39. von Triesenberg nach Gargellen

Tag 4, Etappe 58, von Triesenberg zur Pfälzerhütte

von Andrea

Wir hatten gut geschlafen in der zweiten Nacht im Hotel in Triesenberg. Ole hatte keine Matschbirne mehr und der Himmel war nach nächtlichem Gewitter und Regen wieder blau. Beste Voraussetzungen für einen schönen Tag.

Als wir nach dem Frühstück die Rucksäcke aufsetzten und die Rucksackgurte Oles Schultern berührten, gab es kurz einen Aufstand mit lautem Gemotze der Schultermuskulatur, der sich aber zum Glück bald legte. Meine Schulter war auch alles andere als glücklich. Sie war im Laufe des Ruhetages immer mauliger geworden und an diesem Morgen zwackte sie fast ständig. Sie hielt sich aber immer noch wacker und tat immer noch deutlich weniger weh als acht Wochen zuvor. Also erstmal noch kein Grund zu größerer Sorge.

Und dann? Na, dann gingen wir zum Bus. Wir hatten nämlich so so gar keinen Bock darauf, die Asphaltstraße bis zur Via Alpina ca. 300 Höhenmeter über uns hoch zu latschen. Das Gasthaus, das oben direkt an der Via Alpina lag, bot keine Übernachtungen mehr an, daher waren wir nach Triesenberg ins Hotel ausgewichen. Und wir fanden beide, dass wir nicht die Helden spielen und zu Fuß da hinauf latschen mussten. (Schlimm genug, dass wir zwei Tage vorher einen Teil davon runtergelatscht waren.)

Der Bus brachte uns bis kurz vor den Stausee von Steg (die erste Haltestelle hinter dem Tunnel auf der Strecke nach Malbun) und von dort starteten wir an Stausee und Bach entlang talaufwärts. Vor der Strecke an diesem Tag mussten wir uns nicht fürchten, das tat gut. Ein wenig angespannt waren wir trotzdem, weil wir nicht einschätzen konnten, was auf den beiden eher alpinen Etappen nach der Pfälzerhütte auf uns warten würde. Aber da half Grübeln nicht, da half nur hingehen und anschauen und dann entscheiden, ob wir uns das zutrauten oder nicht. Und dafür mussten wir erstmal losgehen.

Es wurde ein „Schaulaufen“ in einer Kulisse, die aussah wie gemalt. Wir konnten uns über die Schönheit der Berge immer und immer wieder so sehr freuen. Der Talschluss, auf den wir dort zuliefen, war aber auch einfach toll mit seinen steilen, felsdurchsetzten grünen Hängen, die in der Sonne leuchteten. Dazu kam noch, dass Oles schwerer Rucksack besser saß und weniger drückte als an den ersten beiden Tagen (die Schultern hatten den Protest vollständig eingestellt), was die Zufriedenheit noch steigerte.

Das Problem bei dem Wort Talschluss war allerdings, dass es irgendwann immer nur nach oben weiterging. Wir spürten unsere Beinchen. So ganz fit war anders. Da hatte ein Ruhetag für die Superkompensation wol nicht ganz ausgereicht. Und wir spürten die Sonne. Es war einfach ordentlich warm, so ein bisschen wie unterm Grill.

Eine erste Pause gab es irgendwo im Hang im Schatten eines Baumes, eine weitere an der Alpe Gritsch. Bei beiden Pausen freuten wir uns über grüne Gurke und Paprika. Das Zeug wog zwar im Vergleich zu den mickrigen Kalorien eindeutig zu viel und hatte ein unpraktisches Packmaß, tat bei der Wärme aber super gut.

Schon vor 13 Uhr kamen wir dann auf der toll gelegenen Pfälzerhütte an. Das war ja  fast ein Ruhetag! Noch größer als die Freude über die tolle Lage und den halben Ruhetag war allerdings die Freude über die herzliche Begrüßung. Wir fühlten uns sehr willkommen und durften sogar sofort unser kleines Zweibettzimmer beziehen. Was für ein Luxus, ein Zimmer ganz für uns allein!

