42. von Scuol zum Stilfser Joch

Tag 13, Etappen 67 und 68, von Scuol nach Taufers i.M. bzw. nach Müstair

von Andrea

Als wir in unserem Hotel in Scoul aufwachten, hatten wir beide keine Lust. Der Tag, der vor uns lag, fühlte sich irgendwie wie ein Arbeitstag an. Das war zwar doof, aber das gehörte bei einer so langen Tour dazu, das kannten wir schon.

Der Aufbruch war ein kleines bisschen hektisch, was die Laune nicht gerade steigerte und für leichtes gegenseitig Anknurren sorgte. Wir wollten um 8:37 Uhr den Bus nach S-Charl bekommen und waren deswegen pünktlich um 7:30 Uhr beim Frühstück. Als ich dann zahlen wollte, erfuhr ich, dass die Rezeption immer erst ab 8:30 Uhr besetzt war. Das würde mit dem Bus nicht klappen und der nächste würde erst eine Stunde später fahren. Seufz. Wenn wir so früh aufbrechen wollten, sollten wir am Abend vorher zahlen, wurden wir freundlich ermahnt. Danke für den Hinweis. Auf unser Drängen hin, kam dann zum Glück doch schon etwas früher jemand, so dass wir den Bus problemlos erwischten.

Mit dem Bus legten wir dann die gesamte Etappe 67 von Scuol nach S-Charl zurück. Eigentlich sollte die Etappe durch die tief eingeschnittene Clemgia-Schlucht ganz toll sein. Allerdings war der Wanderweg inkl. Brücken bereits vor einigen Jahren durch Unwetter zerstört worden. Der Weg war seitdem gesperrt. Daher namen wir den Bus zur alten Bergbausiedlung S-Charl.

Die Busfahrt dauerte über 40 Minuten und war etwas abenteurlich. Die Straße war schmal und steil und der Abhang rechts neben mir noch steiler. Ab und zu konnten wir aus dem Busfenster einen Blick in die Schlucht unter uns erhaschen. Unglaublich. Nein, da war über weite Strecken kein Weg mehr. Und es war auch sehr verständlich, dass der Weg nicht repariert wurde, denn der wäre vermutlich bei dem nächsten Unwetter wieder weg gewesen. Die Hänge waren super steil und bestanden teilweise aus Fels und teilweise aus losem Geröll. Das Geröll würde beim nächsten Strakregen unweigerlich ins Rutschen kommen.

Angesichts der schmalen Straße und der Tiefblicke in die Schlucht, hoffte ich inständig, dass die Schweizer Busfahrer für diese Strecke eine extra Ausbildung machen mussten und nicht quasi am Tag nach der Führerscheinprüfung diese Straße hinauffahren durften. Kurz vor dem Ziel zeigte das Display im Bus an, dass wir 6 Minuten Verspätung hatten. Ich mochte mir nicht vorstellen, wie die Fahrt ohne Verspätung verlaufen wäre. Ich hätte auch gern 10 Minuten Verspätung in Kauf genommen. Am Ende meinten wir zum Busfahrer, die Fahrt wäre abenteurlich gewesen. Der zuckte die Schultern und meinte, das wäre doch fast eine Autobahn. Wir sollten mal mit dem Bus ins Val Sinestra fahren; die Straße sei viel schmaler und viel steiler. Ups. Nein danke.

Von S-Charl aus gingen wir die Etappe 68 an und machten uns gemütlich auf den Weg Richtung Passo della Chruschetta. Die Etappe 68 sollte einfach sein. Rauf ging es trotzdem und an diesem Tag erschienen uns auch knapp 500 Höhenmeter Aufstieg irgendwie viel. Beschweren konnten wir uns dabei aber nicht wirklich. Es ging wirklich gemütlich bergauf (500 Höhenmeter Aufstieg auf 6 Kilometern) und es war wirklich schön. Wir hatten endlich wieder Zirben um uns herum. Damit war ich von meinen beiden Lieblingsbäumen umgeben, von Zirben und Lärchen. Und hatte zusätzlich auch noch meinen Lieblings-Mann dabei. Nein, wirklich kein Grund für Beschwerden.

Wer sich allerdings lautstark beschwerte, war meine rechte Ferse. Die musste recht bald nach dem Start mit einem Blasenpflaster ruhiggestellt werden.

