43. von Sulitjelma nach Ritsem 

Fakten

  • 99 km an 5 Wandertagen
  • Richtig viele Wanderer getroffen, hier ist jetzt Saison
  • “I’ve waded so many rivers …”, langsam können wir die Aussage des älteren Paares in 2009 verstehen
  • Viel zu viele Mücken

Tag 58

von Ole

Ein Traum. Ohne Worte. Zum Genießen. Das alles dachten wir auf der Etappe ab Sulitjelma. Doch der Reihe nach.

Wir fuhren für einen größeren Obulus von 800 NOK mit dem Besitzer des Sulitjelma Turistsenters nicht nur zur Sulitjelma Fjellstue, sondern noch einen guten Kilometer weiter, bis der Schnee die Straße versperrte. Wir hätten echt gekotzt, wenn wir erst die 8 km vom Sulitjelma Turistsenter runter in den Ort und dann die 600 Höhenmeter rauf zur Sulitjelma Fjellstue zu Fuß hätten gehen müssen. So schön war der Weg auf der Straße nicht.

Das Schneefeld, das die Straße versperrte, war ziemlich steil und ich sah den Abhang … es war mir unheimlich. Wir kamen aber gut hinüber. Kurze Zeit später trafen wir auf den Wanderweg und fanden uns in einer großartigen Berglandschaft wieder. Natürlich war noch Winter. Was für ein Gegensatz zum Tal unten. Die Temperatur passte, es war noch warm genug und der Wind kühlte. Der Wind vertrieb auch über weite Strecken die lästigen Insekten. Der Boden war steinig, so dass es kaum Modder gab, auch wenn die Schneeschmelze in vollem Gang war.

Erst bergauf, dann zu zwei Flüssen hinab, die wir durchwateten. Das störte uns an dem Tag gar nicht. Wir erinnerten uns an die Aussage des alten Paares damals in 2009 auf dem Nordkalottleden: “We have waded so many rivers, we don‘t care anymore.” Jetzt waren wir selbst soweit.

Dann ging es weiter oberhalb eines eisbedeckten Sees, der im Sonnenlicht immer neue Bilder bot, hohe Berge im Hintergrund. Wir stiegen dann 200 Höhenmeter auf, konnten sogar in weiter Ferne noch einmal den Balvatnet sehen und das Tal, durch das wir ihn erreicht hatten. Lange her. Andrea entdeckte eine Herde Rentiere oben an einem schneebedeckten Berghang, ich später eine weitere auf einem Schneefeld. Wir genossen jeden Moment.

Wir überholten sogar zwei Wanderer. Als die dann später zu der Hütte kamen, an der wir ein ausgiebiges Mittag verzehrt hatten, hatten wir unsere Pause dort schon beendet. Doch vorher ging es noch in einen weiteren Talkessel mit viel Schnee und See mit Eis. Die in unserer Beschreibung angekündigte Sommerbrücke über einen Fluss existierte leider nicht – dort war auch eindeutig noch kein Sommer – dafür nutzten wir eine Winterbrücke aus Schnee. Dann ging es noch einmal 100 Höhenmeter hoch und schließlich lange runter zu einem weiteren eisbedeckten See. Das mit dem Angeln funktionierte hier noch nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Kurz vor der Sorjushytta querten wir noch einmal einen Bach. Wir ließen dafür die Schuhe an, denn durch den mittlerweile weichen Schnee hatte ich eh wieder sehr nasse Füße, da war das auch egal. Dann verstiegen wir uns kurz. Der Schneehang, der eine Abkürzung zur Hütte gewesen wäre, war uns zu steil. Wir kehrten um und querten den Fluss noch zweimal, einmal auf einer Schneebrücke, dann auf einer richtigen Brücke.

Kurz vor der Hütte dann noch eine Schrecksekunde, Andrea brach durch die Schneedecke ein, die ich gerade noch überquert hatte. Sie stand mit beiden Füßen plötzlich 80 cm tiefer. Zum Glück war ihr nichts passiert. Das war der Nachteil von Sommer und warmen Temperaturen, der Schnee taute und wurde morsch.

So genossen wir dann auf der Bank an der Sorjushytta unsere Pause. Eine Wanderin kam kurz nach uns aus der Gegenrichtung an und erzählte völlig genervt, dass es das schlimmste Stück Weg gewesen sei, dass sie je gelaufen sei – und sie sei seit dem 31. Mai unterwegs, also vermutlich vom Nordkap losgelaufen. Sie meinte, die schwedischen Wege seien die letzten 10 Tage so toll gewesen und kaum passiere sie die Grenze nach Norwegen, werde alles wieder schlecht. Sie sagte dann noch, dass sie auch unbedingt und ganz dringend etwas zu essen bräuchte. Wir konnten nur hoffen, dass der beeindruckende Frustausbruch vor allem dem Hunger zuzuschreiben war. Wir hatten unsere Erwartungen an den Rest des Tages jedenfalls mal vorsichtshalber deutlich runter geschraubt, rechneten mit einem bösen Drachen auf dem weiteren Weg.

Nach 6 km sollte eine Brücke kommen, weitere 6 km dahinter die nächste Hütte. Es war 15:30 Uhr. Wir entschieden, noch bis zur Brücke zu gehen und danach einen Zeltplatz zu suchen. Der Weg ging am Seeufer entlang, viel Schnee, viele kleine Schmelzwasserbäche, die den Schnee ausgehöhlt hatten, aber nichts, was wir nicht schon gehabt hätten. Vorsichtig gingen wir weiter, irgendwo musste der böse Drache ja noch kommen.

