31. von Ehrwald nach Weißenbach

Fakten

  • 2 Wandertage
  • ca. 37 Kilometer
  • ca. 1.640 Höhenmeter Aufstieg (+400 Höhenmeter Seilbahn)
  • ca. 2.840 Höhenmeter Abstieg

Tag 51

von Ole

Wir hatten gut geschlafen in dem schönen Hotel in Ehrwald, merkten aber deutlich die Strapazen des Vortages. Wir hatten müde Beine und fragten uns, wie wir den langen Tag überstehen würden. Wie auch am Vortag standen quasi anderthalb Etappen auf dem Programm.

Maria und Otto, unsere Gastgeber im Hotel Halali, hatten unseretwegen das Frühstücksbuffet schon eine halbe Stunde früher um 07:30 Uhr aufgebaut. Sie empfingen uns zum Frühstück wieder so freundlich wie am Abend zuvor. Nach dem leckeren Müsli wurden wir noch mit jeweils einem Spiegelei verwöhnt, abgerundet wurde das entspannte Frühstück mit etwas Süßem.

Um 08:25 Uhr kamen wir los. Schnell waren wir an der Ehrwalder Almbahn und starteten um 08:50 Uhr nach der Gondelfahrt Richtung Seebenalm. Eine Stunde später erreichten wir diese schon. Nach zwei schnellen Hollern erreichten wir schon um 10:20 Uhr den wunderschönen Seebensee. Kurz vor 11:00 Uhr, Andrea hatte richtig Gas gegeben, waren wir dann an der Coburger Hütte, 250 Höhenmeter über dem See.

Die unterwegs angegeben Gehzeiten zur Coburger Hütte variierten übrigens sehr: 3 Stunden an der Almbahn, 2 Stunden nur 15 Minuten später, weitere 15 Minuten später waren es plötzlich 3,5 Stunden. Gut, dass wir darauf nicht mehr allzu viel gaben, die Gehzeiten auf den Schildern waren je nach Land/Gebiet zu unterschiedlich. Wir waren jedenfalls froh, so schnell die Coburger Hütte erreicht zu haben.

Zwei Nudelsuppen und zwei Johannisbeerschorlen später machten wir uns wieder auf den Weg. Unser nächstes Zwischenziel, Biberwier, stand übrigens mit 4 Stunden Gehzeit auf dem Wegweiser.

Der zunächst anstehende Aufstieg zur Scharte mit vielen Blicken auf den Seebensee und das dahinter liegende Zugspitzmassiv zur einen Seite und au eine für uns namenlose schroffe Bergwelt zur anderen Seite war toll. Wir waren froh, diesen Teil der Etappe gegangen zu sein, statt von Ehrwald im Tal nach Biberwier abzukürzen.

Der Abstieg von der Scharte war dann leider sehr steil und Andreas Knie machte nicht mehr mit. Bei zu vielen Schritten tat es weh. Dementsprechend langsam und vorsichtig bewegten wir uns. Zuerst ging es lange in kleinen Serpentinen über eine steiles Geröllfeld bergab. Dabei passierten wir eine geführte Wanderung aus Ehrwald mit 30 Personen und einem Bergwanderführer. Nicht ganz einfach in dem Gelände, aber sie taten ihr Möglichstes, uns auf dem schmalen Pfad auszuweichen.

Irgendwann wurden die Serpentinen etwas länger und weniger steil. Wir mussten noch eine kurze Stelle passieren, an der der Pfad durch einen Erdrutsch sehr schwer zu gehen war, dann wurde es endlich einfacher.

Lange ging es in Serpentinen durch ein Latschendickicht. Zum Glück waren wir teilweise im Schatten des steilen Berges, so dass es nicht zu warm wurde. Es blieb aber ein Pfad, der viel Konzentration erforderte, da es immer wieder größere Stufen gab. Nach 500 Metern Abstieg machten wir eine Pause und Andrea wühlte ihre Kniebandage aus dem Rucksack. So etwas liegt natürlich ganz weit unten im Rucksack.

Auch als wir den Fichtenwald erreicht hatten, wurde es nicht viel besser, nur dass es statt Steinen jetzt Baumwurzeln waren, die wir hinunter steigen mussten. Doch endlich erreichten wir einen Fahrweg, der zu einer Teerstraße wurde, die uns um 14:30 Uhr nach Biberwier führte.

Dort entschieden wir uns, den letzten Aufstieg etwas abzukürzen. Wir nahmen den Bus, der ein wenig Verspätung hatte und den wir daher passgenau erwischten. Man muss bei Bussen auch mal Glück haben. Der Bus fuhr uns über Ehrwald (nicht weit weg …) nach Leermoos. Dort fuhren mit der Grubigbahn die ersten 400 Höhenmeter hoch. Angesichts des Vortages, der Wärme und der langen am nächsten Tag folgenden Etappe eine gute Entscheidung.

