63. Rückreise

von Ole 

Mit dem Bus ging es vom Nordkap zurück nach Honningsvåg. Wir wurden direkt am Hotel abgesetzt. Der Rest des Tages – unseres Tages am Nordkap – klang mit Essen und Schlafen aus. Das große Ausruhen begann.

Am nächsten Tag brachte ich morgens – natürlich bei Regen – die Wäsche mit dem Hotelfahrrad zu einer Wäscherei. Später ging Andrea zum Frisör und sah danach noch besser aus. Und dann schauten wir “unserer” Hurtigrute, der MS Finnmarken, beim Einlaufen zu. Sie würde noch weiter nach Kirkenes fahren, bevor wir zwei Tage später auf ihrem Rückweg einsteigen würden. „Die hatten schlechtes Wetter am Nordkap.“ Wir freuten uns, dass wir bei Sonne am Nordkap gewesen waren. Mittags gab es je eine Galette und einen Crêpes in Honnis Bakeri. Nach dem Mittagsschlaf holte ich die Wäsche wieder ab. Abends aßen wir lecker im Hotel.

Unsere Körper waren immer noch vorsichtig, taten lieber mal weh, bevor wir auf dumme Gedanken kamen. Aber irgendwelchen Aktivitäten schob auch der Regen einen Riegel vor. So gab es am nächsten Tag nur kleine Einkäufe und einen Besuch im Nordkappmuseet.

Dann hieß es am 15. September früh aufstehen, um 5:00 Uhr klingelte der Wecker, um 5:20 Uhr standen wir am Kai und fotografierten “unser” Schiff beim Einlaufen. Natürlich regnete es …

Nach dem Check-in genossen wir den Whirlpool an Deck – im Regen. Dekadent, aber sehr nett. Mit Ausblick auf die schöne Küste. Dann gab es Frühstück und einen Vormittagsschlaf. Wir freuten uns dabei über ein kleines Upgrade, wir hatten statt der gebuchten Kabine eine Mini-Suite mit Doppelbett bekommen, dafür war die Aussicht komplett durch ein Rettungsboot verbaut. Die Kabine war größer als viele Hotelzimmer, die wir unterwegs gehabt hatten, als unsere rote Villa sowieso.

Der erste Tag an Bord verging wie im Flug. Der zweite war durch Sonne und die wunderschönen Vesterålen und Lofoten bestimmt. Dazu mit ein bisschen Vorbereitung und Lampenfieber. Wir hatten angeboten, einen kleinen Vortrag über unsere Tour zu halten. Aufgrund der Buchungssituation des Konferenzraumes an Bord sollte dieser dann plötzlich abends um 21:00 Uhr statt wie zunächst vereinbat einen Tag später um 14:30 Uhr stattfinden.

Es kamen trotz kurzfristiger Ankündigung gut 50 Leute zu unserem Vortrag. Abwechselnd berichteten wir von unseren Erlebnissen, untermalt mit einigen Bildern. Unser Blog hatte uns gut vorbereitet, wir mussten die Geschichte nur kürzen. Schön war das direkte Feedback im Anschluss, noch schöner war es am nächsten Morgen beim Frühstück, als sich viele noch einmal bedankten und uns mit weiteren Fragen ansprachen. Es war  interessant zu sehen, wie unsere Tour andere Menschen faszinierte. Wir beide merkten dabei wieder, dass wir es noch nicht wirklich realisiert hatten, was wir da geschafft hatten. Und vor allem hatten wir noch nicht realisiert, dass es jetzt vorbei war.

Ansonsten ging die Fahrt auf der Hurtigrute für uns viel zu schnell zu ende. Immer wieder dachten wir darüber nach, auf welcher Höhe wir gerade waren und wie es uns vor Wochen auf dieser Höhe im Fjell ergangen war. Wehmut machte sich immer mal wieder breit, auch wenn keiner von uns sofort wieder losgehen wollte. Einerseits freuten wir uns auf unsere Eltern und auf Zuhause, andererseits ging damit eine ganz besondere Zeit zu Ende, die viel zu schnell vergangen ist.

Schön war das gegenseitige Vorlesen unseres Blogs. Es weckte viele Bilder noch einmal und erinnerte uns, was wir alles auf unserer Tour erlebt hatten.

Mit ein bißchen Sport in dem kleinen Fitnessraum und dem einen oder anderen Landspaziergang verbrannten wir wenigsten ein paar der Kalorien, die wir regelmäßig zu uns nahmen. Wir versuchten, den Schokoladenkonsum wieder herunter zu fahren. Sauna und gegenseitige Massagen lockerten die immer noch beleidigte Muskulatur. Erholen stand ganz oben auf der Tagesordnung.

