35. Heimkehr

Wir waren gegen 15:30 Uhr in Feldkirch und kauften Bahntickets für eine Verbindung, die uns um 16:17 Uhr über Innsbruck, Kufstein und Rosenheim nach München bringen sollte. Zwei Stunden brauchte der Zug, um bis Schwaz zu kommen. Für die Strecke von Schwaz nach Feldkirch hatten wir 14 Tage gebraucht …

Ab Kufstein und stiegen viele junge Leute in Tracht ein. Ein kurzer Schreck. War etwa schon Oktoberfest? Nein, nur die Rosenheimer Variante davon, ab Rosenheim wurde es wieder ruhiger im Zug. Uff, wir durften uns noch zwei Wochen an die vielen Menschen in München gewöhnen, bis es dann für kurze Zeit noch mehr Menschen werden würden.

Wir gingen im Kopf noch einmal alle Etappen seit Triest durch. Schöne Erinnerungen. Wir staunten und amüsierten uns, dass wir teilweise sehr unterschiedliche Dinge in Erinnerung behalten hatten. So verging die Zeit fast wie im Fluge. Kurz nach 20:30 Uhr steckten wir in unserer Wohnung den Schlüssel ins Schloss … einen Schlüssel, den wir seit acht Wochen nicht in der Hand gehabt hatten. Zum Glück hatten wir noch gewusst, wo in unserem Gepäck wir in gut versteckt hatten.

Kurz nach uns kam das von unterwegs online bestellte Sushi an. Perfektes Timing! Wir hatten gerade die Rucksäcke fertig ausgepackt. Wie schnell wir doch wieder in eine Art Funktionier-Modus kamen: die schmutzige Wäsche auf zwei Stapel verteilen, die Regen- und Daunenjacken sowie die Schuhe zum Lüften auf den Balkon, die Regenhosen zum Abspülen in die Dusche, Pflaster und Verbandsmaterial wieder auffüllen und in die Kiste mit den Wandersachen, die Schlafsäcke ins Tiefkühlfach (ja, tatsächlich, falls wir aus irgendeiner Hütte Bettwanzen mitgenommen haben sollten) … Fast mussten wir uns kneifen. Wir waren doch erst eine viertel Stunde zu Hause. Konnte das alles nicht warten? Wir setzten uns an den Tisch und genossen das Sushi. Das letzte hatten wir in Schwaz gehabt, das war lange her und Sushi liebten wir beide. Und mehr räumten wir an dem Abend auch nicht mehr auf.

In der Nacht wachten wir beide zwischendurch einmal auf und wussten nicht, wo wir gerade waren. Zu ungewohnt das eigene Bett, zu schnell der Wechsel zurück in das andere Leben. Das war uns auf keiner Hütte und in keinem Hotel passiert.

Der nächste Tag sah uns weiter aufräumen, Ausrüstung pflegen, die letzten Blogbeiträge vorbereiten, einkaufen, Post sortieren. Einiges fühlte sich noch fremd an. So ein Einkauf im Supermarkt mit vielen Menschen kann einen genauso erschöpfen wie 1.000 Höhenmeter Aufstieg.

Am Abend waren wir dann beide im Kopf müder als an sehr vielen anderen Tagen der letzten acht Wochen und körperlich gleichzeitig total unausgelastet. Dabei hatten wir an dem Tag zu Hause sogar ein kleines Krafttraining für die Schultern gemacht, aber das hatte irgendwie nix weggeschafft. Eingesperrte Huskies, die nicht laufen können, sind nicht gerade leicht zu ertragen – für sich selbst nicht und für den anderen nicht.

In der nächsten Nacht fiel uns auf, wie hell es draußen durch das künstliche Licht war. Mitten in der Nacht! Unterwegs war für nächtliche Toilettengänge fast überall (außer vielleicht in Schwaz und in Oberstdorf) eine Stirnlampe notwendig gewesen, weil man sonst ein paar unliebsame Zusammenstöße gehabt hätte. In unserer Wohnung war das völlig überflüssig. Hatten wir irgendwo in der Wohnung versehentlich Licht angelassen? Nein, hatten wir nicht …

Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, die Eindrücke von unserer Tour zu verarbeiten und wieder ganz zu Hause anzukommen. Aber dafür haben wir ja zum Glück noch eine Woche Zeit. Wie wir uns dann wieder daran gewöhnen sollen, ganze Tage ohne Auslauf am Schreibtisch zu verbringen, ist uns noch ein Rätsel.

Ein Gedanke zu “35. Heimkehr

  1. Herzlich willkommen zurück, Andrea und Ole. Schön, dass ihr gesund wieder gekommen seid – sehr beeindruckend, wie ihr die letzten Wochen durchgezogen habt! Liebe Grüße und bis bald, Benni, Melli und Leonie

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