Dabei verstehen wir auch jeden Hüttenwirt, der in der Mittagszeit zwischen den Tagesgästen eher genervt reagiert, wenn die Übernachtungsgäste dann auch schon ankommen. Wir haben es auch schon häufiger erlebt, dass wir erst um 16 oder gar 17 Uhr ins Zimmer oder Lager durften. Umso mehr fällt uns dann auf, wie schön es ist, zur Mittagszeit so herzlich begrüßt zu werden und bereits das Zimmer beziehen zu dürfen.

Wir genossen noch gemeinsam eine Portion Nudeln mit Tomatensoße und ein Stück Apfelkuchen und legten uns dann zum Lesen und Dösen ins Bett. Und feuerten unsere Körper bei der Superkompensation an.

Zum Abendessen gab es Karottensuppe, dann noch mal Nudeln mit Tomatensoße (das vegetarische Essen war uns lieber als Fleischkäse), dann Obstsalat und noch ein Stück Schokokuchen. Dann ging es zum Lesen direkt wieder ins Bett. Ole fragte noch, ob es ungesund sein könnte, zu viel zu schlafen. Nein, oder?

Durch das offene Fenster hörten wir in unserem kleinen Zimmer die Glocken der Kühe und das Pfeifen der Murmeltiere.

Übrigens herrschte auf der Hütte – wie auf so vielen Hütten mittlerweile – starker Wassermangel. Schilder in den Toiletten und Waschräumen forderten zum Wassersparen auf. Eine Toilette war wegen Waasermangel abgesperrt. Trinkwasser musste gekauft werden.

Tag 5, Etappe 59, von der Pfälzerhütte zur Schesaplanahütte

von Ole

Eine gemütliche Nacht in unserem kleinen Zweibettzimmer. Kuscheln war schwierig, dafür standen die schmalen Betten zu weit auseinander, aber das leichte Läuten der entfernen Kuhglocken und der rauschende Wind am geöffneten Fenster, das einen Blick auf den Sternenhimmel bot, sorgten immer wieder für ein gemütliches Eindösen. 

Der Wecker klingelte um 07:00 Uhr, eine halbe Stunde später waren wir beim Frühstück. Trotz der gestrigen Veggie-Variante beim Abendessen bekamen wir auf Nachfrage auch ein bisschen hauchdünn geschnittenen Fleischkäse. Die abgepackten Marmeladen schmeckten laut Andrea alle gleich und alle einfach nur süß, da war die Abwechslung gut. 

Die gute Nachricht des Morgens war, dass es Andreas Schulter wieder besser ging. Diese war nach dem etwas zu sportlichen zweiten Tag doch ziemlich beleidigt gewesen. Andrea hatte auf Empfehlung des Orthopäden danach an einigen Abensen eine entzündungshemmende Schmerztablette genommen und das hatte dazu beigetragen, dass die Schulter sich (im Vergleich zu sonst) relativ schnell wieder erholt hatte.

Wir füllten unsere Flaschen mit warmem Früchtetee. Das Wasser musste mit dem Hubschrauber gebracht werden und ließ sich nur nach dem Abkochen trinken. Während des Packens sprachen wir noch kurz mit einigen anderen Wanderern und mit dem Hüttenpersonal, das durch die Bank super freundlich war. Wieder einmal waren es die Menschen, die einer Hütte eine Seele einhauchten. Auf der Pfälzerhütte fühlten wir uns von Anfang bis Ende wohl.

Um 08:30 Uhr brachen wir Richtung Hochjoch/Große Furka auf. Auf diesen alpinen Etappen, wir waren fast durchgehend über 2.000 Meter hoch, waren die Übergänge oft die heikelsten Punkte. In der Beschreibung wurde vor Schneefeldern gewarnt, die gab es jetzt Anfang August zum Glück nicht mehr. Wir hatten jedoch einige ausgesetzte Stellen, an denen Altschnee sehr unangenehm gewesen wäre. So entwickelte sich ein traumhafter Tag. Die Landschaft war noch schöner, noch einsamer als am Vortag. Immer wieder genossen wir den Ausblick. Wir konnten sogar noch die Bergspitzen sehen, die wir am zweiten Tag passiert hatten, und in der Ferne erahnten wir den Bodensee ein letztes Mal.