Irgendwann legte ich dann eine Bauchlandung hin, als ich plötzlich deutlich tiefer in den Schnee einsackte als erwartet und mich nicht mehr auf den Füßen halten konnte. Meine Bauchlandung ging zum Glück gut aus. Ebenso der zweite Einbruch in den Schnee von Andrea, bei dem sie plötzlich bis über die Gamasche im Wasser eines Baches stand. Und ja, der Schneematsch war anstrengend zu gehen, aber den Drachen haben wir nicht gefunden.

Wir erreichten die Brücke, machten noch eine jetzt leider wieder mückige Pause und gingen dann auf schon deutlich weniger Schnee Richtung schwedischer Grenze. Manchmal komisch, wie in diesen Bergen ein paar Kilometer so einen großen Unterschied ausmachen konnten. Wir waren noch immer auf der gleichen Höhe, ca. 850 Meter ü. NN. In Schweden lag deutlich weniger Schnee als in Norwegen.

Die Grenze passierten wir problemlos, dort stand eh nur ein Schild. Kurze Zeit später fanden wir einen schönen Zeltplatz in guter Lage. Nur die Mücken störten beim Aufbau, Kochen und den Verrichtungen nach dem Essen schon sehr, vor allem da es mittlerweile fast windstill war. Im Zelt hatten wir dann unsere Ruhe. Das tat sehr gut, nachdem wir in der vorangegangenen Nacht doch wieder einige Quälgeister in unserem Zimmer gehabt hatten, die uns neben der Wärme vom Schlafen abgehalten hatten.

Insgesamt haben wir an dem Tag 12 Wanderer getroffen. Die meisten uns entgegen kommenden fragten, ob da in Norwegen noch viel Schnee sei. Ja, da war noch viel Schnee. Uns hat der – mal von meinen nassen Füßen und dem ermüdenden Gehen abgesehen – nicht wirklich gestört. Dafür war die Landschaft einfach zu schön. Und wir hatten auch schon deutlich mehr Schnee gehabt.

Tag 59

von Ole

Der böse Drache kam doch noch. Dann fast Urlaub. Und am Ende noch einmal Arbeit.

Wir hatten einigermaßen gut geschlafen, es war nicht zu kalt gewesen, es hatte nur zwischendurch etwas geregnet. Andrea machte Frühstück und berichtete von deutlich weniger Mücken als am Vorabend. Als ich mich nach dem Essen aus dem Zelt traute, war die Dichte der Mücken allerdings schon fast wieder so hoch wie am Vortag. Also schnell Zelt abgebaut und verpackt.

Und dann die Schlammschlacht begonnen. Denn das war es jetzt. Den ganzen Hang floss das Schmelzwasser hinunter. Dazwischen noch ausreichend nasser Schneematsch, meine Füße waren nach 5 Minuten feucht und nach 15 Minuten klatschnass. Doof. Die 4 km bis zur Hütte Sårjesjaurestuga (STF) waren ein echter Kampf mit dem Drachen. Wir waren schwer genervt.

Endlich an der Hütte folgten zwei Toilettengänge und ein netter Plausch mit dem Stugvård. Er meinte, der See habe den höchsten Wasserstand am 13. Juli gehabt, als er angekommen sei, danach sei der Wasserstand kontinuierlich gefallen und seit dem Vortag wieder gestiegen. Kein Wunder bei dem ganzen Schmelzwasser am Hang. Die nächsten 6 km bis zur Staddajåhkastuga seien aber deutlich besser, meinte er.

Nach ein paar Tropfen Regen am Vormittag waren wir mit Regenschutz am Rucksack aber ohne Regenkleidung gelaufen. Auf dem weiteren Weg zogen wir die Regenjacken an, die Entscheidung war richtig, denn es fing wieder an zu tröpfeln.

Kurz vor der nächsten Hütte merkten wir beide, dass der ersten Pause die Kalorien gefehlt hatten. Die letzten Meter zogen sich echt.

Aufgrund der Mücken bezahlten wir die Tagesgebühr und machten eine sehr schöne Pause in der Hütte. Mit Brot und Fertiggericht, mit Mineraldrink und Tee und mit viel Schokolade und einem kurzen Nickerchen, bevor es weiterging. Wir wollten noch 12 km bis zur nächsten Hütte schaffen.

Die ersten 6 km davon waren fast wie Urlaub. Die Regenjacken waren wieder im Rucksack verstaut. Es wurde einer der am besten unterhaltenen Wege, die wir bis dahin gesehen hatten. Planken über Mooren, gut ausgetretener Trampelpfad, dazu nette Ausblicke, es war echt schön. Ich hatte neue trockene Socken an den Füßen und Plastiktüten darüber, genoss daher sogar trockene Füße. Das Experiment mit den Plastiktüten werde ich auf jeden Fall fortsetzen. Der einzige Schönheitsfehler war ein etwas breiterer und leider tieferer Fluss, über den es tatsächlich keine Brücke gab. Skandal. Wir gingen dann wieder mit fest geschnürten Gamaschen. Das hätte auch gut funktioniert; leider bin ich beim vorletzten Schritt von einem Stein abgerutscht, so dass ich den letzten Schritt ins tiefe Wasser machen musste – ging leider bis oberhalb der Gamasche. Der Ausstieg war dann unglücklich, ich wälzte mich irgendwie die Böschung hinauf, dabei schlug ich mir das rechte Knie an.