Der Passo della Chruschetta war nach den hochalpinen Pässen der letzten Tag irgendwie niedlich. Er lag zwar auch auf gut 2.300 Metern, war aber kein Vergleich zu den Pässen in der Silvretta. Entsprechend kamen wir relativ entspannt am Pass an und gönnten uns an einer Picknickbank mit Tisch (!) eine ebenfalls sehr entspannte Pause. Wir mussten uns zu Abwechslung während der Pause mal keine Sorgen machen, ob der Abstieg schwierig werden würde. Das würde er nicht. Nur lang. Sollte es doch knapp 1.100 Höhemeter runter gehen verteilt auf etwa 9 Kilometer.

Und lang wurde es dann auch. Der erste Teil des Abstiegs war etwas steiler. Um mein linkes Knie, das leicht maulig war, zu entlasten, legte ich links die Bandage an, die wir für solche Zwecke extra dabei hatten. Damit war das linke Knie sehr zufrieden. Und was tat das rechte Knie dann? Richtig, es fühlte sich benachteiligt und fing entsprechend an zu maulen. Na super. Eigentlich hätte ich alle 10 Meter die Bandage von links auf rechts und dann wieder zurück wechseln müssen. Da wurde es mir doch echt zu bunt. Ich stellte die Kommunikation mit meinen Knien für den Rest des Abstiegs einfach ein. 

Oles Körper wollte beim Motzen dann auch gern mithalten. Keine Ahnung, was am Motzen so toll war. Dass es dann Sonderbehandlungen und extra Streicheleinheiten gab? Vermutlich. Jedenfalls begann im Abstieg Oles linkes Schienbein wehzutun. Auch super. Wir hatten zwar auch für ihn eine Bandage dabei, aber halt fürs Knie, nicht fürs Schienbein. Aber vermutlich hatten unsere Körper auch einfach das Gefühl, dass es ein Arbeitstag war.

Es ging dann weiter recht gemütlich bergab, vorbei an mehreren Almen, die zwar alle noch bewirtschaftet waren, aber keine Einkehr anboten. Und mit jedem Meter runter wurde es wieder mal wieder wärmer. Diese Sauna in voller Montur und mit Gepäck jeden Nachmittag war echt etwas mühsam.

Schließlich bogen wir von der Via Alpina ab und steuerten Müstair an. Eigentlich war Taufers (im Münstertal) das Ziel, aber dort hatten wir keine Unterkunft bekommen. Müstair lag nur etwa 2 Kilometer entfernt auf Schweizer Seite. Dort hatten wir ein Hotelzimmer gebucht. Natürlich deutlich teurer als in Südtirol. Wir freuten uns mal wieder, dass uns der Preis angesichts einer gut gefüllten Urlaubskasse nicht davon abhielt, uns schöne Unterkünfte auszusuchen.

Um 15 Uhr erreichten wir das sehr schöne Hotel in Müstair und wurden freundlich empfangen. Ein uraltes Haus, schön restauriert und geschmackvoll eingerichtet. Einfach toll. Auch unser Zimmer mit Holzdecke und Holzbalken gefiel uns sehr gut. (Machte nur die Mückenjagd am Abend etwas schwierig.)

Nach einer Dusche kauften wir noch Proviant für den nächsten Tag ein, aßen in einem Café Kuchen und Eis und gingen dann zum Bloggen, Dehnen und weiteren Planen ins Zimmer. Ich kümmerte mich beim Dehnen vor allem um die Muskelatur rund um die Knie und bearbeitete diese zusätzlich mit dem Blackroll-Ball, der auf längeren Touren immer dabei war. Das wirkte Wunder. Ich sollte meine Knie am nächsten Tag tatsächlich gar nicht merken.

Abendessen gab es im Hotel. Bloß keinen unnötigen Meter mehr gehen! Es gab zwei Vorspeisen und zwei Hauptgerichte (Nudeln mit Garnelen und Tagliata mit Gemüse), die wir jeweils teilten. Man konnte deutlich schlechter leben. Und es gab definitiv deutlich schlimmere Arbeitstage!