Ein paar schmalere Stellen passierten wir entspannt, langsam gewöhnten sich unsere Köpfe und Füße wieder etwas an das Gelände. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir den Pass und machten eine schöne Pause. Wieder einmal ein Übergang in eine neue Welt. Ketten hinter Ketten lagen die Alpen vor uns, wir konnten uns gar nicht sattsehen. Und unten lag schon in Sichtweite unser Tagesziel, die Schesaplanahütte.

Steil und schmal ging es bergab, hier brauchte man mal wieder nicht stolpern. Ich merkte, dass ich mich schon ziemlich konzentrieren musste und war froh, als das Gelände bald wieder etwas flacher wurde. Es beruhigte uns auch beide, dass wir Almweiden sahen. Wenn es hier Kühe gab, konnte es ja vom Weg her nicht ganz so schlimm sein, ähäm.

Der Abstieg hatte allerdings noch einige kleinere Überraschungen parat. Zuerst das Schild, das vor den Schutzhunden warnte. Wenn ein Schutzhund kam, sollte man einfach ruhig stehen bleiben und warten, bis dieser sich beruhigt hatte und die Schafherde dann umgehen. Ääh, hat sich mal jemand das Gelände hier angeschaut? Wie sollte ich da bitte ine Schafherde umgehen? Ich würde lieber auf dem Weg bleiben. Zum Glück konnte man sich ein Merkblatt mitnehmen, damit konnte man dem Hund dann sogar „schwaz auf weiß“ erklären, dass er sich jetzt bitte wieder beruhigen musste … Wir haben zum Glück nur die Schafe gesehen 😀.

Dann gab es die ersten Blaubeeren dieser Wandersaison. Himbeeren und Erdbeeren hatten wir an den Tagen zuvor schon genossen. Die Beeren beruhigten eindeutig die Nerven, als wir einige Geröll- und Flussrinnen durchqueren mussten, an denen wir doch mal einen Moment länger überlegen mussten, wo nun welcher Fuß hin musste. Eigentlich sah der Weg zu diesem Zeitpunkt nach einem gemütlichen Bergab zur Hütte aus. Aber wir waren ja mittlerweile in der Schweiz angekommen und da musste man bei den Wegen wohl auf Überraschungen gefasst sein. Andrea fluchte vor allem über die vielen kleinen Bergaufpassagen, die für die Blasen an ihren Hacken Gift waren.

Trotzdem erreichten wir schon um 12:30 Uhr entspannt die Schesaplanahütte. Im Schatten unter zwei Sonnenschirmen gab es Gerstensuppe und Rösti (endlich Schweiz!). Beim Einchecken dazu ein Upgrade auf ein Doppelzimmer mit frisch bezogenen Betten. Wir genossen dann noch Tee, Cappuccino und Schokoladenkuchen mit Sahne. Hüttentouren können echt hart sein. Es gab sogar ein Handynetz, so dass wir beide einmal nach dem Rechten sehen konnten. 

Wir planten noch ein bisschen weiter, ohne jedoch jetzt schon Entscheidungen über die weiteren Etappen zu treffen.

Der Nachmittag verging mit Lesen und Schreiben bei Kuhglockengeläut.

Tag 6, Etappen 60 und 61, von der Schesaplanahütte nach St. Antönien

von Andrea

Auf der Schesaplanahütte gab es zum Glück schon ab 6:30 Uhr Frühstück, damit waren wir um 7:30 Uhr startbereit und brachen Richtung Carschina Hütte auf. Uns stand ein langer und warmer Tag bevor. 

Dank des frühen Aufbruchs duften wir noch eine knappe Stunde im Schatten der Bergflanke zu unserer Linken laufen. Dann wurde über uns der Grill angeworfen und der wärmte auch um 8:30 Uhr schon ordentlich. Wir bewegten uns durchweg oberhalb der Baumgrenze zwischen etwa 1.900 und knapp 2.300 Metern. Auf einen schattigen Wald brauchten wir also nicht zu hoffen.