Die zweiten 6 km waren dann wieder Arbeit. Die Regenfront hatte uns eingeholt, wir zogen die Regenjacken wieder an, leider nicht die Regenhosen. Schwerer Fehler. Wir waren einfach etwas zu faul und setzten darauf, die Sachen in der Hütte schon wieder trocken zu bekommen. Das hat bislang noch in jeder Hütte funktioniert. Der Regen war leider diesmal deutlich stärker als am Vormittag. Unsere Hosen waren schnell so durchnässt, dass uns das Wasser die Beine herunter und damit von oben in die Schuhe lief. Meine Plastiktüten füllten sich langsam aber sicher mit Wasser. Echt Spitze. Aquarium!

Da der Weg weiterhin gut war und sogar zwei große Brücken hatte, erreichten wir mit immerhin nur ein bisschen Kampf wie zwei begossene Pudel die Hütte Staloluokta. Es war ein bisschen wie nach Hause zu kommen, denn 500 Meter vor der Hütte zweigte der Padjelantaleden ab, den wir 2014 gegangen waren. Ab dort kannten wir die nächsten Etappen. Auch die Hütte erkannte ich von der letzten Brücke aus wieder. Dann kam der Schock, sie war mit ihren 42 Plätzen fast komplett belegt. Wir hatten auch an dem Tag wieder viele Wanderer getroffen (13 + 2 Zelte), aber mit so vielen Menschen in der Hütte hatten wir nicht gerechnet.

Wir kamen zu zwei einzelnen Wanderern in ein ziemlich kleines Vierbettzimmer. Wir konnten kaum die nassen Rucksäcke auspacken, so wenig Platz blieb uns. Doof. Es fehlte komplett die gemütliche Atmosphäre der norwegischen Hütten. Es gab kleine Schlafzimmer, einen großen Aufenthaltsraum wie in einer Jugendherberge und einen Trockenraum, der für vielleicht 10 Personen gereicht hätte, aber nicht für 42. Und wir hatten zwei klatschnasse Hosen und ich vier klatschnasse Socken zu trocknen! Wir machten das Beste daraus, gingen noch kurz im fünf Minuten entfernten Sami-Kiosk einkaufen (Olivenöl, Schokolade, Knäckebrot, Cider), aßen dann in Ruhe zwei Fertiggerichte mit 400 kcal Olivenöl aufgepeppt. Damit hatten wir an dem Tag zwar in Summe drei Fertiggerichte gegessen, was ja nun mal nicht unserer Planung entsprach, aber wir waren bis dahin gut unterwegs gewesen, in Ritsem würden wir notfalls Nachschub bekommen. Und an den nächsten Hütten würde es auch kleinere Shops geben und wir konnten die Kalorien gut gebrauchen.

Danach tranken wir den Cider noch standesgemäß in der Sauna der Hütte, die keider nur etwas zu weit weg war, Regen und Mücken wollten und bekamen ihren Tribut. Sauber ging es ins Bett. Mücken wurden noch gejagt, ich schrieb noch Reisebericht, während draußen der Regen immer stärker pladderte. Schön, nicht im Zelt zu liegen, auch wenn in dem Zimmer sicherlich noch ein paar sirrende Plagegeister waren.

Tag 60

von Andrea

Wir hatten beide nur sehr wenig geschlafen. Dank des Zimmers direkt an der Küche mit entsprechendem Geklapper bis spät abends und ab früh morgens, dank ununterbrochen schnarchender Zimmergenossen und vor allem dank der ständigen Mückenangriffe auf unser Blut und unsere Nerven. In der Hütte wimmelte es von Mücken, es war aussichtslos, alle Mücken in unserem Zimmer zu erlegen – bei jedem Öffnen der Tür zum Gang kamen einige neue hinzu. Wir brachten beide die Nacht nur irgendwie hinter uns. Mit entsprechend schlechter Laune und SEHR müde standen wir gegen 8:00 Uhr auf, dann mussten wir wenigstens das Geklapper und Geschepper aus der Küche nicht mehr ertragen. Ich holte meine vom Vortag noch immer nasse Hose aus dem ziemlich witzlosen Trockenraum und zog sie an. Sie war kalt, meine Unterhose wurde feucht, aber es war mir eh alles egal und so schützte ich meine Beine wenigstens vor neuen Mückenstichen.

Zum Glück war es in der Küche noch nicht so voll, so dass wir ohne Ringkampf Wasser für unser Frühstück heiß machen konnten und halbwegs in Ruhe frühstücken konnten. Für Gedränge hätte die Länge unserer Lunten bei Weitem nicht ausgereicht. Schmecken tat uns das Frühstück an dem Morgen allerdings nicht.

