60. Nordkap!

Tag 104 – Gefühlschaos am Ziel

von Ole und Andrea

Wir kamen um kurz vor 9:00 Uhr in Skarsvåg los. Das Cafe am Nordkap hatte jetzt außerhalb der Saison nur bis 15:00 Uhr geöffnet und schon um 14:20 Uhr fuhr dort der letzte Bus nach Honningsvåg ab.

Schon nach kurzer Zeit waren wir wieder auf der E69 zum Nordkap. Unsere Stimmung schwankte zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Viele Rentiere gaben uns Geleit auf den letzten 15 km. Die entgegenkommenden Autofahrer winkten freundlich. Sie wussten, dass wir kurz vor dem Ziel waren.

Die Zeit verging wie im Flug. Nach 11 km machten wir noch eine kleine Pause. Und kurze Zeit später standen wir an dem Schalter, an dem die Autofahrer die 270 NOK pro Person bezahlen mussten.

– “Where do you come from?”

– “From Grövelsjön in Sweden, about 120 km south east Røros. We walked close to 1.500 km since the first of June.”

– “Wow, that must have been an impressive trip.”

Und das Gespräch ging noch einige Zeit weiter. Ob wir den Trip nochmal machen würden, ob wir ihn anderen empfehlen würden, wie es für uns nun weiterging. Strahlende und begeisterte Gesichter auf der anderen Seite des Schalters. Unglaublich wertschätzend. Wir hätten sogar mit der Mannschaft um 16 Uhr nach Honningsvåg zurückfahren dürfen, aber leider hatten sie an dem Tag nicht genügend Platz für uns. Wir machten noch Werbung für unseren Blog. Dann wurden wir mit einem “enjoy and celebrate”  verabschiedet. Eintritt bezahlten wir nicht.

Es waren wieder einmal die Menschen, die den Unterschied ausmachten. Mir kamen die Tränen. All die Anstrengung fiel plötzlich ab. Es war so schwer gewesen, durch Wetter und die Beschaffenheit der Wege viel schwerer, als wir erwartet hatten. Wir gingen stolz mit unseren Rucksäcken an all den Auto- und Busfahrern vorbei. Da war das E1 Schild, das erste (oder letzte) rote T. Und dann die Weltkugel mit einer Menschenschlange davor, die für ein Foto anstanden.

Wir waren so froh, es geschafft zu haben. Gleichzeitig waren wir traurig, dass es vorbei war. Die Zeit war so unglaublich intensiv gewesen. Lachen und Weinen wechselten sich ab. Wir vermissten das Fjell jetzt schon. Wir freuten uns, dass die Ausgesetztheit eine Ende hatte. So lange hatten wir von dieser Tour geträumt, dann hatten wir sie so lange vorbereitet und letztlich waren wir noch so lange gelaufen. Die letzten zwei Wochen hatten wir uns gewünscht, es möge endlich vorbei sein. Und jetzt hatten wir es tatsächlich geschafft. Auf einmal war es vorbei. Wir konnten es selbst nicht glauben. Jetzt wollten wir es noch festhalten, es nicht gehen lassen. Wir mochten die Rucksäcke gar nicht absetzen. Sie kamen noch mit aufs Zielfoto.

Dann setzten wir uns, nahmen uns in den Arm und vergaßen alles um uns herum. Wir hatten so gut aufeinander aufgepasst. Und es gemeinsam geschafft. Wie oft hatten wir es verflucht. Wie oft hatten wir überlegt, nicht weiter zu gehen und nach Hause zu fahren. Wie oft hatten wir es geliebt. Und jetzt fiel alles ab.

Wir verschickten ein paar SMS und Whatsapps und konnten uns nur Minuten später über viele tolle Rückmeldungen freuen. Es hatten uns so viele Menschen begleitet.

Als die Busse der Hurtigrute wieder abgefahren waren, gönnten wir uns eine Waffel mit Rømme und Erdbeermarmelade. Immer wieder mussten wir uns gegenseitig anfassen und drücken.

Wir müssen ab jetzt die Rucksäcke nicht mehr jeden Tag packen und durch die Gegend schleppen. Wir müssen uns nicht dem Wetter aussetzen, müssen nicht frieren, unsere Beine und Füße nicht quälen. Wir müssen uns keine Gedanken mehr um Geröll, Moore und Flussquerungen machen. Unsere Körper sind dankbar. Die brauchen dringend eine Pause. Unsere Köpfe auch. Aber wir ahnen schon etwas besorgt, dass so etwas süchtig machen kann … die Sehnsucht schleicht sich bereits ganz langsam wieder an.

Wir wurden auch auf den letzten Kilometern noch …

… von der Landschaft verwöhnt

So ein hübsches Moor mussten wir dank Straße nicht durchqueren

Kurz vor dem Schalter, an dem man normaler Weise Eintritt zahlt

Eingang mit Nordkoordinate

 

Anfang oder Ende des E1?