Zunächst mal ging es rauf zum Gafalljoch. – Ach, echt? Warum ging es eigentlich in den Bergen immer rauf? – Dort machten wir eine Pause und starrten fasziniert auf einen Stausee mit einem großen, modern wirkenden Gebäude dahinter. Etwa ein Hotel? Dort oben? Gaga. Wir lernten dann später, dass es wohl ein Hütte war und kein Hotel. Ebenso fasziniert starrten wir auf die ansonsten einsame und gleichzeitig leuchtend grüne sowie schroffe Bergwelt unter einem strahlend blauen Himmel. Es war wundervoll.

Bis dahin hatten wir die ersten etwa 350 Höhenmeter und 6 Kilometer hinter uns. In dem alpinen Gelände konnten wir nicht einfach vor uns hin latschen, Hirn und Füße mussten schon wach sein. Daher spürten wir den bis dahin eher kurzen Abschnitt schon in Füßen, Knien und Kopf. Aber immerhin konnte man auf dem Abschnitt bis zu dem Joch nirgendwo runterpurzeln. Leider wäre das dann für die nächsten 20 Minuten in der steilen Flanke unterhalb der Kirchlispitzen durchaus möglich gewesen. Besten Dank auch. Danach waren meine Nerven wieder leicht ausgefranst. Auf Querungen von steilen Flanke auf schmalen Wegen kann ich immer noch bestens verzichten.

Nach der Querung folgte ein steiler Abstieg in sehr unwegsamen Gelände. Ole merkte dabei trocken an, dass ich das mit den steilen Flanken und den schmalen Wegen wohl im kommenden Aufstieg noch ein wenig würde üben dürfen. Ich schaute auf den steilen Hang gegenüber, sah die dünne Linie des Aufstiegsweges darin und fing vorsichtshalber schon mal an, mir Sorgen zu machen, ich dummes Huhn. Der Weg war dann viel breiter, als er aussah, und der Hang auch deutlich weniger steil.

Wir staunten nicht schlecht, als – am Ende des Abstiegs – ein Radfahrer (!) von hinten kam. Wie hatte der denn den schmalen Weg bewältigt, auf dem ich mir mal wieder ins Hemd gemacht hatte? Ich verkniff mir die Frage lieber. So wie der aussah, hätte er vermutlich gesagt: „Welcher schmale Weg?“ So fragten wir ihn nur, ob er uns überholen wollte. Er winkte ab. Er sei nicht sicher, wer von uns schneller sei. Das Gelände sei ja nicht ganz einfach zu fahren. Ach, das hatte er immerhin bemerkt.

In dem folgenden Aufstieg machten wir uns dann einen Spaß daraus zu testen, ob wir schneller waren oder ein offensichtlich sehr fitter Mountainbike-Fahrer (ohne Akku!). Oder besser gesagt: Ole machte sich einen Spaß daraus und ich versuchte, nach Luft japsend, hinterher zu kommen. Was sollen wir sagen? Der Mountainbike-Fahrer hat gewonnen. Er hat uns aber erst auf dem letzten Viertel des dann flacheren Aufstiegs eingeholt.

Mittlerweile hatten wir 12 Kilometer und (eigentlich nur) etwa 600 Höhenmeter in den Beinen und waren (trotzdem) schon ziemlich platt. In dem Gelände lief der Kopf weiterhin auf Hochtouren und der Grill über uns gönnte uns nur wenige Verschnaufpausen in Form von einigen wenigen Wolken. Der Weg zur Carschinahütte zog sich endlos. Das hätten wir allein auf Grund der Angabe der Entfernung und der Höhenmeter nicht erwartet. Hier machten die Komplexität des felsigen Untergrunds und der Grill über uns den Unterschied zu anderen Wegen vergleichbarer Länge aus.

Vor allem der Grill forderte schließlich von mir seinen Tribut. Mein Kopf wurde ziemlich maddelig. Ich übergab die Kamera vertrauensvoll an Ole, denn ich konnte die Schönheit der steilen, grün leuchtenden Berghänge und hohen Felsaufbauten um mich herum nicht mehr würdigen. Ich wollte nur noch diese bekloppte Hütte erreichen, die wir schon seit Stunden sahen und die nun endlich Stück für Stück näher kam. Ich wusste zwar, dass es dort noch nicht vorbei sein würde, aber daran mochte ich noch nicht denken, erstmal zur Hütte.