Als Ole nach dem Frühstück in den Trockenraum ging, um nach seiner Hose, seinem Shirt und vor allem seinen zwei Paar Strümpfen zu schauen, gab es einen gepflegten Wutausbruch, da alles noch nass war. Angesichts seiner ständig nassen Schuhe und damit auch Strümpfe, die er im Laufe eines Tages teilweise mehrfach wechselte, war es natürlich ein beschissener Start in den Tag, wenn die Strümpfe morgens noch nass vom Vortag waren. Im Zelt muss man das zwangsläufig in Kauf nehmen, wenn nicht gerade die Sonne scheint. Dass man in einer Hütte seine Sachen nicht trocknen kann, weil der Trockenraum einfach ein Witz ist, war für uns eine neue Erfahrung. Damit bekommt die Hütte Staloluokta in der Kombination aller Faktoren den Ehrenplatz der bisher mit Abstand schlechtesten Hütte – wobei sie gleichzeitig auch die bisher mit Abstand teuerste Hütte war. Eine Sauna ist ja nett, aber eben nur ein “nice to have”. Ein absolutes “must have” ist das Trocknen von Kleidung.

Dass die Hütte so teuer gewesen war und wir eigentlich im Zelt besser aufgehoben gewesen wären (immerhin ohne Mücken und Schnarcher und mit genauso nassen Klamotten am nächsten Morgen), war insbesondere ärgerlich, weil wir nur noch wenig schwedisches Bargeld hatten und man die Hütten in Schweden mittlerweile wohl nur noch bar bezahlen konnte. (Bei den norwegischen unbewirtschafteten Hütten konnte man den Betrag auch hinterher überweisen, was wir in der Regel machten, weil wir dann viel weniger Bargeld brauchten.) Wir brauchten auch noch 500 schwedische Kronen für das Boot, dass uns von der letzten Hütte über den Akkajaure nach Ritsem bringen würde, damit konnten wir uns noch maximal eine weitere Hüttenübernachtung leisten. Wir könnten noch jeden Tag Mittagspausen in den Hütten machen (dafür zahlt man eine “day fee”) und abends an den Hütten zelten (für eine “tent fee”), aber für Übernachtungen in den Hütten waren wir mittlerweile zu knapp bei Kasse.

Übrigens sind unserer Meinung nach die “day fee” und die “tent fee” im Vergleich zur Übernachtung erstaunlich billig, wenn man überlegt, dass man immerhin meistens Gas und/oder Holz verbraucht, was im Unterhalt der Hütte am teuersten sein dürfte, weil es entweder mit dem Hubschrauber oder im Winter mit Schneemobilen zur Hütte geschafft werden musste.

Unsere massive schlechte Laune wurde ein wenig zurecht gerückt, als wir eine junge Frau sahen, die so sehr humpelte, dass sie aus eigener Kraft den Bereich der Hütte sicher nicht mehr verlassen würde. Es tat schon weh, ihr bei dem Versuch zuzuschauen, nur die etwa 100 m zur Toilette zurückzulegen. Immerhin gab es von Staloluokta aus einen regelmäßigen Hubschraubertransfer sowohl nach Ritsem als auch nach Kvikkjokk, so dass es für sie nicht schwierig gewesen sein dürfte, zurück in die Zivilisation zu kommen … nur teuer. Auf Oles auf englisch gestellte Frage, was ihr passiert sei, antwortete sie nur auf Schwedisch, was wir leider nicht verstanden. Aber man braucht angesichts der steinigen Wege, der vielen Bachquerungen, der teilweise sehr rutschigen Holzplanken und des morschen alten Schnees auch nicht viel Phantasie, um sich verschiedenste Varianten zu überlegen, wie man sich übel einen Knöchel oder ein Knie verletzen kann. Im Vergleich dazu waren eine beschissene Nacht und nasse Klamotten doch irgendwie harmlos.

Wacher und fitter machte uns diese Erkenntnis allerdings auch nicht und so schlurften wir nur sehr langsam los. Kontrollierten häufiger als sonst – auch unterwegs noch – ob wir auch wirklich nichts vergessen hatten, da wir beim Packen irgendwie nur Watte im Kopf gehabt hatten.

Ich war so platt, dass mich jeder etwas steilere Anstieg sofort in eine Schnecke verwandelte. Meine Beine wollten einfach nicht mich und den Rucksack die hohen Schritte hinauf drücken. Wenn ich mit den Stöcken nachhalf, schrien die Schultern. Dabei fühlte ich mich, als hätte ich seit Tagen nichts gegessen. Ole machte sich Sorgen, ob wir mit meinem Tempo wohl überhaupt jemals irgendwo ankommen würden. Und ausgerechnet dieser Tag sollte mit 25 km und zwei Auf- und Abstiegen mit in Summe vermutlich 800 Höhenmetern noch mal besonders lang werden, wenn wir es bis zur übernächsten Hütte, der Låddejåkkåstuga, schaffen wollten. Es würden erst 12 km bis zur Arasluoktastuga sein und dann noch mal 13 km bis zur Låddejåkkåstuga. Dort wollten wir dann das Zelt aufschlagen.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, was der Sinn ist, es bis zu einer Hütte zu schaffen, wenn man dann dort das Zelt aufschlägt – außer der Tatsache, dass man zu wenig Bargeld hat. Für das Zelt spricht mal, dass es ziemlich einfach ist, das Innenzelt mückenfrei zu halten und dass wir dem “Lärm” einer Hütte nicht ausgesetzt sind (Schnarchen, schlagende Türen, Geschepper aus der Küche etc.). Für einen Zeltplatz an einer Hütte sprechen die Möglichkeit, zumindest in der Regel in einer Hütte Sachen trocknen zu können sowie die Toilette. Die simplen Plumpsklos sind zwar alles andere als luxuriös, aber in den kleinen Holzverschlägen hat man gegen die Mücken halbwegs eine Chance – draußen hat man keine. Und Ihr wollt gar nicht wissen, wo man und frau überall Mückenstiche kassiert, wenn die Hose mal unten ist.