 

Zielfoto

19 Gedanken zu “60. Nordkap!

  1. Moin Andrea! Moin Ole!

    Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen eures großen Ziels! Ihr seid wahre Abenteurer und habt es wirklich geschafft! Ich habe allergrößten Respekt vor eurer Leistung! Ihr habt euch nicht unterkriegen lassen und seid dafür oft belohnt worden. So eine Reise ist etwas ganz besonderes, sie wird euch lange weiter begleiten und auch wenn es schön ist, daheim im warmen Wohnzimmer zu sitzen, die Sehnsucht nach dem Unterwegssein wird sich bald wieder bemerkbar machen: Ut på tur, aldri sur 😉

    So eine Tour machen zu können bzw. zu dürfen ist schon der Wahnsinn, und ihr habt sie trotz allem sauber zu Ende gebracht! Würde mich sehr freuen, euch vielleicht mal persönlich dazu gratulieren zu können. Vielleicht ergibt sich ja mal die Chance (z.B. hier: http://www.simonpatur.de/fernwandern-camp-2017/). jetzt kommt aber erstmal gut zurück und wieder an, aber das wird dauern, glaubt mir!

    Ganz liebe Grüße aus Tübingen

    Simon

    P.S.: Wir waren am 17.09. in Harstad im Hotel und haben 2 Hurtigruten Schiffe gesehen, vielleicht hätten wir uns dort ja treffen können 😉

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  2. I have no words for your accomplishment. What a trip and fantastic pictures. I made it north of Fairbanks, Alaska, when I was staying in Anchorage. Was trying to get to Prudhoe Bay, but did not even make it to the Dalton Hwy. However, unlike you two, I was in a car!!!
    All the best to both of you!!!

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  3. Gratulation das ihr es geschafft habt!

    Für die Sehnsucht gibt es viele Wege der Linderung die ihr bestimmt schon kennt und die auch mal ein Jahr brauchen können.

    Liebe Grüße
    Mike

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  4. Liebe Andrea, lieber Ole, mir fällt es schwer die richtigen Worte für diese atemberaubende Körperliche und mentale Leistung zu finden. Für mich das „Sommermärchen“ vom Nordkap 🙂 Gratuliere von ganzem Herzen. Wünsche Euch viele bleibende Erinnerungen und nun gute Erholung. Herzliche Grüße, Jan

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  5. Liebe Andrea und lieber Ole.Ihr seid das Wanderpaar des Nordens. Tolle Leistung, starke Energie und enger Zusammenhalt führten zum Ziel. Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid wirklich Glückskinder — das Nordkap im Sonnenschein und bei strahlend blauen Himmel zu erleben..
    Wir wünschen euch eine erholsame und entpannte Rückreise. Liebe Grüße aus dem verregneten norddeutschen „echten“ Norden, Elke und Klaus

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  6. Ihr seid toll, das wisst Ihr ja schon! Wahnsinn, ihr Irren! Ich habe gerade den 60. Post gelesen mit einem Tränchen in den Augen vor Rührung! Gestern auch schon als die Whatsup kam! Und jetzt stelle ich fest, auch für uns Follower geht etwas zu Ende, was uns 1500 km begleitet hat – Euer Blog, das Mitfreuen, Staunen, (Euch) einen Vogel zeigen und Mitleiden. Genießt die langsame Ruckreise. Bis in München. Eure HH Micha und Boris

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  7. Liebe Andrea, lieber Ole,
    Ganz herzlichen Glückwunsch und Kompliment, dass Ihr durchgehalten habt. Tolle Leistung. Und dazu noch so schöner blauer Himmel und Sonne am Nordkap. Da bleibt das Ganze nach so viel herausforderndem Wetter viel schöner in Erinnerung. Ihr habt es verdient. Lg Sonja & Andreas

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  8. Hei Hei.Gratulerer!!!Ich freu mich sehr für euch und dass ihr es geschafft habt.Ihr hattet ein extrem schwieriges Jahr im Norden (kann es bestätigen 😉) und trotzdem habt ihr es durchgezogen, ich ziehe meine Merinomütze!Erholt euch gut und geniesst die Heimkehr…..Die Sehnsucht nach dem Fjell wird kommen, das ist sicher und so könnt ihr euch aufs nächste Mal freuen….wenn es wieder drückt, schmerzt, unter euren Füssen schmatzt und die Gelenke ein vierfaches Halleluja schreien 🌞lg aus Helvetien

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  9. Liebe Andrea, lieber Ole,

    Hurra, Ihr seid die Besten! Wie schön, dass Ihr durchgehalten habt. Ich freue mich sehr für Euch und bin auf Eure Berichte gespannt!

    Liebe Grüsse, Jan

    Jan Kiel

    Sierichstrasse 14 22301 Hamburg

    +49 170 4416805 jan@kielfisch.eu

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  10. WowWowWow!!!!!!!!!!!!! Herzlichen Glückwunsch!!!!!!!!!!!! Unglaublich, was ihr beidem da geschafft habt. Mir ist beim Mitlesen schon immer ganz schwummerig geworden…. wir freuen uns schon sehr Euch irgendwann demnächst wieder in München zu treffen.
    Gute Heimfahrt LG Tanja und Sepp

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  11. Meinen allerherzlichsten Glückwünsch zu dieser wahnsinnigen Leistung. Habe euren Blog vom ersten Eintrag verfolgt und war praktisch mit euch auf der Reise. So schöne, offene und packende Geschichten – Etappe für Etappe!
    Ich ziehe meinen Hut vor euch und das nicht nur einmal. Ich wünsche euch eine schöne Heimreise, auf das ihr langsam wieder ankommen werdet, insofern das überhaupt möglich ist. Wie vielen schon zuvor wird euch dieses Abenteuer wohl noch lang begleiten.

    Chapeau!
    Michael

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