An der Brettlalm an der Mittelstation der Bergbahn gab es endlich die verdiente Pause mit Holler, Buttermilch und zwei Waffeln mit Vanilleeis und Schokoladensauce. Derart gestärkt legten wir die letzten 450 Höhenmeter Aufstieg zur Wolfratshauser Hütte in 70 Minuten zurück. Aufstieg fällt uns echt leichter als Abstieg.

Die Hütte lag dem Zugspitzmassiv genau gegenüber, schon eine geniale Lage. Zwischen Wettersteingebiet und Mieminger Kette hindurch konnten wir bis ins Karwendel schauen.

Wir freuten uns über ein Vierbettzimmer, in dem wir alleine blieben, und eine kurze Dusche nach einem langen Tag. Danach setzten wir uns auf die Terrasse und schrieben, bis wir ein leckeres Wildschweingulasch mit Spätzle zum Abendessen bekamen.

Außer uns war nur der Schweizer Wanderer, den wir auf dem Weg nach Leutasch getroffen hatten, zu Gast, sowie vier Nachbarn der Wirtsleute. Wieder einmal ein krasser Gegensatz zu den überfüllten Hütten im Wettersteingebiet.

Nach dem Essen genossen wir noch ein wenig den Blick, bis uns die Kälte ins Zimmer trieb. Dort schrieben und lasen wir noch ein wenig.

Tag 52

von Ole

Wir bekamen auf der Wolfratshauser Hütte Frühstück um 7:00 Uhr, d.h. um 7:55 Uhr kamen wir los.

Nach ein paar Metern bergauf ging es 250 Höhenmeter bergab. Andrea hatte sich die Kniebandage direkt angezogen. Bis auf wenige etwas schmale Stellen war der Weg gut und so kamen wir nach vielen Serpentinen unten in einem Taleinschnitt an, um gleich auf der anderen Seite wieder hinauf zu steigen. Das ging für Andrea wieder deutlich besser als der Abstieg. Ich war an dem Tag froh, ihr hinterher zu kommen.

Der Aufstieg war schön, die schroffe Felswand linker Hand war spannend geschichtet, rechts war Weideland und weit oben am Hang sahen und hörten wir Kühe. Uns überholten zwei junge Männer, die etwas später eine Pause machten. Als wir sie erreichten, fragten sie, ob wir zum Sommerbergjöchle wollten und ob sie mit uns gehen könnten. Der eine hatte mal schlechte Erfahrungen mit Kühen gemacht und genau diese weideten vor uns am Hang. Kein Problem, wir nahmen sie gerne mit. Gut zureden hat bei Kühen noch immer geholfen.

Bevor wir die Kühe erreichten, sahen wir links im Schuttfeld der Felswand eine Herde Gämsen stehen, vielleicht 20 Stück. Schön! Wir hatten bei den Bedingungen in diesem einsamen Taleinschnitt, vor allem angesichts der ausgedehnten Schuttfeldern links von uns, schon ein bisschen darauf gehofft. Gämsen sind da sehr freundlich, weil sie ab und zu kleine Steinrutschen auslösen. Das hört man und dann kann man sich mit den Augen auf die Suche machen.

Dann erreichten wir die friedlich grasenden Kühe, die sich allerdings wohl noch die Witze von letzter Nacht erzählen mussten, es muhte die ganze Zeit um uns herum. Auch an einem ziemlich jungen Kalb kamen wir vorbei. Die Mutter schien nicht in der Nähe zu sein, was uns wunderte. Zum Glück kam keine panische Mutterkuh angestürmt, als wir an dem Kalb vorbei gingen.

Mit ein bisschen Unterhaltung mit den beiden jungen Männern erreichten wir das Jöchle richtig schnell. Andrea war im Aufstieg mittlerweile locker bei 400 Höhenmetern pro Stunde, und die gut 2 Kilometer Strecke wurden so nebenbei noch mit erledigt. Uff. Wenn sie so lief, wenn sie platt war, wie sollte das dann erst werden, wenn sie mal wieder einen richtig fitten Tag erwischte?

Am Jöchle lagen vier Kühe genau auf dem Weg, war quasi die einzige ebene Stelle des ganzen Hanges. Wir gingen auch hier noch gemeinsam freundlich und friedlich vorbei und wünschten den beiden jungen Männern dann alles Gute für ihren weiteren Aufstieg zur Bleispitze.

Der Abstieg, vor dem wir uns ein wenig gesorgt hatten, war zwar steil, aber der Boden fest und griffig. Anstrengend, aber kein Problem. Nach 200 Höhenmetern Abstieg machten wir eine sehr schöne Pause, wieder mal mit Matte auf der Wiese und Käse und Knäckebrot aus dem Rucksack. Das ganze mit toller Aussicht, bis hin zum platten Alpenvorland. Da waren die Alpen Richtung Norden doch tatsächlich vorbei.