Irgendwie ging es. Einfach immer einen Fuß vor den anderen setzen. Als wir auf dem Weg zur ersten Hütte den Anstieg hinter uns gebracht hatten, machten wir eine Pause und aßen als zweites Frühstück noch ein Schokomüsli. Danach bekam ich immerhin etwas besser einen Fuß vor den anderen. Dann der Abstieg zur ersten Hütte. An der Arasluoktastuga, die aus mehreren kleinen Hütten bestand und nicht so eine Massenveranstaltung wie Staloluokta war, flüchteten wir vor den Mücken in eine ebensolche kleine Hütte, die wir für uns allein hatten und in der wir zumindest mit ein wenig Ruhe eine Mittagspause machen konnten. Das Schlagen nach Mücken blieb auch dort nicht aus, aber es schwirrten einem immerhin nicht ständig unzählige Blutsauger um den Kopf herum. Ich aß soviel wie mein Magen irgendwie zuließ und das half mir dann sehr auf den nächsten 13 km.

Der weitere Weg begann wieder mit einem steilen Anstieg und ich wurde wieder so langsam, dass Ole sich besorgt fragte, ob wir jemals irgendwo ankommen würden. Als es dann weniger steil wurde, kam ich den langen Anstieg ganz gut rauf – dem vielen Essen während der Mittagspause sei Dank. Wieder runter mussten wir natürlich auch noch. Und dabei merkte Ole sein rechtes Knie, dass er sich am Vortag angeschlagen hatte, besonders stark. Etwas maulig war es ja den ganzen Tag über schon gewesen. Aber der letzte Abstieg nach der langen Strecke und den vielen Höhenmetern gab ihm dann den Rest. Das mit dem “Lächeln und nicht humpeln” wurde entsprechend anspruchsvoll.

Um kurz vor 20:00 Uhr erreichten wir ziemlich platt die Låddejåkkåstuga. Es wimmelte so dermaßen von Mücken, dass wir unsere letzten Reste Gelassenheit mobilisieren mussten, um das Zelt aufzustellen. Die nette Hüttenwartin zeigte uns dann noch den kleinen Shop und wir erstanden zufrieden zwei geräucherte Fische und eine Dose Bier. Dann fielen wir in der Hütte über unsere Schätze her. Das Bier war köstlich. Der Fisch war deutlich zu salzig, hat mir aber trotzdem hervorragend geschmeckt (endlich mal wieder etwas anderes!) und ist mir auch sehr gut bekommen. Ole hingegen hatte danach eine ganze Weile Probleme mit seinem Magen. Dazu gab es nette Unterhaltungen mit den nur vier anderen Gästen in der Hütte. Wo bitte waren die Massen in Staloluokta hergekommen?

Außer einem Tag der Müdigkeit, der lahmen Beine und der Mücken war es auch ein Tag der Erinnerungen gewesen. Die Strecke waren wir im Herbst 2014 schon mal gegangen, wenn auch in die andere Richtung. “Puh, den Anstieg fand ich damals schon steil.” “Schau mal der riesige See, war der damals schon so toll?” “Oh je, über den langen Auf- und Abstieg haben wir schon mal geflucht.” “Hatte der Fluss damals auch so viel Wasser? Sollen wir mal auf die alten Fotos schauen?” “Haben wir damals die Pause bei dem kalten Wind hinter dem großen Stein dort gemacht? Oder war es der dort drüben?” “Oh, das letzte Stück zur Hütte hatte ich aber schlimmer in Erinnerung.” “Wie lustig, das Zelt stand damals fast am selben Platz.” “Weißt Du noch der frische Fisch, den wir uns damals hier gebraten haben?” “…”

Tag 61

von Ole

Es hatte in der Nacht lange geregnet. Morgens war das Zelt noch sehr nass und wir waren froh, erstmal in der Hütte frühstücken zu können, während wir andere Wanderer beobachteten, die ihre nassen Zelte auf der Bank vor der Hütte trockneten. Nach dem Frühstück hatte der Wind unser Zelt auch weitgehend getrocknet und wir packten es mitsamt ca. 50 Mücken zwischen Innen- und Außenzelt ein. Ein guter Start für die Statistik.

Dank des Trockenraumes in der Hütte waren auch alle anderen nassen Sachen trocken geworden. Ein guter Start in den Tag.

Es sollten 18 km bis zur Kutjaurestuga sein. Leider war mein Start alles andere als gut. Die 200 Höhenmeter Aufstieg direkt hinter der Hütte schaffte ich noch gut, auch wenn die rechte Wade zwackte; ich hatte das Bein wohl irgendwie anders bewegt, um das Knie zu schonen. Dann war der Akku leer. Andrea zog mir locker davon. Komisch. Am nächsten Bach gab es erstmal viel Wasser zu trinken, dann ging es etwas besser. Allerdings mochte ich bei der ersten Pause kaum Nüsse und Obst essen. Irgendetwas war mir nicht bekommen.

Der Weg zog sich oberhalb des Sees Vastenjaure entlang mit schönen Ausblicken. So richtig genießen konnte ich die aber leider nicht. Dann kam vor uns das Akka-Massiv in den Blick, mit Schwedens vierthöchstem Berg. Ein schönes Fotomotiv, lud es doch zum Träumen ein, da sich das große weite Tal rechts daneben in den Sarek Nationalpark hineinzog, Schwedens Pendant zum Børgefjell Nationalpark, angeblich “Europas letzte Wildnis”. Mal sehen, ob es uns irgendwann noch in den Sarek zieht.