Dann ging es ins Bett. Bei der Mückenjagd blieben wir erfolglos. Am nächsten Tag juckte trotzdem nix. Oder konnten wir mittlerweile das Sirren einer Mücke schon nicht mehr vom Sirren einer kleinen Fliege unterscheiden?

Tag 14, Etappe 69, von Müstair zur Oberen Stilfser Alm 

von Ole

Der Wecker klingelte wie fast üblich um 07:00 Uhr. Die Mücke hatte uns anscheinend verschont. Nur hatte ich leider dem Kirchturm in der Nacht zu lange zugehört. Trotzdem war ich einigermaßen fit und hatte auch weniger als am Vortag das Gefühl „zu arbeiten“ und etwas machen zu „müssen“. Aber wir kannten ja diese Tage, die für den einen oder den anderen etwas mühsamer waren. Die gehörten dazu. Umso schöner, dass dies trotz der deutlich schwereren Etappe heute anders war. 

Das Frühstück war regional, klein, fein und lecker. Und beim Müsli mit Joghurt und frischen Beeren bekamen wir auch einmal Wanderernachschlag an Haferflocken. 

Um 08:35 Uhr kamen wir los. Wir fanden die kleine Gasse direkt hinter dem Hotel und den Weg Richtung Startpunkt. Wir waren ja in Müstair und nicht in Taufers, mussten also erstmal zur Via Alpina kommen. Gleichzeitig waren die GPS Koordinaten des Via Alpina Downloads für diese Etappe so dürftig, dass wir uns zwei lokale Touren rausgesucht hatten, die unsere Tour halbwegs abdeckten. Gut, das fehlende Stück hinter dem Joch würden wir schon anhand der Wege in der Karte irgendwie zusammen setzen können.

Erst verpassten wir den richtigen Abzweiger und durften 50 Meter zurück gehen, dann wurde der Pfad immer schmaler und abenteuerlicher. Hier sollte es hinauf gehen? Wir suchten ein bisschen rechts und links und fanden den richtigen Weg. Und ja, der ging mal von Anfang an ohne Kompromisse steil den Berg hoch. Das hatten wir schon gehört und gerechnet: 1.200 Höhenmeter auf 5 Kilometern bis zum Joch, das war nahe dran am Zugspitzaufstieg über die Wiener-Neustädter Hütte und den Stopselzieher (1.800 Höhenmeter auf 6 Kilometern und da war ein Teil ein Klettersteig!). Und das mit Knie, Fersen und Schulter und bei der Steilheit logischerweise kurz darauf auch mit Wade. Und mit halt doch etwas mehr Gepäck, als man für eine Tagestour auf die Zugspitze mitnehmen würde.

Fersen und Knie spielten großartig mit und die Waden, hm, na ja. Ab und zu mal umdrehen mit Fußspitzen bergab etwas ausruhen und die Waden entlasten, das half ein wenig. Und an den besonders steilen Stellen half unsere 1,20 Meter Bandschlinge, mit der ich Andrea 4 bis 5 Mal unterstützen konnte, indem ich ihr einen leichten Zug nach oben gab.

Immerhin fielen bei der Steigung die Höhenmeter auch bei langsamen Gehtempo rapide. Zwischendurch kleine Trinkpausen, bei denen wir den Rucksack und alles, was tunterfallen konnte, sorgsam festhielten. 

Aus Fichten wurden Lärchen und aus Lärchen langsam wieder Zirben, die uns zuerst durch die vielen ausgepulten Zapfen (der Zirbengratsch oder Tannenhäher ließ grüßen) auffielen. 

Nach 800 Höhenmetern Aufstieg fanden wir ein flacheres Fleckchen, auf dem wir die Rucksäcke gefahrlos abstellen konnten. Ich hatte zwei Zirbenzapfen gefunden und wir pulten selbst einige der Zirbelnüsse heraus und aßen sie. Dabei lernten wir, daß diese nicht nur unter den harten Schuppen versteckt, sondern noch in einer zusätzlichen harten Schale eingeschlossen waren. Also, so elegant wie mancher Zirbengratsch bekamen wir das Aufpulen nicht hin. Da es auch sehr mühsam war, stiegen wir auf bereits gepulte Erdnüsse und Cashew sowie Trockenobst um.