Der weitere Abstieg war etwas zäh. Nach weiteren 600 Höhenmetern kamen wir endlich auf einen Fahrweg mit flacherem Gefälle. Einer Straße folgten wir noch etwas weiter abwärts, dann ging es parallel zur Schnellstraße auf einem Forstweg Richtung Berwang, das wir nach einer Trinkpause gegen 12:00 Uhr erreichten.

In der Information dort bekamen wir leider keine Wanderkarte für die Etappen hinter Weißenbach. Die Wettervorhersage legte nahe, dass wir wieder etwas Flexibilität zeigen mussten, das ging mit großen Karten immer besser als mit dem Handy oder Tablet.

Dafür bekamen wir 100 Meter weiter in einem Restaurant mit sehr freundlicher Bedienung einen Salat und zwei Portionen Spaghetti Bolognese. Eigentlich war es nur eine Portion Spaghetti, aber die war so groß, die haben wir nur geschafft, weil Andrea gerade fast immer hungrig war und ich beim Essen ebenfalls hungrig wurde.

Wir füllten noch unsere Wasserflaschen auf, zögerten den Aufbruch noch ein bisschen hinaus und starteten dann etwas widerwillig in der Mittagshitze Richtung Rinnen. Entgegen der Wettervorhersage hatte sich die Bewölkung vom Vormittag nämlich aufgelöst, so dass wir wunderbar schwitzten.

Rinnen erreichten wir nach einer guten halben Stunde über sonnige Almwege. Der weitere Wegverlauf durch das Rotlechtal fiel leider unter die Rubrik „irgendwie müssen wir das Stück zwischen Berwang und Weißenbach überbrücken“. Erst zog sich die Straße 100 Meter oberhalb des Flusses entlang, dann am Stausee kurze Zeit nett am See vorbei, dafür war hinter der Staumauer der Fluss weg. Gleichzeitig führte uns der Weg wieder kontinuierlich nach oben, damit hatten wir flussabwärts nicht gerechnet. Und es zog sich.

Wir waren froh über jeden Schatten, der allerdings sehr selten war, tranken reichlich und fluchten uns am Ende ins Lechtal runter. Besonders schön, wenn a) der Weg laut einem Schild auch noch gesperrt ist und er, wenn man ihn trotzdem nimmt, b) in einer weiten Schleife nach rechts führt, während man weiß, dass Weißenbach links liegt.

Aber wir überstanden auch die letzten 2,5 flachen Kilometer in einsetzendem Regen. Spannend, wie schnell wir nach über 20 Kilometern und 1.700 Metern Abstieg auf flachen Strecken noch sein konnten.

Wir bekamen in der Pension Kreuzeck ein nettes Zimmer. Ich versuchte noch vergeblich, im Ort eine Wanderkarte zu bekommen, bevor ich auch die Dusche genießen konnte. Danach verarztete ich erst einmal die Blase, die ich an der Innenseite der Ferse bekommen hatte. Die Füße brauchten auch mal wieder etwas Ruhe.

Die Qualität der Halbpension in unserer Unterkunft bei Regen, Blitz und Donner fiel in die Kategorie „ok … gut, dass wir nicht noch einmal raus müssen“.

Planend, lesend und schreibend ging der Abend zu Ende. Da sowohl der Wetterbericht für den nächsten Tag (ergiebiger Regen insbesondere über Mittag) als auch für den übernächsten Tag (Gewitter ab dem frühen Nachmittag) nicht darauf ausgelegt war, die nächste Etappe zum Prinz Luitpoldhaus anzutreten mit erst 20 Kilometern Strecke bei 400 Höhenmetern Aufstieg und dann am Ende noch weiteren 1.000 Aufstieg auf übe 2.000 Meter Höhe, brauchten wir eine Alternative. Wir schauten uns lange an, wie wir nach Norden in ein niedrigeres Gebiet ausweichen könnten.

Irgendeine gute Lösung würden wir bis Oberstdorf schon finden. Dort stehen auf jeden Fall Ruhetage an, zuerst für Füße und Beine, dann aufgrund der anrollenden Kaltfront.

Auf zur Sebenalm, zuvor noch durch dad idyllische Gebiet der Ehrwalder Almen

An der Sebenalm, schon zum dritten Mal

Sebensee und Zugspitzmassiv

Sehr steiler Abstieg Richtung Biberwier

Blick auf das Zugspitzmassiv nach der Seilbahnfahrt von Lermoos

Auf der Wolfratshauser Hütte mit Blick auf das Zugspitzmassiv

Links Zugspitzmassiv, rechts Mieminger Kette, dazwischen ganz hinten das Karwendel

Aufstieg zum Sommerbergjöchle …

… in toller Landschaft

Am Ende mit Kuh-Blockade

Überquerung des Lech

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