Nach 6,5 Stunden waren die gut 15 Kilometer und knapp 700 Höhenmeter Aufstieg zur Carschinahütte endlich geschafft. Erschöpft und gut durchgegart ließen wir uns auf eine Bank im Schatten fallen und brachten erstmal unsere Körpertemperatur wieder runter. Allein das war schon eine Wohltat. Dazu etwas Kühles zu trinken und jeder ein Rösti. Und noch ein mega netter, uns aufmunternder Empfang. Das gab wieder Energie. Diese Hütten in den Alpen boten schon einen unglaublichen Luxus.

Dummer Weise waren wir an der Carschinahütte noch nicht am Ziel. Die war nämlich ausgebucht gewesen. Angeblich sehr beliebt bei Kletterern, weswegen man wohl ziemlich früh reservieren musste … zumindest früher als zwei Wochen vorher. Ein Blick auf die über der Hütte aufragenden Felswände der Sulzfluh genügte vollkommen, um die Beliebtheit bei den Kletterern zu verstehen. Und ich würde sicher keinem begeisterten Kletterer sein Bett streitig machen.

Also rafften wir uns nach einer knappen Stunde Pause wieder auf und machten uns an den knapp 2,5 Stunden langen Abstieg nach St. Antönien (8 Kilometer und 800 Höhenmeter). Immerhin war der Weg jetzt so einfach (erst Schotterstraße, dann sogar Teerstraße), dass keine große Konzentration mehr gefragt war. Dafür litten jetzt die Knie. Und da ich meine Knie auf dieser Etappe schon zuvor deutlich gespürt hatte, zückte ich meine Wanderstöcke, die ich eigentlich nur für den Notfall dabei hatte, weil meine Schulter zur Benutzung von Wanderstöcken eine sehr klare Meinung hatte. Bei der Abwägung zwischen Schonung der Knie und Schonung der Schulter siegten diesmal die Knie, die brauchte ich zum Wandern noch nötiger als die Schulter.

Nach gut der Hälfte des Abstiegs kamen wir von einer sehr kleinen Straße auf eine etwas größere kleine Straße und auf dieser erlöste uns ein Bus, der zwar nur einmal pro Stunde fuhr, bei dem wir aber Glück hatten und nur eine knappe Viertelstunde warten mussten. Unsere Füße und Knie waren sehr dankbar. Und meine Schulter auch, wurden doch sofort die doofen Wanderstöcke wieder verpackt.

Unser Hotel in St. Antönien war niedlich, das Zimmer gemütlich, die Sauna warm (schon wieder warm? freiwillig?) und das Abendessen köstlich. Danach kamen nur noch umfallen und einschlafen.

Übrigens, all unser Gejammer über den Grill und die Wärme waren natürlich Blödsinn: Diese lange Tour war nur bei so stabilem gutem Wetter möglich gewesen. Das war uns durchaus klar. Und ob das klappen würde, hatten wir bei der Planung gar nicht wissen können. Wir waren also durchaus dankbar für die stabile Wärme ohne jeglich Gewittergefahr.

Tag 7, Etappe 62, von St. Antönien nach Gargellen

von Ole

Frühstück gab es erst ab 08:00 Uhr. So ein Pech … Was an manchen Tagen ärgerlich ist, war diesmal Luxus. Auch wenn das Wetter etwas labiler vorhergesagt war, mit möglichen Wärmegewittern ab dem frühen Nachmittag, war die Tour mit gut 10 Kilometern und 1.000 Höhenmetern sowohl im Auf- als auch im Abstieg kurz genug, um keine Hektik aufkommen zu lassen. So genossen wir das Frühstück mit der großen Müsliauswahl in Ruhe. Ich löste danach sogar noch ein berufliches Problem, so dass es sich lohnte, dann noch kurz zu warten und den Bus für zwei Stationen zu nehmen und uns damit einen Asphaltkilometer zu sparen. Dank schnell ausgestellter Gästekarte war der Bus sogar kostenlos. 

