15. von Trenta nach Arnoldstein

Fakten

  • 2 Wandertage
  • 31 Kilometer
  • 2.160 Höhenmeter Aufstieg
  • 1.200 Höhenmeter Abstieg (dank Seilbahn)
  • Wieder nur Sonne

Nachtrag zum Ruhetag (Tag 14):
Das Abendessen an unserem Ruhetag war sehr nett gewesen! Da das Restaurant nach dem Wolkenbruch völlig überfüllt gewesen war, hatten wir uns mit Kristin und Chad, zwei Amerikanern, an einen Tisch gesetzt. Es folgte neben dem Essen eine angeregte Unterhaltung über Urlaube und Erfahrungen. Die beiden waren am selben Tag mit einem Kajak auf der Soca gekentert, waren dabei komplett durchnässt worden, hatten aber zum Glück keine Verletzungen davongetragen und fast alle Habseligkeiten wieder gefunden. Vorher waren sie von Chamonix nach Zermatt über die Haute Route gewandert. Zufallsbekanntschaften. „The trail provides.“

Tag 15

von Ole

Frühstück gab es eigentlich erst ab 07:30 Uhr. Da wir schon früh wach waren, fingen wir schon um 07:20 Uhr mit dem Schokomüsli an. Ich machte eine Packung alle, Andrea bekam dann die neue Packung. Danach gab es Brötchen mit Rührei, Hüttenkäse mit Bärlauch, Käse, Salami und zum Abschluss noch ein bisschen Nutella. Die ökologoschen Schokoaufstriche waren am Vortag beide alle gewesen und Andrea hatte auf Nachfrage als Alternative Nutella bekommen, was ihr vermutlich eh lieber gewesen war.

Derart gestärkt zahlten wir und kamen um 08:30 Uhr los. In Erinnerung bleibt die Herzlichkeit von Stanka, unserer Wirtin, die sich nicht nur um uns, sondern um alle Wanderer generell ganz toll kümmert, weil „die ja nicht so flexibel sind wie Leute, die im Auto unterwegs sind“.

Wir gingen zur Hauptstraße, überquerten die Soca (einen sehr schönen, ungezähmten Wildfluss, den wir schon im letzten November hatten bestaunen dürfen) mit einem kleinen Schlenker flussabwärts und konnten so direkt auf dem Soca-Weg starten, statt erst noch an der Straße nach Trenta zu gehen.

Der Tag war dreigeteilt, erst dem Soca-Weg bis zur Quelle folgen, dann hoch zum Vrsic Pass und dann noch einmal hoch und runter und hoch und richtig runter zur Dom Tamar Hütte. Auf dem letzten Drittel war ein Stück des Weges auf unserer Karte nicht als durchgezogene Linie dargestellt, sondern nur gestrichelt. Hier war laut einem Kommentar auf der Website der Via Alpina vor einigen Jahren der Weg durch einen Erdrutsch angeblich unpassierbar geworden. Ob es hier mittlerweile wieder etwas gab, was die Bezeichnung „Weg“ verdiente, wussten wir nicht. Für uns hieß es, hingehen und es sich anschauen.

Doch zuerst Teil eins. Die Soca im Morgennebel vor uns, Tau auf den Gräsern und Spinnennetzen, ein schöner Start in den Tag. Doch der Weg verlief dann in ziemlich anstrengendem Auf und Ab, das ganze bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit. Wir fühlten uns wie in einem etwas zu kühlen Dampfbad. Uff. Dann ein letzter Blick auf den Triglav und weiter ging es flussaufwärts. Immer wieder mit schönen Blicken auf die hellblaue Soca. Nach knapp 3 Stunden gab es an der Hütte nahe der Soca-Quelle eine kleine Pause, mit Saftschorle, türkischem Kaffee (mit viel Kaffeesatz) und einem kleinen Stück Schokoladenkuchen.

Dann ging es 900 Höhenmeter bergauf. Zuerst sahen wir noch einmal die Sturmschäden, die es vor unserem Besuch im Vorjahr gegeben hatte und die wir entlang des ganzen Soca-Weges noch gesehen hatten. In der Folge zog sich der Weg mit relativ konstanter Steigung toll den Berg hinauf. Wir fanden beide unseren Rhythmus und genossen den Aufstieg. Der Wald bot Schatten, die Luftfeuchtigkeit war hier oben deutlich geringer und die Verdunstungskälte der Shirts, die wir an der Hütte in Wasser eingeweicht hatten und die jetzt langsam an unseren Körpern trockneten, trugen das ihre zu einer angenehmen Temperatur bei. Neben uns plätscherte immer wieder ein kleiner Zufluss der Soca und ab und zu gab der Wald tolle Blicke auf die umliegenden Zweitausender frei.

Am Pass angekommen standen wir dann plötzlich wieder inmitten von Menschenmassen. Wahnsinn. Wir gingen zu einer der drei Hütten am Pass und teilten uns eine Portion Spaghetti Bolognese und einen Apfelstrudel. Herrlich dazu die Mischung aus einem isotonischen Getränk und Wasser. Wir merkten, dass unsere Körper ein paar mehr Mineralstoffe dankend annahmen.