Kurze Zeit später erreichten wir endlich das Almgelände oberhalb der Baumgrenze und der Weg verlief etwas flacher. Dafür wurde es wieder sonniger. Die Murmeltiere pfiffen und liefen um uns herum, der Blick auf den Piz Chavalatsch und die anderen Berge war wieder einmal beeindruckend. 1.000 Höhenmeter aufsteigen und die Welt änderte sich.

Die letzten 200 Höhenmeter zum Joch hatten es dann noch einmal in sich. Erst über den Almboden in netten Serpentinen, dann verlief der Weg plötzlich noch einmal eher als Diretissima den Hang hoch. Dafür gab es kurz vor dem Joch den Blick Richtung Reschenpass, über den wir für unseren Urlaub im Vinschgau im Mai 2021 gefahren waren. Wieder hatten wir Gebiete zu Fuß miteinander verbunden, in denen wir schon gewesen waren.

Nach einer letzten Querung zum Joch hatte dann der König seinen Auftritt, König Ortler. Noch von Gletschern bedeckt und wirklich majestätisch mit seinen etwa 3900 Metern. Was für ein Geschenk. Und unter uns das Vinschgau mit den vielen kleinen Orten, in denen wir im Mai 2021 gewandert waren und geklettert hatten. Wir genossen die wohlverdiente Pause mit Ei, Paprika, scharfem Humus und Käse sehr. Einzig die noch unklare Wegfindung machte uns etwas Sorge, für die nächsten 3 Kilometer hatten wir keinen Track.

Als Kopf und Beine sich etwas erholt hatten, fanden wir im zweiten Anlauf auch den richtigen Abstieg Richtung Lichtenbergalm. Als wir den breiten Almweg erreichten, wähnten wir uns trotz der noch vor uns liegenden ca. 6 Kilometer fast am Ziel. Konnte denn einer ahnen, dass wir einen Kilometer später wieder nur einen kleinen Pfad hatten, der noch dazu an jedem Ausläufer des Berges über uns wieder hoch ging? Ääh, ja, hätte man, wenn wir etwas genauer auf die Höhenlinien geachtet hätten. Aber wir waren so froh, nicht komplett nach Stilfs absteigen zu müssen, dass wir in Summe vielleicht 200 weitere Höhenmeter einfach übersehen hatten. Wären ja auch normalerweise kein Thema, aber unsere Beine, Fersen, Knie und Waden hatten ja schon 1.200 Höhenmeter hinter sich. Zum Glück merkte ich mein mauliges Schienbein im Aufstieg nicht …

Ein paar Regentropfen schreckten uns aus unserem Gejammer auf. Das musste nun wirklich nicht sein. „Da vorne wird es heller“, und zum Glück hörte der Regen noch einmal wieder auf. Eine letzte Trinkpause gut 2,5 Kilometer vor der Hütte. Der Himmel wurde wieder deutlich dunkler, der König war schon in den Wolken. Andrea gab Gas. Konnte mir mal bitte jemand erklären, wo sie diese Energie plötzlich hernahm? Ich wollte auch was davon! Auf Flachstücken musste ich manchmal echt sehen, das ich hinterher kam. Kurze Abstimmung, ja, sie flitzte so wegen des drohenden Regens, und ich sah zu, dass ich hinterher kam.

Einen Kilometer vor der Hütte das letzte Foto vom Ortler. Ich übernahm die Führung als die ersten Tropfen wieder fielen. Eine kurze Gnadenfrist schenkten sie uns noch, wir nahmen sie dankend an. Um 16:00 Uhr stolperten wir in die Almhütte, während hinter uns der Regen stärker wurde. Manchmal gehörte ein bisschen Glück dazu. Die nächsten Stunden hörten wir das Prasseln des Regens häufiger.

Wir wurden sehr freundlich empfangen und bekamen sogar noch ein Stück Kuchen (Zwetschge und Apfelstrudel). Das Essen fiel allerdings etwas schwer, jede Bewegung war eine Bewegung zuviel. Wir bezogen zwei Betten im Lager unter dem Dach und machten uns kurz frisch. Nach kurzer Erholungspause fingen wir tapfer an zu schreiben.