Dann ging es steil rauf, erst auf Asphalt, dann auf Schotter, dann wieder auf Asphalt. Vor lauter Freude über die ersten 200 Höhenmeter hätte ich beinahe den Abzweiger auf den kleinen Trampelpfad nach links übersehen. Es wurde noch steiler. Und für einige kurze Stellen auch mal wieder unangenehm für Andrea, die mit ihren Schuhen etwas weniger halt auf steilem Sand hatte als ich. Aber das überstanden wir gut. Als wir den Bach querten, den entlang wir aufgestiegen waren, gab es nasse Schirmmütze und nasses Kopftuch, das tat bei der Wärme echt gut. In der Ferne erahnten wir schon das Joch über uns. Andrea meinte nach einem kritischen Blick nach oben, das wären weniger als die verbleibenden 600 Höhenmeter Aufstieg bis dahin. sie sollte Recht behalten. Beim Einschätzen von Höhenmetern ist meine Frau echt gut.

Zunächst ging es weiterhin steil bergauf. Mit Geduld meisterten wir auch die den Weg blockierende Kuhherde. Eine weitere Trinkpause und die am Wegesrand wachsenden Blaubeeren gaben wieder Energie für die letzten 200 Höhenmeter, die tatsächlich noch weiter hinten im Talschluss auf uns warteten. Hatte ich anfangs noch gedacht, dass es gut gewesen war, das Croissant beim Frühstück nicht mehr gegessen zu haben, sah ich das zu diesem Zeitpunkt schon deutlich anders, der Brennstoff ging aus. Wie lange dauert es eigentlich, bis der Fruchtzucker der Blaubeeren in der Blutbahn ankommt? Irgendwie war mein Tank etwas leerer als am Vortag.

Endlich erreichten wir das Joch und genossen den tollen Ausblick. Es lohnte sich doch immer wieder, so einen Kilometer aufzusteigen. Mittlerweile war es dank der Höhe, des bewölkten Himmels und des leichten Windes sogar etwas frisch geworden, damit hatten wir beide nicht gerechnet. Gipfelrast gab es daher erst gute 100 Höhenmeter tiefer an einer windgeschützten Stelle. 

Die Pause tat uns beiden gut. Bei Andrea zwackten die Knie etwas, ich schöpfte wieder neue Energie. Die dunklen Wolken schräg über uns blieben friedlich, trugen aber neben den etwas wunden Füßen und den mauligen Knien zu der Entscheidung bei, für einen Teil des Abstiegs die Seilbahn zu benutzen. Das bedeutete zwar noch einmal ca. 100 Höhenmeter Aufstieg, ersparte uns aber auch ca. 600 Höhenmeter Abstieg.  

Im Tal angekommen schafften wir die letzten 750 Meter zum Hotel auch noch locker. Der Empfang dort war etwas unterkühlt, aber das Zimmer war sehr nett, die Schuhe müffelten den Schuhraum voll und unsere Wäsche wurde im zweiten Anlauf doch noch gewaschen. Auch der Saunabereich war schön. Als am Ende auch noch das Abendessen lecker war, waren wir mit unserem Hotel wieder sehr zufrieden. Dazwischen wurde noch etwas geschrieben und geplant und gedehnt und sauniert. Quasi lockeres Einstimmen auf den folgenden Ruhetag. 

Gewitter und Regen kamen übrigens gegen 17 Uhr, als wir gerade in der Sauna waren.

Tag 8, Ruhetag in Gargellen

von Ole

Am Vorabend noch kam der vorhergesagte Regen mit Gewitter. Wir hatten den Ruhetag mit drei Wochen Vorlauf perfekt auf das Schlechtwetterfenster gelegt. Manchmal gehörte ein bisschen Glück dazu. Es regnete auch am Vormittag unseres Ruhetages noch und die Berge um uns herum hingen in dichten Wolken. 

Wir genossen das leckere Frühstück im Hotel und freuten uns über die Wetteraussichten: Am Ruhetag regnerisch und erst am Nachmittag auflockernd, am Folgetag meist trocken und ab Mittag auflockernd, am Montag inneralpin eventuell noch mal etwas Regen, danach stabiler Hochdruckeinfluss.

Dementsprechend planten wir die nächsten Etappen bis zum Stilfserjoch, d.h. zusätzlich zu den schon geplanten 3 Etappen zur Jamtalhütte noch 2 weitere fest (bis Müstair) und 2 angefragt (bis zum Stilfserjoch).