Bei der zweiten Pause mochte ich immerhin schon wieder etwas Brot essen. Wir überquerten kurz danach mit drei Brücken, eine davon richtig groß, zwei Flüsse und verließen damit den Weg, den wir aus 2014 kannten. Damals schon hatten wir an diesen Brücken gedacht, einmal dem Nordkalottleden dort nach Norden zu folgen, jetzt taten wir es. Es ging auf das letzte Drittel des Tages zu. Im sumpfigen Gelände wieder mit vielen Planken, das tat mir richtig gut, weil es einfacher zu gehen war. Zum Ende dann noch einmal mit viel kleinem Auf und Ab, das saugte mir die letzten Reserven aus den Knochen. Ich hatte die ganze Zeit nur gedacht: „Bis zur Hütte komme ich.“ Das schaffte ich auch, danach blieb ich aber erst einmal apathisch sitzen, während Andrea Wasser holte und etwas zu Essen mache. Ich war platt. Erst nachdem ich etwas gegessen hatte, kehrten die Lebensgeister zurück.

Wir sprachen kurz mit dem Hüttenwart und seiner Frau und bekamen eine interessante Alternative für den Weg nach Abisko, über die wir in Ritsem intensiv nachdenken werden. Etwas kürzer, mit mehr Hütten, in einer davon war er auch schon Hüttenwart gewesen. Im einsetzenden Regen bauten wir dann in Rekordzeit das Zelt auf, danach gab es Teil 2 des Abendessens. Bei ein bisschen Vorlesen schlief ich dann schnell ein und erholte mich.

Für Andrea war der Tag bei aufgelockerter Bewölkung und relativ einfachen Wegen fast wie Urlaub gewesen. Am Besten war ihre Lehrstunde zum Durchwaten von Flüssen für einen Schweden, der sich da einige Sorgen machte. “I’ve waded so many rivers …”, langsam wird es lustig.

Tag 62

von Andrea

Der prasselnde Regen auf der Zeltplane hatte mich nachts ja noch nicht übermäßig gestört. Das würde schon noch wieder aufhören. Umdrehen und weiterschlafen. Ab 7:00 Uhr morgens ging er mir auf den Wecker. “Schluss jetzt!” Um 8:00 Uhr wurde ich leicht aggressiv. Da Ole noch friedlich schlief, schnappte ich mir mein Handy und schrieb ein wenig an unserem Reisebericht. Dabei konnte ich das Prasseln zumindest zum Teil ausblenden. Um 9:00 Uhr war meine Laune denkbar schlecht, das Prasseln zeigte nicht die geringsten Anzeichen, weniger zu werden.

Ole wurde auch langsam wach. Es ging ihm besser. Uff, Erleichterung.

So gut es ging räumten wir das Innenzelt aus und stopften alles in unsere Rucksäcke, ohne uns dabei im Vorzelt von den etwa 100 Mücken fressen zu lassen oder gar in den Regen raus zu gehen. Dann brachten wir die Rucksäcke in die Hütte, bauten tapfer noch das sehr nasse Zelt ab und dann gab es Frühstück in der Hütte. Dort klärte uns der Hüttenwart auf, dass wir unser Zelt nicht auf dem vorgesehenen Zeltplatz, sondern auf dem Landeplatz des Hubschraubers aufgebaut hatten, was etwas gefährlich sei, aber bei dem leuchtenden Rot unseres Zeltes könnten wir wohl darauf vertrauen, dass der Pilot uns rechtzeitig gesehen hätte. Ups. Dann gab uns der Hüttenwart noch einen Brief für die Hüttenwartin in Vaisaluokta – unserem Ziel – mit. Wir spielten sozusagen Fjell Post.

Ich hatte keinen Bock auf den Tag. Draußen tief hängende Wolken, immer noch stetiger Regen, vermutlich wieder viele Mücken. Vor uns lagen laut Wegweiser 17 km zur Hütte Vaisaluokta. Das würden einige nasskalte Stunden werden. Ole bemühte sich um Optimismus und meinte, der Regen würde bereits etwas nachlassen (ja, für 5 Minuten) und an dem Tag würde sicher noch die Sonne heraus kommen (ja, abends um 20 Uhr, als wir bereits tropfnass an der Hütte angekommen waren). Es half nicht, ich hatte keinen Bock. Es war irgendwie wie arbeiten gehen … an einem besonders blöden Arbeitstag, den man so gar nicht haben musste. Aber es nutzte nix, es gab keinen Bus nach Vaisaluokta.

Zum Glück waren wir beide einigermaßen fit, der Aufstieg war damit kein Problem. Aber das viele Regenwasser war es. Es floss in Strömen die Hänge hinab und sammelte sich wo? Genau, im ausgetretenen Wanderweg. Wasser und Matsch den ganzen Tag. Viel Wasser. Auch der Regen kannte kein Erbarmen und hörte keine Minute auf. Dazu wurde der Untergrund bald felsig und damit sehr anspruchsvoll, denn nasse und mit Schlamm verschmierte Felsen sind einfach sauglatt. Zwar gab es auch viele Holzplanken, aber auch die machten uns nicht nur froh, denn sie waren glitschig und viele auch wackelig oder zerbrochen. Dazu kamen Bäche, die angesichts des vielen Regens einen auf starken Kerl machten und natürlich keine Brücken hatten (die sie normalerweise wohl auch nicht brauchten). Wir fühlten uns sehr an Norwegen erinnert. Schweden konnte also offensichtlich auch anders. Mit den einfach zu gehenden Wegen der letzten Tage hatte das rein gar nix mehr zu tun.