In Brønnoysund und Trondheim machten wir jeweils einen kleinen Stadtbummel. In Trondheim waren uns der Verkehr und die missmutigen “Montag Morgen Gesichter” der hektischen Leute schon fast zuviel. Gut, dass wir noch anderthalb Tage auf dem Schiff hatten. Nachdem die anderen Passagiere hier anfangs auch alle wenig glücklich ausgesehen hatten, hatte sich das ab Tromsø deutlich gebessert. Die zwei Tage von Honningsvåg nach Kirkenes und zurück muss der Seegang echt heftig gewesen sein, was man einigen noch angesehen hatte.

In Bergen verließen wir am 19. September wehmütig das Schiff. Viereinhalb Tage hat es gedauert, bis wir wieder ungefähr auf der Höhe unseres Startpunktes in Grövelsjön waren. Viele Erinnerungen. Auch durch das weitere Vorlesen unseres Blogs aufgefrischt. “War das wirklich so hart gewesen?” Die Verdrängung hatte schon eingesetzt.

In Bergen war deutlich weniger Verkehr als erwartet, die Radweltmeisterschaft sorgte für viele gesperrte Straßen. Wir hatten ein Hotel genau zwischen Fähranleger und Bahnhof und direkt neben einem  guten kleinen Sushi-Restaurant. Das nutzten wir nach einem kurzen Stadtbummel.

Dann ging es mit der Bergen-Bahn nach Oslo. Genial, wie die Bahn anfangs die langgezogenen Fjorde entlang führte. Auch das – für unseren Geschmack etwas kurze – Stück über die Hardangervidda war toll. Nass und grau und trotzdem in wunderschönen Herbstfarben. Viel zu schnell ging es hinter Geilo wieder von der Hochebene hinunter.

In Oslo fanden wir dann schnell unser Hotel. Nach einer kurzen Pause bummelten wir zum Lachshändler unseres Vertrauens (www.fjelberg.no). Hier hatten wir schon 2002 und 2009 leckeren geräucherten Lachs und Graved Lachs gekauft. Wir wurden fast unsere letzten Kronen los. Über Aker Brygge ging es im einsetzenden Regen zurück ins Hotel. Abends gab es dann Salat und Pizza, bevor wir zum Lesen und Vorlesen wieder unser kleines Zimmer bezogen.

Wir frühstückten am nächsten Morgen bei Joe & the Juice. Frische Säfte und leckere Sandwiches. Kannten wir schon vom Flughafen in Stockholm. Sehr entspannt fuhren wir dann zum Flughafen. Unser Rentiergeweih im Handgepäck landete am Security Check erst auf dem separaten Kontrollband, wurde dann aber doch durchgewunken. In Hamburg riskierten wir das lieber nicht, wir gaben es Andreas Eltern und baten sie, es uns bei ihrem nächsten Besuch mitzubringen.

Nach zwei schönen Tagen mit unseren Eltern in Hamburg landeten wir am Samstagmorgen, dem 23. September, wieder in München. Eine lange Reise ging zu Ende.

Bei der Ankunft in unserer Wohnung fühlten wir uns, als ob wir nur sehr kurze Zeit weg gewesen wären. Und doch sind fast vier Monate vergangen, viele intensive Momente und hoffentlich einiges, was für uns bleibt.

Die MS Finnmarken auf dem Hinweg

Zwei Tage später sammelte sie uns früh morgens ein

Vorne Eingang, hinten Ladeluke

Im Regen ging es an Bord

Größer als viele Hotelzimmer, als unsere rote Villa sowieso

Badenixe – auf dem Schiff gab es tatsächlich Schwimmbad und Whirl Pool

Auch vom Wasser aus schöne Landschaft

Hier auch

Im Schlafsack an Deck

Beeindruckend, wie nah das Schiff an die Felswände kommt

Abendstimmung

Überquerung des Polarkreises weckte Erinnerungen

Toller Sonnenuntergang

Radweltmeisterschaft in Bergen – hier Einzelzeitfahren der Frauen

Brygge in Bergen

Hardangervidda vom Zug aus – nasse Herbstfarben

Fjelberg in Oslo – toller Lachs

Aker Brygge in Oslo

Ein bisschen Post wartete auf uns – schon perfekt sortiert, danke Hervé!

Ein Gedanke zu “63. Rückreise

  1. Liebe Andrea, lieber Ole,
    Welcome back! Ich freue mich sehr, dass Ihr heile, gesund und voller unzähliger wunderbarer Erlebnisse wieder zurück seid. Jede Seite Eures Blogs habe ich mit großer
    Neugier gelesen und durfte so mit Euch reisen. Danke, dass ich so an Euren Erlebnisse teilhaben konnte. Das war klasse. Die nimmt Euch niemand mehr. Ihr könnt sehr stolz auf Euch und das Erreichte sein. Darauf schlage ich vor stoßt Ihr nun mit dem bereitstehenden Champagner an 🙂
    Ich freue mich Euch bald persönlich wieder zu sehen. Bis dahin genießt noch die Zeit..bevor der tägliche Wahnsinn Euch wieder einholt…es wird zum Glück eine Weile dauern. Herzlichst. Jörg

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