Der dritte Teil des Tages begann dann mit 200 Höhenmetern Aufstieg durch ein in der Sonne liegendes steiles und felsiges Latschendickicht. Heftig. Das ganze mit zu vielen Menschen, die uns entgegen kamen, und von denen viele nicht wirklich für das Gelände ausgerüstet waren (vor allem das Schuhwerk war zum Teil abenteuerlich).

Nachdem wir einen ersten Sattel erreicht hatten, ging es knappe 100 Höhenmeter bergab und dann gute 100 Höhenmeter wieder bergauf zu einem zweiten Sattel. Der Weg war teilweise schon ein bisschen sportlich, mal nah am Abgrund, mal mit Stellen, für die man die Hände am Fels brauchte. Wir hielten uns gut. Nur die noch vor uns liegende Stelle im letzten Abstieg, die auf unserer Karte nur gestrichelt dargestellt war, warf ihre Schatten voraus … wir wurden langsam nervös.

Wir machten am zweiten Sattel noch eine kurze Pause, bevor es steil und teilweise abenteuerlich den Hang hinunter ging. 700 Höhenmeter Abstieg lagen noch vor uns, auf weniger als 3 Kilometern. Nachdem wir die ersten schwierigen Stellen überwunden hatten, kamen wir gut voran. Auch hier wuchsen einige vom Sturm beschädigte Lärchen quer über den Weg und forderten uns immer wieder zu Rucksack-Limbo heraus. In einem Schotterfeld konnten wir dann sogar mal ein paar schnellere Schritte machen, man bremste quasi von alleine. Im Wald gab es dann wieder ein paar sehr abschüssige Stellen, die wir gemeinsam meisterten.

Als wir aus dem Wald herauskamen, sahen wir langsam, was auf uns zu kam. Ein enge Rinne, durch die sehr steil der „Weg“ hinab führte. Wir machten noch eine kurze Pause, um den Kopf auszulüften, denn die nächste gefühlt halbe Stunde (für etwa 100 Meter Luftlinie) brauchten wir all unsere Konzentration. Immer wieder kamen die Steine unter unseren Füßen ins Rutschen, teilweise mussten wir uns mit den Händen irgendwo abstützen, ganz langsam ging es hinunter. Bislang eindeutig das schwierigste Stück des Weges. Am Ende ging es noch an meterhohen Schneeresten vorbei und wir „tanzten“ über die großen Steine im Flussbett, bevor wir die Rucksäcke ablegen und die Köpfe auslüften konnten. Wir hatten es geschafft. Aber es hat uns beide mental sehr viel Kraft gekostet.

Richtig gemerkt haben wir das, als wir die letzten 200 Höhenmeter zur Hütte auch noch geschafft hatten. Zu viel waren wir an dem Abend nicht mehr zu gebrauchen. Zum Glück hingen wir jeweils zu unterschiedlichen Zeiten komplett durch, so dass wir gut aufeinander aufpassen konnten.

Wir bekamen ein Zimmer für uns alleine, tranken dann erst einmal ein Radler gemischt mit Wasser, dazu hatte Andrea eine Tüte Chips ergattert. Ich war völlig platt.

Wir unterhielten uns mit zwei Schweizern, die kurz vor uns angekommen waren und die auch auf der Via Alpina gen Norden unterwegs waren. Dann duschten wir und aßen Abendbrot, eine leckere Suppe und dazu wieder Buchweizengrütze. Jetzt war Andrea völlig platt. Vorher hatten wir noch die beiden Wanderer vom ersten Abend wieder getroffen und uns auch mit ihnen nett über die jeweiligen Erfahrungen ausgetauscht.

Nach dem Essen konnte ich noch eine deutsche Familie glücklich machen, die auf der Via Alpina Richtung Süden unterwegs war, indem ich ihnen die Karte vermachte, die wir von der netten Dänin bekommen hatten. So ziemlich mit den gleichen Worten, wir würden jetzt aus ihr heraus laufen und sie nicht mehr benötigen.

Bei einem Blaubeerstrudel für mich allein, Andrea war sogar zu kaputt für Nachtisch, lasen wir noch einmal die nächsten Etappen. Zwei sehr lange, dann zwei etwas kürzere. Mal sehen, wie wir voran kommen und wo wir ggf. noch Ruhepausen brauchen. Ich schrieb dann noch, während Andrea um 20:30 Uhr einschlief. Wir hatten es geschafft. Und wir durften stolz auf uns sein.

Tag 16

von Andrea

Nach einem Frühstück mit Blick auf die Felskulisse, der wir am Vortag entstiegen waren, machten wir uns – wieder unter blauem Himmel – auf den Weg Richtung Österreich.