Daneben bereiteten wir alles für den nächsten Beitrag vor. Insbesondere bei den Bildern fiel uns die Auswahl immer wieder schwer.

Über Mittag kauften wir ein (Käse, Frischkäse, Gurke, Nüsse und Schokolade) und schauten dann im einzigen (Berg-) Sportgeschäft des Ortes für Andrea nach neuen Schuhen. Zieht sich auch irgendwie bei unseren Weitwanderungen durch, dieses Thema. Es war absehbar, dass die Schuhe keine weiteren fünf Wochen durchhalten würden. Gleichzeitig verlief der Weg häufiger in alpinem bis hin zu stellenweise auch hochalpinem Gelände als bisher und da half ein stabilerer Schuh mit festerer Sohle psychologisch und tatsächlich. Aber die Entscheidung war nicht einfach und wurde erst einmal verschoben. Schuhe einlaufen auf einer Weitwanderung kann gut funktionieren, muss es aber nicht. Zum Glück ist Andrea mit festeren Schuhen bislang immer gut klargekommen. 

Der kleine Anstieg auf der Schotterstraße zum Restaurant für das Mttagessen gab dann letztendlich den Ausschlag. Die Chancen, besseren Halt und dadurch mehr Sicherheit zu haben, waren greifbar, die Risiken wie Blasen und wunde Füße waren hypothetisch. 

So ging es nach zwei Rösti mit Gemüse zurück zum Laden, um die Schuhe zu tauschen. Nur das mit dem Tauschen haben die in dem Laden nicht so ganz verstanden, da half auch alles Verhandeln nichts. Eine gute Entscheidung. 

Der Rest des Tages verging mit Lesen, Yoga und Dehnen, einem entspannten Saunagang und einem leckeren Abendessen.

Aus Triesenberg brachte uns der Bus die ersten Höhenmeter nach oben
Auf dem Weg zur Pfälzerhütte
Pause an der Gritsch Alm
Kurz vor der Pfälzerhütte, die im Hintergund ganz klein im Sattel zu erkennen ist
Unser kleines niedliches Zweibettzimmer in der Pfälzerhütte
Blick zurück auf die Pfälzerhütte am nächsten Morgen
Unterwegs zur Schesaplanahütte …
… in wunderschöner Landschaft
Am Hochjoch/Große Furka
Ruhe und Schatten genießen an der Schesaplanahütte
Unser Luxuszimmer mit richtiger Bettwäsche auf der Schesaplanahütte
Sie kann es einfach nicht lassen … wenn irgendwo große Steinchen liegen, auf die man vielleicht raufklettern könnte, muss sie es zumindest probieren
Der kleine Stausee am Gafalljoch
Die Querung unterhalb der Kirchlispitzen … schaut auf dem Foto irgendwie gar nicht so steil aus
Gaaaanz hinten im Sattel liegt die Carschinahütte, die wir schon seit Stunden sahen
Irgendwann war Andreas Kopf so maddelig, dass sie die Landschaft kaum noch würdigen konnte … schade eigentlich
Die Carschinahütte unterhalb der Sulzfluh
Der lange Hatscher auf einer kleinen Straße Richtung St. Antönien
Aufstieg zum Joch über St. Antönien
Und „Abstieg“ nach Gargellen mit der Seilbahn
Ruhetag in den Wolken, perfektes Timing
Der orangene Schuh wurde es am Ende

2 Gedanken zu “39. von Triesenberg nach Gargellen

  1. Liebe Andrea, lieber Ole. Schön dass Ihr mit dem Blog uns wieder mit Euch mitwandern lasst. Das macht wieder viel Freude. Unser Umzug nach Wien hat letzte Woche gut geklappt. Jetzt sind wir im Sommerurlaub in Kroatien (Das machen Wiener wohl so habe wir gehört…ist ja auch nah dran). Alle Liebe. Weiter viel Spaß auf Euren Weg. Beste Grüße. Ute und Jörg

  2. … Blaubeeren haben nur 7,4g Zucker pro 100g und sind eine der Obstsorten mit dem niedrigsten Fruchtzuckergehalt… Ihr müsst die Bananen pflücken 😉☺️…
    Weiterhin alles Gute und bleibt gesund!

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