Um kurz nach 18:00 Uhr gab es Essen mit Frittatensuppe, Salat, Pfifferlingsgnocchi und Joghurt mit Beeren.Wir wagten einen letzten Blick vor die Tür und zogen uns schnell in unser Lager zurück. Es war kalt und nass draußen. Mit Lesen ging der Tag entspannt zu Ende.

Tag 15, Etappe 70, von der Oberen Stilfser Alm zum Stilfser Joch

von Ole

Wir hatten trotz einer Geburtstagsfeier auf der Alm mit Ohrstöpseln sehr gut geschlafen. Leise – im Nebenzimmer schnarchte es noch – packten wir die Rucksäcke und schafften es trotz der Dachschrägen ohne Beulen und ohne den Schnarcher zu wecken zur Treppe. Das Frühstück war lecker, ich trank frischen Kaffee, es sollte an diesem Tag nicht der einzige bleiben.

Nur der Anblick einiger der Gäste, die gefeiert hatten, in Unterwäsche trug nicht gerade mit zusätzlicher Ästhetik zu unserem Wohlbefinden bei. Gleiches galt für die Lautstärke der Unterhaltung und den Zigarettenqualm, als wir draußen die Schuhe anzogen und die Rucksäcke aufsetzten. 

Dann war wieder Stille. Der Regen vom Vorabend hatte sich verzogen, es war kühl und der Himmel strahlend blau mit wenigen Wolken. Der Ortler grüßte von der Seite. Ich hatte Spaß, während Andrea sich ein wenig über den angeblich schweren Weg auf der Etappe zum Stilfser Joch Gedanken machte.

In nicht ganz leichtem Auf und Ab, unsere Beine waren ziemlich lahm und freuten sich auf einen Ruhetag, ging es Richtung Furkelhütte. Der Abschnitt dauerte länger als erwartet. Andrea wurde etwas unruhig, zu viel Ungewissheit noch auf dem weiteren Weg nach oben. Und ich sammelte Blaubeeren und es erschien auch noch ein Adler am Himmel. Dass es tatsächlich ein Adler war, meinten nicht nur wir beide, sondern auch die panisch pfeifenden Murmeltiere. Cool. Und passend zum Adlerweg, der hier entlang verlief. Ich gab allerdings nach einigen verzweifelten Fotoversuchen auf. Ja, wir hatten das Teleobjektiv nicht mitschleppen wollen und das war auch gut so.

Wir gaben schließlich ein bisschen Gas und erreichten die Furkelhütte gegen 10:15 Uhr. Ein Schorle, ein Stück Kuchen, ein Espresso Macchiato, zwei Toilettengänge und anderthalb Liter Wasser in den Flaschen aufgefüllt später ging es nach 30 Minuten weiter. 

Es folgten ein weiterer Anstieg und nach zuletzt ziemlich einsamen Wegen ziemlich viele Menschen um uns herum. Was manchmal nervig war, war diesmal gut. Mit jedem, der uns mit zu viel Gewicht (nicht im Rucksack), zu leichten Schuhen (nein, kein Daniel oder Kilian Jornet, die alle möglichen schweren Touren in Zustiegsschuhen machten) oder etwas wackelig entgegen kam, löste sich der Knoten in Andreas Bauch mehr auf. Jetzt konnte auch sie den Weg und den Ausblick auf die Ortlergruppe genießen.

Irgendwie würden wir schon schaffen, aus gefühlten 100 Fotos vom Ortler ein paar für den Blog auszusuchen, ähäm.

Der Rest war trotz Anstieg, am Ende in Summe auch ca 1.100 Höhenmeter, und einigen Stellen, an denen man mal nicht stolpern durfte, einfach toll. 

Genial auch unser Pausenplatz, natürlich mit Ortlerblick. Nur der über diesem kreisende Rettungshubschrauber machte uns nachdenklich. Wir waren in Gedanken bei der Person, die da vermutlich gesucht wurde. Kurz vorher hatten wir einen lauten Knall gehört, eventuell eine Eislawine? Wir konnten auf die Distanz aber nichts erkennen.

Kurz vor dem Stilfser Joch sahen und hörten wir erstmals die Straße, vorher lag sie tief im Tal versteckt mit ihren 48 Kehren. Um 14:30 Uhr erreichten wir das Rifugio Garibaldi oberhalb des Stilfser Jochs. Und ja, ein bisschen fitter wurden wir langsam trotz der lahmen Beine vom Vortag.