In Planica bewunderten wir die Ski-Sprungschanzen und die tapferen Menschen, die eifrig ihr Sommertraining absolvierten. Ole erklärte mir die Unterschiede zwischen Ski-Sprung und Ski-Flug und wir bestaunten gemeinsam die riesige Schanze für den Ski-Flug im Vergleich zu den „kleinen“ Schanzen daneben. Viel Muße zum Schauen hatten wir aber nicht, die Schanzen und die Straße davor lagen in der Sonne und da war es uns auch gegen 9:00 Uhr schon zu warm.

Weiter ging es nach Podkoren, wobei uns massenweise Radfahrer entgegen kamen. Wir beneideten sie um den Fahrtwind.

Wann immer wir mal ein wenig Schatten unter Bäumen hatten, konnten wir kurz aufatmen, dann brutzelten wir weiter vor uns hin. An einer kleinen Bar setzten wir uns in den Schatten, aßen Palatschinken und kühlten ein wenig runter. Vorsorglich verpflasterte ich meine Füße, denn der anstehende Aufstieg sollte steil werden.

Hinter dem Ort Podkoren verloren wir mal wieder kurz den Weg, ächzten dann bergauf, erreichten die Bundesstraße und auf dieser die Grenze zu Österreich. Dort sicherten wir uns vor einem Duty Free Shop einen Platz im Schatten und beobachteten amüsiert die vielen Auto- und Motorradfahrer.

Nach einem freundlichen „Grüß Gott“ an der Grenze am Wurzenpass ging es scharf links um die Ecke und dann in einer Steilheit den Hang hinauf, die echt unfassbar war. Es gab zwar Serpentinen, aber selbst in diesen war der Weg noch so steil, dass ich mich ab und zu fragte, ob die Schuhe gleich rutschen oder gerade eben noch halten. Dazu lagen einige Abschnitte des Weges in der prallen Sonne. Es war schlicht brutal. Aber auch faszinierend, was noch ging. Zu Hause hätten wir bei solch einer Wärme alle Rolläden geschlossen, die Wohnung nicht verlassen und nur auf der Couch gelegen. Man konnte alternativ auch zwei schwere Rucksäcke einen sehr steilen Hang hinauf tragen. Muss man mögen.

Wir legten noch eine letzte Pause ein, als wir merkten, dass uns leicht übel wurde und erreichten dann gegen 14:00 Uhr den Sessellift über Arnoldstein. Und hier zeigten wir der Via Alpina den Mittelfinger und schwebten entspannt zu Tal. Unsere Tagesetappe wäre eigentlich noch etwa 10 Kilometer länger gewesen, um dann in einem Ort zu enden, in dem es angeblich keine Unterkunft gegeben hätte, von wo aus wir also nach Arnoldstein zurück gemusst hätten. Das ging einfacher.

Gegen 15 Uhr erreichten wir bei 32 Grad Celsius im Schatten unser Hotel, genossen die Dusche und ein sehr leckeres Mittagessen mit einem geteilten Steak Tartar und zwei tollen Salaten.

Der Rest des Tages verging mit weiterer Planung, dem Bestücken unseres GPS-Geräts mit neuen Tracks, Schreiben, dem Auffüllen der Notfallapotheke (vor allem elastische Binde und Tape), dem Schauen zweier Klettervideos (endlich ein anständiger Internetzugang!) und zum Abschluss einem köstlichen Abendessen mit einem Salat mit Hirschsteaks und selbst gemachten gefüllten Nudeln.

Ich war nur etwas Wehmütig, dass wir den „freien Nachmittag“ vor allem mit Planen und Organisieren verbracht hatten. Die Ruhe ist dabei etwas zu kurz gekommen. Das war auch in Norwegen schon oft so gewesen …

Die Soca im Morgenlicht

Sturmschäden im Soca-Tal

Blick zurück vom Vrsic Pass

Verkehrschaos am Vrsic Pass

Das Stück des steilen Abstiegs in der Rinne hatten wir schon hinter uns

und das noch vor uns

Beim Abendessen an der Dom Tamar Hütte lachten wir wieder

Der Jalovec über der Hütte strahlt im Morgenlicht

Die Sprung- und Flugschanzen von Planica

Liebliche Almen vor majestätischer Kulisse

Auch den Kühen war es an diesen Tagen zu warm

Beeindruckendes Denkmal in Erinnerung an den eisernen Vorhang an der Grenze Slowenien Österreich

Schwebend nach Arnoldstein

Auf den Einsatz wartend. Ein bisschen Abkühlung hätten wir gut gebrauchen können

Leckere Salate bei Wallner

2 Gedanken zu “15. von Trenta nach Arnoldstein

  1. Hej Ihr lieben Wanderer
    Die zwei Schweizer heissen Annemarie und Hanspeter😉
    Wir sind jetzt in Nassfeld im Alpenhof Plattner und müssen uns leider jetzt aus der Via Alpina ausklinken. Wenn das Wetter mitmacht steigen wir morgen früh für den Sonnenaufgang hoch zum Gartnerkofel. Noch ein Bergabschied.
    Euch wünschen wir eine tolle Weiterwanderung und es hat uns sehr gefreut euch kennengelernt zu haben. Weiterhin toi toi toi.
    Liebe Grüsse Annemarie und Hanspeter

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