Ziemlich genau zu der Zeit, als uns die Frage beschlich, ob wir bei dem Wetter überhaupt eine Pause machen konnten, ohne elendig zu frieren, da wir beide sehr nass waren, oder ob wir die 18 km ohne Pause durchlaufen müssten, tauchte unsere Rettung auf: Eine kleine Schutzhütte, die weder auf der Karte verzeichnet war, noch in unserer Wegbeschreibung erwähnt wurde. Darin gab es zwar Holz, nur leider keinen Ofen, dafür zwei klatschnasse und frierende Wanderer (plus Hund) – ein Vater und seine 13-jährige Tochter. Die beiden hatten eine Wäscheleine quer durch den winzigen Raum gespannt und mit ihrer nassen Kleidung bestückt und hockten auf den Bänken in ihren Schlafsäcken, um wieder warm zu werden. Als wir wie begossene Pudel in die Schutzhütte stolperten, schaffte der Vater sofort Platz für uns und wir genossen eine Pause mit Brot, Tee aus der Thermoskanne und einer netten Unterhaltung. Vater und Tochter wirkten sehr entspannt. Sie würden mal abwarten, ob der Regen noch aufhörte, dann vielleicht noch nach Vaisaluokta weitergehen, ansonsten die Nacht in der Schutzhütte verbringen und erst am nächsten Tag weitergehen, alles kein Problem. Wir waren beeindruckt von der Gelassenheit. In dem feuchten Kabuff ohne Ofen hätten wir nicht gern eine Nacht verbracht.

Wir brachen wieder auf, als fünf weitere nasse Wanderer ankamen und auch gern noch in die kleine Schutzhütte wollten. Wir vier plus die fünf hätten nie hinein gepasst und wir hatten unsere Pause gehabt, also zogen wir weiter. Wir haben nicht mehr beobachtet, ob es den fünf Neuankömmlingen gelungen ist, sich zusätzlich zu Vater und Tochter irgendwie in der Schutzhütte zu stapeln … das Ding war schon verdammt klein.

Für uns wurde es dann hart. Es regnete noch immer, uns war kalt, der Weg verschwand immer häufiger in Wasser und Matsch, dazu kamen jetzt noch einige Stellen alten, morschen Schnees und zwischendurch war das Gelände so felsig, dass von Gehen keine Rede mehr sein konnte, wir stolperten von einem glitschigen Felsen zum nächsten. Ich fühlte mich an einige weit zurückliegende sehr lange und sehr ätzende Arbeitstage erinnert, die ich auch irgendwie durchgestanden hatte, wenn auch nur mit einer Mordswut im Bauch und der Überzeugung, dass ich am nächsten Tag kündigen würde. Und so würde ich auch diesen Tag auf dem E1 durchstehen und es bis zur Hütte schaffen. In Gedanken schrieb ich schon die Kündigung: “Lieber E1, wir kündigen, weil Du doof bist und bei solchem Wetter einfach zu anstrengend …”

Insgeheim musste ich ja zugeben, dass die Landschaft da oben schon verdammt geil und beeindruckend war, wenn man denn trotz der tief hängenden Wolken mal kurz etwas davon sehen konnte. Bei schönem Wetter und trockenem Untergrund musste das ein genial schönes Stück Weg sein.

Der gefürchtete steile Abstieg zum See Akkajaure, an dem die Hütte lag, entpuppte sich als relativ harmlos, da eher sandig als felsig, womit wir nicht mehr ständig aufpassen mussten, nicht auszurutschen. Als wir schon unten am See waren, zog der Weg auf den letzten 2 km zur Hütte noch mal alle Register an Gemeinheiten – Wasser, Matsch, übelstes Gekraxel über Felsen. Ich feilte an meiner Kündigung.

An der Hütte wurden wir sehr freundlich empfangen. Zelten war dort schwierig, da die Hütte an einem Hang im Wald lag und es schlicht keine geeigneten Plätze für ein Zelt gab. Zum Glück reichte unser Bargeld gerade eben noch für eine Übernachtung in der Hütte und die Hüttenwirtin versicherte uns im Brustton der Überzeugung, in ihrer Hütte gäbe es keine Mücken … sie könne die Viecher auch mal gar nicht ausstehen. Wie jetzt? Keine Mücken? Da fiel uns auf, dass sich die Biester tatsächlich den ganzen Tag ziemlich rar gemacht hatten. Warum auch immer. Ein Luxus, den wir gar nicht genug gewürdigt hatten.

Dankbar blieben wir in der Hütte. Wir erlegten ganze zwei Mücken, dann war tatsächlich Ruhe. Und da wir die einzigen Gäste waren, hatten wir eine himmlische Ruhe.

Und sogar unsere Sachen bekamen wir ein wenig trocken, da wir den Holzofen anheizten, obwohl es eigentlich ja warm genug war. Aber für trockene Strümpfe, Hosen und Jacken am nächsten Tag kann man ruhig auch mal ein bisschen schwitzen. (Und mehr als drei oder vier Birkenscheite braucht man dank der wirklich genialen Öfen auch nicht, um so eine Hütte für einige Stunden kuschelig warm zu bekommen.)