Ich rief den Taxiunternehmer an (wir hatten beschlossen, das Stilfser Joch nicht zu Fuß zu verlassen und auch nicht auf den Bus am späten Nachmittag zu warten) und ja, er konnte auch etwas früher kommen (vereinbart war eigentlich 16:30 Uhr), es würde nur aus Bormio etwas dauern, gute 20 Kilometer und 1.500 Höhenmeter tiefer. Wir waren entspannt, wir hatten es aufs Stilfserjoch geschafft, wir hielten sogar den Trubel der Autofahrer, Radfahrer und Motorradfahrer um uns herum gut aus. Auch wenn das ein echter Kulturschock war. Wir freuten uns auf unsere Freunde Tanja und Sepp, die wir im Hotel in Bormio treffen würden, und auf den anstehenden Ruhetag.

Sehr entspannt kurvten wir ca. 40 Kehren gen Bormio. Hier hatten wir uns in einem edlen Kurhotel einquartiert. Einerseits hatten Tanja und Sepp es uns empfohlen. Andererseits gab es rund um Ferragosto in Italien nicht wirklich viel Auswahl. Ein bisschen komisch war uns dennoch beim Anblick des edlen rosa Kastens, vor dem der Taxifahrer uns heraus ließ.

Das sah 5 Minuten später anders aus. Von ihrem Balkon im ersten Stock aus strahlten uns Sepp und Tanja an und am Empfang wurden wir auch sehr freundlich begrüßt. Nur die Frage nach einem Parkplatz für unser Auto sorgte nach der Antwort „wir sind zu Fuß“ für kurze Irritation. Aber bald danach wurde uns in der Therme bestätigt, das wir uns für einen Ruhetag keinen besseren Ort hätten aussuchen können. Na dann.

Abendstimmung in Müstair
Blick vom Bus in die Clemgia-Schlucht, die hier im Oberlauf schon sehr flach und breit war
Gemütlicher Start von S-Charl Richtung Passo della Chruschetta
Gemütliche Watstelle
Niedlicher Passo della Chruschetta
Gemütliche Pause
Gemütlicher Abstieg vom Pass
Immer noch gemütlich
Kurz vor Müstair … wenn nur die Sauna in voller Montur am Nachmittag nicht wäre
Zirbenzapfen: „Neu“ und nach der kunstvollen Bearbeitung durch einen Zirbengratsch
Auf dem Almgelände wurde es nach dem „senkrechten“ Wald endlich etwas flacher … das Joch in der Mitte hinten war unser Übergang in eine neue Welt
Und der Weg dorthin zog sich … besonders mit müden Beinen nach dem steilen Aufstieg
Blick schräg zurück Richtung Reschenpass
Blick schräg nach vorn auf das Vinschgau
Der Weg zur Stilfser Alm war noch lang
Erster Auftritt von König Ortler
Endlich auf der Stilfser Alm. Nach dem Ausziehen des ersten Schuhs erstmal Pause, dann den zweiten Schuh langsam angehen.
Der Weg von der Stilfser Alm zum Stilfser Joch kannte fast nur ein Motiv, den Ortler.
Kleiner Mensch vor großem Berg.
An einigen Passagen unterwegs sollte man besser nicht stolpern.
Ups, es kommen noch ein paar Fotos von diesem Berg, der hat uns so sehr fasziniert.
Blockgelände gab es unterwegs auch, langweilig war es nicht
Schon gar nicht mit dem Blick
Zwischendurch auch mal fast flach und gemütlich
Und immer wieder …
… der Ortler …
… auf fast jedem Abschnitt des Weges …
… an fast jeder Ecke …
… und natürlich auch beim Picknick.
Noch Fragen?
Cool, so eine Kamera, mit der man Panoramabilder machen kann
Hier beim Gehen schön auf die Füße achten und nicht auf die Aussicht
Die Straße, die von Prad in 48 Kehren zum Stilfser Joch hinaufführt
Und die Straße, die auf der anderen Seite nach Bormio hinunterführt
Blick vom Rifugio Garibaldi auf das Gewusel am Stilfser Joch … Kulturschock
Warten auf das Taxi an einem Parkplatz. Wenig schön, aber sehr gut für die Knie.

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