Immer wieder Überraschungen.)

Der weitere Weg war dann – nach einer kleinen Pause – zum Glück tatsächlich einfacher. Andrea gab wieder Gas und so erreichten wir kurz nach 12:00 Uhr die Sillianer Hütte, die sich lange vor uns versteckt gehalten hatte. Immer wieder hatten wir gedacht, nach der nächsten Ecke müssten wir sie endlich sehen, immer wieder hatte sie uns enttäuscht. Und schließlich standen wir nach einer weiteren Ecke quasi direkt davor.

Auch wenn die Bergbahn etwas entfernt war, war an der Hütte unglaublich viel los. Wir entschieden uns gegen eine weitere Pause und für ein früheres ankommen in Sexten. Ich gab Wanderkarte und Wanderführer für den Karnischen Höhenweg wie geplant in der Hütte ab, was mit überraschend viel Begeisterung aufgenommen wurde. Es ist trotz allen Trubels halt immer noch eine Schutzhütte. (@ Liebe Hamburger, Euer Buch liegt jetzt in der Silianer Hütte und wird den Höhenweg wohl noch ein paar mal mitmachen, uns hat es jedenfalls sehr geholfen, noch einmal vielen Dank!)

Der Weg zur Bergstation Helm war dann etwas länger als erwartet, Andrea bekam wieder Hunger. In freudiger Erwartungen auf einen Ruhetag legten wir jedenfalls einen Zahn zu und schwebten kurz nach 13:00 Uhr Sexten entgegen. Unsere Knie dankten uns die Nutzung der Seilbahn.

Und wir mussten uns ein paar Mal kneifen. Waren wir jetzt wirklich schon von Triest nach Sexten gegangen? Ja, waren wir. In insgesamt gut 4 Wochen.

In Sexten fanden wir schnell das Hotel Strobl, in dem wir sehr freundlich begrüßt wurden. Wir konnten schon ins Zimmer und durften unsere müffelnde Wäsche abgeben. Großartig. Dann bekamen wir sogar noch je zwei belegte Brote, um den größten Hunger zu stillen.

Statt Ruhe begannen ab kurz nach 15:00 Uhr die Erledigungen. Einen neuen Wanderstock mussten wir nicht kaufen, der kaputte „Nordkap-Stock“ konnte mit einer Leki-Spitze repariert werden (geht auch für Stöcke von Black Diamond). Cool, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Die Frisöre hatten beide geschlossen, es war ja Montag. Die Käserei sah gut aus, den Einkauf verschoben wir allerdings. Das empfohlene Restaurant mit gutem Salat Buffet hatte ebenfalls Montag Ruhetag, daher reservierten wir in einer Pizzeria, die auch Salat hatte, für den Abend. Wir wollten mal wieder etwas anderes essen, als wir typischer Weise auf den Hütten bekamen.

Wieder im Hotel folgte eine Diskussion über die sehr unbeständige Wettersituation (am Folge/Ruhetag wieder früh gewittrig, danach Durchzug einer Kaltfront für die nächsten anderthalb Tage) und wie wir das mit den anstehenden anspruchsvollen Etappen an den drei Zinnen vorbei und durch den Naturpark Fanes-Sennes-Prags zusammen bringen sollten. Passte gar nicht.

Sacken lassen. Erst einmal zwei entspannte Saunagänge sowie die Organisation zweier Massagen für den nächsten Tag ab 17:00 Uhr. Der Gedanke, direkt nach Norden weiter zu gehen und die nächsten Etappen vorbei an den Drei Zinnen und durch den Naturpark Fanes-Sennes-Prags angesichts des Wetters zu streichen, fiel in sich zusammen, als Andrea mit leuchtenden Augen in der Sauna meinte, an den drei Zinnen vorbei wäre schon noch mal schön.

Dann war es schon Essenszeit. Vor zwei leckeren Pizzen gab es noch einen leckeren Salat mit gebratenem Gemüse und gebratenen Garnelen. Danach noch ein Tartufo Nero als Nachtisch.

Derart gestärkt kam Andrea beim Weg ins Hotel auf zumindest die halbe Lösung unserer Etappen-Wetter Problematik. Ruhetag nach hinten schieben, im Hotel einen Tag verlängern und sich am Ende der nächsten Etappe – vorbei an den Drei Zinnen – wieder nach Sexten zurückbringen lassen. Klang durchgeknallt und gut. Mal sehen, ob sich das umsetzen lässt.

  • Zimmer noch einen Tag verlängern? Geht
  • Taxi? Ginge. Bus ging sogar auch.
  • Wäsche gewaschen und trocken??? Wäre sonst schwierig ohne Wandersocken … Gewaschen war sie nach dem Abendessen schon, aber trocken noch nicht – sie würde dann direkt noch in den Trockner kommen. Um kurz vor 22:00 Uhr dann der Anruf auf dem Zimmer, die Wäsche würde am nächsten Tag rechtzeitig vor unserer Tür stehen. Läuft.
  • Bustickets vorher kaufen, wie wir es kennen? Nein, könnte man direkt im Bus kaufen.

Sah so aus, als ob dank der tollen Unterstützung im Hotel mal wieder ein Ruhetag der etwas anderen Art auf dem Programm stand.

Ach ja, abends trotz schlechter Internet-Verbindung noch einen Beitrag veröffentlicht. In der Pizzeria war das WLAN gut genug gewesen, um die Fotos hochzuladen.

Mittags schien an der Malga Dignas wieder die Sonne

Abendstimmung an der Malga Dignas

Aufstieg zur Porzehütte

Chillige Pause am Pass – im wahrsten Sinne des Wortes

Heiße Schokolade mit Sahne?

Blick zur Porzehütte

Toller Eisbogen um die Sonne

Filmoorhütte, am Berg dahinter quert der Weg

Auf 2.200 Meter Höhe

Blick zurück zur Filmoorhütte

Der lange Abstieg

Echte Watstelle am Wasserfall

Da rauf???

Ja! Unten links der Wasserfall

Obstanzerseehütte in Sicht

Dehnen und Yoga vor traumhafter Bergkulisse

Blick zurück zur Obstanzerseehütte

Traumhafter Blick Richtung Alpenhauptkamm

Schmaler Gratweg

Das wäre schon einmal geschafft

Das liegt noch vor uns

Ein bisschen wackelig

Blick auf die Sextener Dolomiten mit den drei Zinnen

Schwebend nach Sexten

3 Gedanken zu “20. von Cima Sappada nach Sexten

  1. Liebe Andrea, lieber Ole, großartige Berichte und Fotos sendet Ihr da mal wieder. Es macht mir viel Spaß Euch wieder folgen zu dürfen. Sensationell ist ja das Foto von der Abendstimmung an der Malga Dignas und der Eisbogen. Großes Kino.
    Herzlichst
    Jörg

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  2. Hallo Ole, Hallo Andrea!
    Viele Grüße von „den Hamburgern“ und Glückwunsch, dass Ihr diesen Abschnitt der Via Alpina gemeistert habt. Wir freuen uns, dass Euch der Bergführer etwas geholfen hat und das er weiterhin auf dem Weg unterwegs sein wird… „the trail provides!“.

    Ich habe Euren Blog in meinen Feedreader integriert und freue mich auf viele weitere spannende Episoden!

    Liebe Grüße
    Sebastian

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