Am nächsten Tag würden wir um 9:05 Uhr das Boot nach Ritsem nehmen. Ritsem. Ritsem! Im Herbst 2014 waren wir bereits einmal dort gewesen. Damals waren wir nach Stockholm geflogen, von dort etwa 15 Stunden mit dem Nachtzug nach Norden gefahren bis in die Stadt Gällivare und von dort aus waren wir noch 4 Stunden mit dem Bus nach Ritsem unterwegs gewesen. Nun würden wir zu Fuß in Ritsem ankommen … oder besser mit dem Boot. Unglaublich! So langsam wurde uns klar, was wir geleistet hatten.

Tag 63 – Ruhetag

Staunen über den Vater mit seiner Tochter am Morgen vor der Hütte. Waren die beiden die gruselige Strecke von der Schutzhütte nach Vaisaluokta komplett in der Nacht gelaufen? Nein, sie waren doch am Vortag noch weiter gegangen und hatten im Abstieg gezeltet. Wieder wirkten Vater und Tochter komplett zufrieden und entspannt. Beeindruckend. Später sagte der Vater noch über seine Tochter: “She never complains.”

Erinnerungen, Rührung, Staunen, Stolz auf der kurzen Bootsfahrt über den Stausee Akkajaure nach Ritsem. Ein schwer zu beschreibender Mix aus Gefühlen. Zwei Monate bis hierher. Irre. Hatten wir vielleicht tatsächlich eine Chance, es bis zum Nordkap zu schaffen?

Ankommen, Paket in Empfang nehmen, Zimmer in Chaos verwandeln, duschen, Waschmaschine bestücken, immer noch patschnasses Zelt im Trockenraum aufhängen.

VIEL Teig für Pfannkuchen mit (getrockneten) Himbeeren anrühren und VIELE Pfannkuchen verputzen. Danach noch eine kleine Pizza und ein Nudeltiefkühlgericht in den Ofen geschoben. Dazu Chips und Bier. Danach große Augen. “Was essen wir jetzt?”

Pause in unserem Zimmer. Reisebericht geschrieben und Fotos für unseren Blog ausgesucht.

Irgendwann noch neu packen.

Und noch entscheiden, auf welcher Route es überhaupt weitergehen soll. Vermutlich werden wir den E1 ein wenig abkürzen und damit nur 7 bis 8 statt 10 Tage bis Abisko benötigen. Dafür müssen wir aber erst noch die Karten studieren.

Auf das Abendessen freuen.

Und irgendwie auch noch ein wenig erholen, denn am nächsten Tag soll es schon weitergehen.

Es wurde wieder Winter

We’ve waded so many rivers – besonders bei Sonne und ohne Mücken kein Problem

Tolle Landschaft im Aufstieg

Winter pur

Keine Sommerbrücke, Winterbrücke in Auflösung begriffen – für uns hat es noch gereicht

Hütte in Sicht – schon genial gelegen

Die Schneefelder werden immer gefährlicher

Plötzlich stand Andrea 80 cm tiefer, Ole war gerade zuvor über die Stelle gegangen

Magische Orte

Gletscher jetzt schon auf 1200 m

Lage, Lage, Lage – nur etwas viele Mücken

Der Drache kam am nächsten Tag – viel zu viel Wasser

Plötzlich schlug das Wetter um

Der See Virihaure war 2014 schon schön

Schneefelder blieben gefährlich

Gut gepflegter Weg mit vielen Planken

Der See Vastenjaure ist auch ganz nett

Richtig große Brücke

In Schweden werden sogar Planken bei Überflutung gesperrt

Das Akka-Massiv

Abstieg nach Vaisaluokta mit Blick auf den Akkajaure 

4 Gedanken zu “43. von Sulitjelma nach Ritsem 

  1. Hej – da liest sich doch (trotz Kündigungsgedanken) viel positiver als bisher…. „I’ve waded so many rivers…..“ – „Urlaub“…. etc. Ich bin sicher, dass Ihr das schafft!
    Und bzgl. des Kündigungsschreibens: mir hat da mal jemand empfohlen, eines zu verfassen und das bei mir zu haben…. kluger Mensch, soll grad zu Fuß auf dem Weg zum Nordkap sein ;).

    Alles, alles Liebe Euch!

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  2. Moin ihr beiden!

    Was ne Tour! Ihr seid echt hart, mein allerhöchster Respekt! Wenn ich das mit meiner Tour damals an dieser Stelle vergleiche,w as für ein Unterschied! God tur videre! Ihr packt das!

    Hilsen fra Simon

    P.S.: Beste Grüße auch an Sara, die in Ritsem arbeitet und die ihr alles zum E1 fragen könnt 😉

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  3. Liebe Andrea, lieber Ole!

    Was ist die Steigerung von allerhöchster Hochachtung? Ich als bekennende Schönwetter-Wanderin kann mir das alles garnicht vorstellen und lese Eure Berichte mit großen, staunenden Augen. Nur das mit den Mücken: mein einziger Ausraster auf allen meinen Afrikareisen war bei den Mückenschwärmen am Nilufer.

    Ich wünsch Euch weiter alles Gute, viel Kraft, trockene Schuhe und Kleidung und freundliche Menschen.
    LG Anna

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