25. Flexibilität

von Ole

Auf dem Weg zum Nordkap haben uns die Flüsse mit ihrem Wasserstand immer wieder vor Herausforderungen gestellt, an die wir unseren Weg anpassen mussten oder bei denen wir zumindest Optionen in der Hinterhand haben mussten. Auf der Via Alpina wird eine solche Flexibilität deutlich häufiger von uns gefordert und zwar aus unterschiedlichen Gründen. Und wir müssen damit gut umgehen können, damit es uns nicht frustriert.

Schwierigkeit des Weges

Da ist zum einen die Schwierigkeit der Bergwege. In der Tourenbeschreibung der Via Alpina mit 1-3 „Füßen“ gekennzeichnet. Die erste Etappe mit 3 Füßen war in Slowenien die Etappe von Crnh Prst nach Dom na Komni über den Grat zum Berg Vogel. Die zweite war dann der Grat zwischen Hochweißsteinhaus und Porzehütte auf dem Karnischen Höhenweg, im entsprechenden Wanderbuch als „schwarze“, also als schwierige, Tour beschrieben. Für beide Etappen mussten wir rechtzeitig überlegen, wie wir sie umgehen konnten, da wir sie uns nicht zutrauten.

Wetter – Kaltfront

Als nächstes prägte das Wetter mit den Wärmegewittern und Kaltfronten ganz entscheidend, welche Etappen an welchem Tag für uns möglich waren. Der Wetterbericht ist mittlerweile für 2-3 Tage im voraus ganz gut, hilft aber auch nicht immer.

Die Kaltfront, die wir an der Malga Dignas aussaßen, kam so spät, dass wir es an dem Tag auch gut noch zur Porzehütte geschafft hätten. Auch in Ahornach war die Kaltfront für den frühen Nachmittag angekündigt, so dass wir vorsichtshalber einen Ruhetag einlegten. Sie kam dann erst über Nacht, so dass der Ruhetag eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Dafür hatten wir am nächsten Tag noch ausreichend Regen.

Da ist es wichtig, sich nicht darüber zu ärgern. Entscheidungen müssen wir halt auf Basis von unvollständigen Informationen treffen.

Wetter – Wärmegewitter

Den Wärmegewittern konnten wir an den meisten Tagen durch einen frühen Start entkommen, geklappt hat das aber leider nicht immer. Wir waren entsprechend immer unruhig, wenn der Wetterbericht Gewitter angekündigt hatte und beobachten die Wolken sehr genau.

Überrascht hat uns ein Gewitter zum Beispiel gleich am ersten Tag hinter Idrija. Beim Weg zur Straniger Alm hatten wir den ganzen Nachmittag den Himmel im Blick. Und im Rifugio Lambertenghi haben wir den Folgetag so geplant, dass wir den Gewittern nach unten entfliehen konnten. Erwischt haben sie uns dann trotzdem, aber im Tal war das doch etwas anderes als oben am Berg.

Gerade das Thema Gewitter hat in den Alpen eine völlig andere Bedeutung als in Norwegen. Dort sind wegen der geringeren Temperaturen Gewitter deutlich seltener, wir haben in dreieinhalb Monaten zwei erlebt. In den Alpen donnerte es bisher fast jeden dritten Tag.

Wetter – Nässe

Und auch ohne Gewitter wird ein Bergpfad bei Regen deutlich gefährlicher als die Wege im Norden. Dort gingen wir häufiger eben einen Tag in Regenklamotten. Ausrutscher auf den nassen Felsen sollten auch dort aufgrund der Abgeschiedenheit möglichst nicht passieren, aber die Konsequenzen wären doch andere gewesen als in den Alpen an einem steilen Berghang.

So haben wir hinter der Zollnerseehütte lange überlegt, ob wir die Via Alpina nach den nächtlichen Regenfällen gehen oder lieber ins Tal absteigen sollten. Wir sind dann die Via Alpina gegangen und hatten am Anfang schon noch nasse Wege, die uns das Leben schwer gemacht haben.

Auch der Neuschnee am Neveser Höhenweg mit entsprechend nassen und glatten Felsen als Resultat hat uns den Rest der Etappe überdenken lassen. Zum Glück besserte sich das Wetter im Laufe des Tages, so dass wir nach dem Mittagessen auf der Edelrauthütte zur Hochfeilerhütte weitergehen konnten.

Und manchmal sind wir eine Schleife Forststraße mehr gegangen, um den rutschigen und steilen Abschneider zu vermeiden, wie zum Beispiel im Zillertal vor dem Breitlahner Alpengasthof.

Nördlich des Alpenhauptkamms kann mit der berüchtigten Nordstaulage auch mal für einige Zeit Regen vorherrschen, wie es sich gerade ankündigt, da müssen wir uns dann etwas einfallen lassen.

Sturmschäden

Überrascht haben uns Hindernisse wie die Sturmschäden. Wir waren immer mal wieder um einen über dem Weg liegenden Baum herum gelaufen, hinüber geklettert oder drunter durch gekrabbelt, daher konnten wir uns nicht vorstellen, auf Grund von Sturmschäden einmal umkehren zu müssen wie vor dem Rifugio Sorgenti del Piave. Über zig Bäume, die wie Mikadostäbchen über dem Weg und übereinander lagen, konnten wir nicht mehr klettern.

Auch hier mussten wir uns an die Gegebenheiten anpassen, da half es nichts, sich zu ärgern.

Fazit

Die Herausforderung auf der Via Alpina ist, dass eine Alternative nicht einfach darin besteht, ein Hindernis in einem Bogen zu umgehen wie an einem Fluss in Norwegen eine breitere und damit flachere Stelle zu suchen oder bei schlechtem Wetter frühzeitig ein Zelt aufzubauen. In dem steilen Gelände der Alpen müssen wir andere Wege zum Ziel finden. Und selbst wenn das Zelten erlaubt wäre und wir eines dabei hätten, kann man an einem Steilhang nicht zelten. Flexibilität ist damit häufig eingeschränkt.

Auswirkungen auf uns

Was macht das alles mit uns? Es ist nicht immer einfach. Hinter der Zollnerseehütte wollte ich frustriert die Autobahn statt der Via Alpina nehmen, weil wir die von der Schwierigkeit her auch bei schlechten Bedingungen gehen könnten. Das Warten an der Malga Dignas, an der Porzehütte, in Ahornach und jetzt gerade in Schwaz ging und geht uns auf die Nerven. Wir waren und werden im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst.

Da war bzw. ist es dann eine Kunst, bei uns selbst zu bleiben, sich nicht darüber aufzuregen und mit wenig auszukommen. Wir haben dann viel gelesen, geplant (wenn wir Netz hatten), ausführlich gedehnt oder Yoga gemacht. Das hat oft geholfen, aber nicht immer.

Manchmal waren die Wege schwieriger als beschrieben

Unter der Hohen Gaisl wollten wir bei Nässe nicht entlang gehen

Zwangspause an der Malga Dignas

Sturmschäden

Dieses Stück „Weg“ im Triglav Nationalpark war hart an unserer Grenze

Alternativprogramm

Gut, dass wir bei dem Wetter nach Ukanc abgestiegen waren, statt uns den Gratweg zum Vogel mal anzuschauen

Manchmal kam die Kaltfront später, so dass es beim Start am nächsten Tag noch immer kräftig regnete

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